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Archive for Februar 2012

Winterlandschaft (Die Schreckensherrschaft des El Niño)

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Es ist mal wieder winterlich in Japan! Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist in Tokyo mehr als 0.2 Zentimeter Schnee gefallen. Das ist wirklich etwas Besonderes! Also habe ich Frau losgeschickt um Photos zu machen (ich selbst musste arbeiten). Morgen soll es wieder warm werden und der ganze Zauber ist vorbei.

Die Serie zum Thema Medien wird ein anderes Mal fortgesetzt. Aufgrund der großen Anzahl habe ich die meisten Bilder auf 320 x 240 Pixel verkleinert.

 

Tokyoter Winterlandschaft

   

    

 

Muellabfuhr                                                                     Der Audi PKW-Fachhaendler um die Ecke

  

 

Da schlaegt das japanophile Herz doch gleich hoeher …

      

 

Die Pflanzenwelt hat’s nicht leicht dieses Jahr.

Pflaumenbluete (Ist in Japan auch ein Symbol fuer den Fruehling.)

 

Mandarinen  (oder ein anderes Zitrusgewaechs)         Weisskohl

    

 

Japanische Kiefer                                                                Nandina (scheinbar ein Bambusgewaechs)

   

 

Palmen sind in Japan weit verbreitet. Bei uns in Tokyo fliegen auch gern einmal Papageien durch die Gegend.

 

Vor unserer lokalen Oberschule, die uebrigens ziemlich „gut“ ist: 合格発表 ー goukaku happyou – etwa: „die Resultate der Eintrittspruefung haengen aus“

Am 28.2. (gestern) war die zentrale Eintrittspruefung fuer oeffentliche (lies: nicht-private) Schulen in Tokyo.

 

Ein oeffentliches Bild meiner Frau auf diesem Blog. Sogar mit Gesicht! 😉

 

Hiiragi (scheint eine Art Stechpalme zu sein)            Ein Sardinenkopf (jap. 鰯, iwashi) an einem Holzpfahl

   

Wie einige meiner Leser sicher schon wissen, ist es bald Zeit fuer das Maedchenfest in Japan. Damit verbunden ist es auch Zeit fuer das Jahreszeitenfest „Momo no sekku“ (Pfirsichfest). Und zu diesem Zeitpunkt vertreibt man das Boese mit Hiiragi und Iwashi.

Im Japanischen sagt man auch「鰯の頭も信心から」(iwashi no atama mo shinjin kara) – etwa: Der Kopf der Sardine beginnt beim Glauben. Das bedeutet in gut Deutsch: „Für Außenstehende mag es nach nichts Besonderem aussehen, aber für den Gläubigen ist es sehr wichtig.“ Falls jemand mehr über den Hintergrund weiß (Buddhismus? Schamanismus?) oder eine Ahnung hat, ob es ein deutsches Wort für Hiiragi gibt: Bitte melden.

 

Apropos Mädchenfest. Das gute Weltentdeckerfröschlein hat letztens ein paar Bilder von den Hina-Puppen ihrer japanischen Familie gepostet und daher hier noch unsere persönliche kleine Hina-Puppe, die bei uns im Hauseinang eingezogen ist. (Kann natürlich nicht gegen die tollen Puppen beim Frosch anstinken. Aber es ist UNSERE! :))

 

Abschließend möchte meine Frau noch darauf hinweisen, daß wir heute Nacht eine Katze und ihr klägliches Gejammer gehört haben. Ich vermute mal, sie war nicht besonders glücklich über diesen kalten weißen Kram, der da vom Himmel fiel. (Frau ist übrigens extrem süß, was den Blog angeht. Sie traut sich nicht, etwas zu schreiben, aber bittet mich manchmal etwas zu einem Thema zu schreiben oder hilft mir so wie heute mit den Photos. Und dann muss ich ihr immer von den Reaktionen zu berichten. *lach*)
Wort des Tages: 冬景色 – fuyugeshiki – Winterlandschaft

 

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Written by hanayagi

Februar 29, 2012 at 8:45 am

Ueber Medien, Teil 2: Japans Fernsehen

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Nach dem etwas theorielastigen Artikel ueber Japans Medien moechte ich heute ein wenig praxisnaeher zum Thema Fersehen in Japan schreiben. Ich bin nicht der erste Blogger, der das tut und der gute Tabibito hat hier einen schoenen Artikel zu dem Thema geschrieben. Azrael bei Gaijin Chronicles hat eine lange und lesenswerte Serie mit dem Thema „verdammt, ich hasse japanisches Fernsehen“ geschrieben. Hier nun also noch meine Sicht der Dinge.

Was ist japanisches Fernsehen?

Da ist zuerst einmal das kostenlose Fernsehen, das man zumeist ueber Antenne empfangen kann. Das System aehnelt dem in Deutschland sehr, denn man kann kostenlos Fernsehen, sollte aber moeglichst fuer den oeffentlich-rechtlichen Sender NHK (=ARD/ZDF) bezahlen. Die Gebuehreneintreiber in Japan sind allerdings moeglicherweise nicht so dreist wie in D.. Ich kann mich erinnern, wie ich einem von ihnen erzaehlte, dass ich kein NHK schauen wuerde  und er das sofort akzeptierte. Vielleicht lag es auch nur daran, dass ich ein komischer Auslaender bin. Jedenfalls bekommt man in Japan einen Sticker neben die Haustuer gepappt, wenn man NHK bezahlt hat. So bekommt man dann keinen ungebetenen Besuch.

Generell haben japanische Fernbedienungen genau zwoelf Knoepfe mit Nummern fuer die zwoelf Sendefrequenzen, die freigegeben sind. Es gibt einige landesweite Sender so wie NHK oder Fuji TV und etliche regionale Sender. Von den zwoelf Tasten sind oft ein paar nicht belegt, so dass man im Schnitt etwa 9 – 10 Sender empfaengt. Soweit, so von Tabibito schon beschrieben. Es gibt aber auch noch BS, was fuer Broadcasting Satellite steht. (Oder doch fuer BullShit? :)) BS muss man bezahlen und man kann so ein paar Dutzend zusaetzliche Programme empfangen.

Aber kommen wir zum Inhalt und damit dem Grund, warum fast alle Auslaender, die ich bisher in Japan getroffen habe, japanisches Fernsehen hassen. Zuerst einmal das „kostenlose“ Fernsehen. Wenn man an einem beliebigen Nachmittag einschaltet und sagen wir mal zehn Kanaele zur Verfuegung hat, dann werden die Sendungen ungefaehr so verteilt sein (Mehrfachnennungen moeglich): 3 „Variety“-Shows, 3 „Travel“-Programme, 5 Shows zum Thema „Essen“, 2 Sonstige. Reportagen, Filme, Serien? Weitestgehend Fehlanzeige. Japanisches Fernsehen wird von drei Formaten dominiert: „Variety“, „Wide-Show“ und Nachrichten.

„Variety“ Shows (oh, die Ironie!)  bestehen gewoehnlich aus ein paar bis ein paar Dutzend sogenannten „tarento“ (von „talent“) bzw. „geinoujin“ (= „Kuenstler“), die irgendetwas tun. Dieses irgendetwas kann zum Besipiel eine Gameshow/Quizshow sein, oder die „tarento“ schauen eine Reportage und geben ihren Senf dazu ab oder – extrem beliebt – sie essen, schauen jemandem beim Essen zu, reden ueber essen … „Klingt doch gar nicht so schlimm“ mag der unbedarfte Leser jetzt denken. Die Sache ist nur, dass der Kram staendig laeuft. Die Aussage „50% der On-Air Zeit im japanischen Fernsehen wird von Variety-Shows abgedeckt“ waere nicht uebertrieben. Egal, wann man einschaltet, es gibt immer irgendwo ein paar (dutzend) „tarento“ zu bestaunen. Und die Shows sind immer extrem trivial: Wenn es mal nicht um Essen geht, dann geht es um Klatsch & Tratsch, eine neue TV-Sendung oder einfach um nichts. Dazu kommt, dass „tarento“ trotz des Namens eben nicht besonders talentiert sind. Die meisten „tarento“ haben keine andere Berechtigung zum „tarento“-Dasein als ihre Beruehmtheit. Ein bisschen so wie eine Armee von Paris Hilton Klonen. Das Schlimme ist, dass dieses Format funktioniert. Tag fuer Tag, Jahr fuer Jahr schauen sich Millionen Japaner diesen Mist an. Azrael bei Gaijin Chronicles meint erklaerend dazu, dass nur Hausfrauen tagsueber fernsehen (Maenner arbeiten, Kinder sind in der Schule). Mir reicht das als Ekrlaerung aber nicht. Es ist ja nicht so, dass alle Japanerinnen doof waeren. Tatsaechlich hat Japan eine der bestausgebildeten weiblichen Bevoelkerungen der Welt. Falls also jemand eine Idee hat, darf er sie mir gerne mitteilen.

Und so sieht eine typische Variety-Show aus.

Noch einmal zusammengefasst: Japans kostenloses Fensehen besteht zum großen Teil daraus, irgendwelchen beruehmt-fuers-beruehmt-sein Promis beim Essen zuzusehen. Das ist so bescheuert, dass ich es nicht einmal ansatzweise nachvollziehen kann.

BS ist ein wenig besser, es gibt mehr Filme, Dokumentationen und sogar den Discovery Channel. Aber davon sollte man sich nicht taeuschen lassen. Es ist immer noch ein Haufen dampfender Hundekacke. Es ist in weiten Teilen immer noch unglaublich trivial und nicht einmal unterhaltsam. Zugegeben, es gibt auch (tagsueber) gute, lehrreiche und interessante Sendungen, aber die muss man erst suchen (spaet in der Nacht finden sich z.B. ein paar anstaendige Diskussionsrunden und mein geliebtes „Friday no Roadshow“-Programm).

Abschließend moechte ich noch die Verbindung zu meinem letzten Artikel herstellen. Ganz im Sinne von Adornos Begriff der Kulturindustrie ist japanisches Fernsehen in weiten Teilen eine triviale Industrieware, die mit nur minimalen Variationen immer und immer wieder verkauft und konsumiert wird (Mito Koumon anyone?). Gesellschaftskritik nimmt hier sicher nicht seinen Anfang.

Wort des Tages: くだらない – kudaranai – langweilig (sehr negativ und abfaellig benutzt)

P.S. Fuer Anime-Fans: Im „kostenlos“-Fernsehen laufen jeden Nachmittag/Abend Anime (z.B. Inu Yasha, Dragonball, Naruto) und auf BS gibt es sogar einen rund-um-die-Uhr Animesender.

Written by hanayagi

Februar 26, 2012 at 4:27 am

Ueber Medien, Teil 1: Japans Unterhaltungsindustrie und Adornos Begriff der Kulturindustrie

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https://i1.wp.com/blogs.bizmakoto.jp/happydragon/4-4-3.jpg

(Quelle)

Die zehn erfolgreichsten Musiksingles im zweitgroessten Musikmarkt der Welt, Japan, 2010. Genau zwei Bands (!) sind vertreten. AKB48 und Arashi (嵐). Interessant oder? Dazu ein paar Ausfuehrungen zu Japans Musik- und Kulturindustrie.

Arashi (嵐) ist das aktuelle Projekt von „Johnnies“ und die Abloesung von „SMAP“ (zu alt um Boyband zu sein). „Johnnies“ ist eine Agentur, die sich seit langem darauf spezialisiert, Boybands zu produzieren. Dazu werden sogenannte „tarento“ (von engl. talent) gecastet, die in einer eigenen „Johnnies“ Schule darauf trainiert werden, erfolgreich und beliebt zu sein. Dazu lernen sie schauspielern, Witze reissen, tanzen und singen. Am Ende wird immer dasselbe Schema benutzt: Eine handvoll sehr junger Jungs singt seichte Popsongs und tanzt dazu  in genau einstudierter Choreographie. Der gesamte Autritt ist darauf ausgelegt, japanische Maedchen zum CD-Kauf oder sonstigem Konsum zu bringen.

„Johnnies“ hat ein Monopol auf den Boybandmarkt und nutzt seinen gewaltigen Einfluss auf japanische Medien (Fernsehsender, Radiostationen, Magazine) um immer wieder neue Variationen von Schema F zum Erfolg zu verhelfen. „Johnnies“-„talents“ sind besonders im japanischen Fernsehen allgegenwaertig und sie durchdringen den japanischen Alltag mit Werbespots, Auftritten in Filmen (siehe KimuTaku im Yamato-Realfilm), Werbung in Zuegen, Features in Zeitschriften …

Japanische Medien sind so sehr abhaengig von „Johnnies“, dass es in Japan kaum ernsthafte Kritik an der Agentur gibt. Selbst als „Johnnies“ Boss Johnny Kitagawa Vorwuerfen zur Misshandlung und Vergewaltigung von Jungen in seiner Obhut ausgesetzt war, haben fast alle japanischen Medien lieber weggeschaut als nachzuforschen. NYT / Guardian* Letzten Endes hat Herr Kitagawa vor dem obersten Gerichtshof mit einer Klage auf Verleumdung gegen Shukan Bunshun (die den Skandal erst aufgedeckt hatten) einen Teilerfolg erzielt und das Magazin musste eine Strafe bezahlen, da es faelschlich berichtet hatte, minderjaehrige „Johnnies“ Mitglieder haetten geraucht und getrunken. Brisant ist aber, dass der Bericht ueber sexuellen Noetigung / Vergewaltigung von Shukan Bunshun vom Gericht als gerechtfertigt angesehen wurde und dafuer keine Strafe gezahlt werden musste. Noch interessanter aber ist, dass es – soweit ich weiss – keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen Herrn Kitagawa gibt, trotz zahlreicher (anonymer) Zeugenaussagen, die ihm Misshandlung und Vergewaltigung (minderjaehriger Jungs!) vorwerfen. Der Punkt: Das ganze Thema ist absolut wert, in den Medien behandelt zu werden, wurde aber weitestgehend ignoriert. Ich denke, das veranschaulicht seinen Einfluss sehr deutlich.

* Zur Tendenz japanischer Medien unangenehme Themen lieber auszublenden ein anderes Mal mehr!

AKB48.  Die – in Ermangelung eines besseren Begriffs – Gruppe ist ein Produkt von Yasushi Akimoto, der auch schon Morning Musume produziert hatte. Die Gruppe besteht gegenwaertig aus 57 (!) jungen Maedchen, die im Prinzip genau dasselbe tun wie ihre maennlichen Counterparts bei „Johnnies“: Tanzen, singen, schauspielern und im japanischen Fernsehen  vor allem in sogenannten „Variety“-Shows auftreten. Ich moechte hier noch ein paar Eigenschaften von AKB48 hervorheben: Alle Mitglieder sind gecastet, sehr jung (<25), weiblich und – vielleicht am wichtigsten – „kawaii“ (niedlich). Die ganze Unternehmung ist wie auch die „Johnnies“-Bands professionell organisiert und Herr Yasushi hat etliche SpinOffs produziert, die meist, so wie auch AKB48, nach dem Ort an dem sie gewoehnlich auftreten, benannt sind. AKB steht in diesem Fall fuer den Tokyoter Stadtteil Akihabara. Derzeit sind 152 (!) Maedchen in den vier Hauptgruppen aktiv.

Was AKB48 und Arashi gemeinsam haben, sind die professionelle Ausrichtung auf eine bestimmte Zielgruppe, gemeinsam mit einer massenhaften und industriellen Vermarktung in allen japanischen Medien. Weiterhin haben die sogenannten „talents“ nur sehr wenige Freiheiten und man kann davon ausgehen, das wirklich niemand von ihnen jemals etwas sagt, das nicht vorher vom jeweiligen Produzenten abgenickt wurde. Inhaltlich haben weder „Johnnies“-Bands noch AKB48 irgendetwas zu bieten. Es geht immer nur um Trivialitaeten (bei Fernsehauftritten und in Interviews) und die „Songs“ sind vorgefertigte seichte Massenware, die wirklich niemanden zum Nachdenken provoziert. Das schiere Ausmaß der Professionalitaet und der industriellen Fertigung von Kultur in Japan ist atemberaubend.

Damit kommen wir nun zu Herrn Adorno und seinem Begriff der Kulturindustrie. Hierzu erst einmal die deutsche Wikipedia Definition:

„Kulturindustrie“ ist ein komplexer und kein statischer Begriff und entzieht sich einer eindeutigen Definition. Mit dem Begriff Kulturindustrie werden meist die Kernthesen des Kapitels gemeint: Alle Kultur wird zur Ware; Kunst definiert sich über ihren ökonomischen Wert, nicht nach ästhetischen Gesichtspunkten, die für die Analyse des autonomen Kunstwerks der bürgerlichen Gesellschaft eine Rolle spielen. So wird das Ästhetische selbst zu Funktion der Ware, indem es die Bilder der Reklame vorbestimmt.

(Der Name des Kapitels lautet: „Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug“)

Kurz gesagt beschreibt Herr Adorno wie in kapitalistischen Gesellschaftssystemen Kultur zu einer reinen Ware verkommt und jegliches Potential von Kunst und Kultur zur Veraenderung der Gesellschaft dem Streben nach Gewinnmaximierung untergeordnet wird. Das bedeutet: a) Das Individuum wird von der Kulturindustrie auf die Konsumentenrolle reduziert. b) Die Kulturindustrie speist die Konsumenten mit trivialen, oberflächlichen Nichtigkeiten. (Kopiert von Wikipedia) Herr Adorno (und Max Horkheimer) schrieb die „Dialektik der Aufklaerung“ („Kulturindustrie – Aufklaerung als Massenbetrug“ ist ein Kapitel davon) waehrend seines Exils im zweiten Weltkrieg in Amerika.

Die Anwendbarkeit seiner Thesen auf die japanische Unterhaltungsindustrie, repraesentiert durch, aber nicht beschraenkt auf, „Johnnies“ und AKB48 ist fuer mich offensichtlich. Kultur wird als Ware produziert und hat keinerlei aesthetischen Wert, Individualitaet bzw. Originalitaet und – vielleicht am wichtigsten – auch keinerlei Kritik am bestehenden System. Das Individuum ist nur noch Konsument, was wunderbar durch die Art und Weise demonstriert wird mit der AKB48 und Arashi die Verkaufscharts anfuehren konnten. Bei Arashi wurde das Angebot verknappt, indem es keine oeffentlichen Vorfuehrungen ihrer Songs gab (Werbung gibt es durch Fernsehautritte etc. genug) und bei AKB wurden Fans mit Events dazu gebracht, die gleiche CD mehrfach zu kaufen. (Quelle) Ja, richtig gelesen. Die gleiche. CD. Mehrmals. Gekauft. Japans Unterhaltungsindustrie ist fuer mich Adornos real existierende Kulturindustrie. 
Wort des Tages: 文化産業 – bunkasangyou – Kulturindustrie

Written by hanayagi

Februar 24, 2012 at 10:18 am

Dinge, die ich an Japan mag

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Inspiriert von diesem Artikel bei der Japan Times hier mal eine kleine Liste mit Dingen, die mir an Japan besonders gut gefallen.

1. Die Art wie Arzneimittel in Japan verteilt werden: Es gibt beim Arzt immer nur genau soviel Arzneimittel wie man auch wirklich braucht. Ich bekomme also keine Packung Penicillin sondern nur 12 Pillen für vier Tage. Das deutsche System finde ich mittlerweile extrem verschwenderisch.

2. Japanisch: Japanisch ist schon klasse. Papagei-Woerter (oder auch Onomatopoeia) wie „nebunebu“ (^^), „nebaneba“, „girigiri“, „fuwafuwa“, „sowasowa“ etc. gehen wunderbar leicht von der Zunge. Mit Kanji laesst sich spielen.  Haiku sind eine faszinierende Kunstform. Ganz allgemein finde ich gesprochenes Japanisch einfach praktisch… kann auch nicht genau sagen, warum.

3. Frühling: Frühling in Japan ist toll. Temperaturen um die 20 – 25 Grad, viel Sonne, Blumen und Pflanzen blühen überall (Kirschblüte anyone?) und ich fühle mich einfach pudelwohl. (Und dann kommt der Sommer ><)

4. Ästhetik: Teezeremonie (und zugehörige Utensilien), Kimono/Yukata, Tempel und Schreine, japanische Gärten, Burgen … Es gibt einfach viele schöne Dinge zu sehen in Japan.

5. Natur: Riesengroße Bäume und  handtellergroße Insekten. Aufgrund des warmen Klimas ist die freie Natur für jemanden aus Deutschland, speziell aus Norddeutschland ziemlich beeindruckend.

6. Essen: Hier könnte ich auch gut einen (oder mehrere!) Artikel nur zu diesem Thema schreiben. Nur mal eine kleine Liste von all den leckeren Dingen hier:  Sushi/Sashimi, Yaki – niku/tori/zakana, Okonomiyaki, Taiyaki, Mochi, Oyakodon, Su no mono, Kushiage …

7. Religion: Japaner gehen angenehm entspannt damit um. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

8. Onsen: Heisses Wasser in ansprechender Umgebung und danach lecker Essen – was kann man daran nicht mögen?

9. Japanerinnen: Ist wohl persönlicher Geschmack oder ich lebe schon zu lange hier. Jedenfalls finde ich Japanerinnen im Allgemeinen attraktiver als Westlerinnen. (Nehmt’s mir bitte nicht übel liebe deutsche Mädels!) Vielleicht ist es die glatte Haut? Vielleicht sind Japanerinnen generell weniger egoistisch als Westlerinnen? Nah, kann man so nicht sagen. Jedenfalls mag ich Japanerinnen. 🙂

10. Ordnung: Nicht immer, aber doch meist. Japaner sorgen einfach dafür, dass alles an seinem Platz ist. Der japanische Ordnungsfimmel ist zwar auch oft lästig und bevormundend, aber er sorgt eben auch dafür, dass die Straßen sauber sind und Verabredungen eingehalten werden.

11- Service: Japanische Behörden, Transportunternehmen (Yamaneko, Post etc.), einfach überall wo man Kunde ist – die Bedienung ist (naja, fast) immer spitze. Speziell die Behörden: Schnelle, freundliche, kompetente und größtenteils kostenlose Bedienung … da können sich deutsche Behörden 1,2,3 … ganz viele Scheiben abschneiden. (Nur die Einwanderungsbehörde in Shinagawa sticht negativ heraus.)

12. Züge: Hahahaha! Arme Deutsche! Über das was die DB euch anbietet, können Japaner nur müde lächeln. Japanische Züge sind IMMER pünktlich, es sei denn ein Erdbeben, Taifun oder Godzilla persönlich stellt sich ihnen in den Weg. Und selbst im seltenen Verspätungsfall bekommt man noch einen Zettel mit einer Entschuldigung in die Hand gedrückt. Dazu kommt noch die Sauberkeit und Ruhe in den Zügen. Einzige Wermutstropfen: Der ganze Spaß ist nicht billig und in Tokyo fahren jeden Tag 10 Quadrizillionen Menschen mit der Bahn -> willkommen im Leben einer Sardine.

13. Kombini: Auch Convenience Stores genannt, sind sie genau das: convenient. Dinge, die man im Kombini erledigen kann: Einkaufen (Snacks, Süßkrams, Grundnahrungsmittel, Waschmittel, Hygieneartikel …), Post abschicken, Überweisungen tätigen/Rechnungen bezahlen, Geld abheben, kopieren/drucken, Zeitungen/Manga lesen, zur Toilette gehen (wichtig!), Müll entsorgen (aber in Maßen!). Und dabei sind Kombini meist rund um die Uhr geöffnet und trotzdem nicht wesentlich teurer als der Supermarkt.

14. Rücksichtsnahme: Man muss wohl hier leben um zu verstehen, was ich meine. Japaner sind einfach rücksichtsvoll. Da wird eben lieber erst einmal darüber nachgedacht, ob eine Aktion oder Bemerkung jemanden verletzen oder stören könnte und nicht wie in Deutschland einfach Augen zu und mit der Brechstange durch. (Diese Rücksichtsnahme hat natürlich auch ihre Schattenseiten, aber darum geht es hier ja gerade nicht.)

15. Settonaikai: Die Gegend zwischen Shikoku und Honshu ist einfach wunderschön. Viele, viele kleine Inseln, azurblaues Meer, Fischerboote (und lecker frischer Fisch!), Inseldörfer, Mandarinenhaine, klitzekleine und malerische Tempel und vieles mehr. Absolut empfehlenswert.

16. Karaoke: Mein liebster geselliger Zeitvertreib darf hier natürlich nicht fehlen. Karaoke mit ein paar Freunden macht mir einfach Spaß.Viele Ausländer zieren sich leider und weigern sich zu singen. Langweiler! Schade auch, dass es an deutschen Liedern nur „99 Luftballons“, „Moskau“ und „Dschingis Khan“ gibt (ja, damit ist die Liste komplett!).

17. Enka: Und wo wir schon bei Karaoke sind, Enka ist toll! Enka ist … so etwas wie Volksmusik, nur viel besser 🙂 In Enka geht es um (verlorene) Liebe, Herzschmerz, Tränen und den kalten, kalten Winter. Und Enka ist einfach wunderbar kitschig-emotional. Wenn dann so eine aufgedonnerte japanische Oma mit gekonnt geschauspielten Tränen zum hundertsten Mal von ihrer unerfüllten Liebe trällert, glüht die Enka-Liebe in mir einfach!

18. Anime: Nicht zu vergessen. Da Anime auch ein Ventil sind mit dem Japaner Stress abbauen, sind sie relativ frei in der Wahl ihrer Themen und konterkarieren viele der strikten Normen und Vorstellungen in der japanischen Gesellschaft. Manche Manga sind regelrechte Kunstwerke.

19. Meine Frau 🙂

Hmm, ich habe erst einmal fertig.

Wort des Tages: 愛しい – itoshii – kann man etwa mit „geliebt“ uebersetzen

Written by hanayagi

Februar 22, 2012 at 1:31 pm

Mal wieder ein paar Bilder, Folge 254

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Heute gibt es mal wieder ein paar Bilder aus Tokyo.

Ja, auf dem Schild steht „Fahrraeder abstellen verboten“.

In Japan gibt es zwar keine Stadt namens Schilda, aber auch in Japan gibt es Schildbuergerstreiche. Die ganze Sache lief so: Es gibt am Bahnhof Chofu mindestens fuenf Fahrradparkplaetze, die allerdings beinahe immer voellig ueberfuellt sind. Speziell die beiden Parkplaetze, die dem Bahnhof am naechsten sind. Der Parkplatz, den ich bis vor ein paar Monaten immer benutzt habe, war eigentlich immer voellig ueberfuellt und Fahrraeder blockierten auch oft die Gaenge. Das war laestig, aber – und das ist entscheidend – es funktionierte und ich konnte immer irgendwo einen Platz finden. Vor ein paar Monaten nun wurde der Parkplatz umgebaut und jetzt gibt es nur noch drei Eingaenge (vorher gut ein Dutzend) und diese werden ausserdem von drei alten Herren kontrolliert. Was daran besonders toll ist, ist die Tatsache das jetzt schaetzungsweise 200 Fahrraeder weniger auf den Parkplatz passen und wo stehen diese Fahrraeder jetzt? Genau vor den „Parken verboten“ Schildern am Bahnhof. Ich rekapituliere noch einmal: Die Stadt gibt Geld fuer den Umbau und das Gehalt der alten Maenner aus um WENIGER Parkplaetze und mehr wildes Parken zu bekommen. Ganz toll! Naja wenigstens ist der urspruengliche Parkplatz jetzt immer schoen ordentlich. Ich stehe jetzt immer fuenf MInuten frueher auf und benutze einen weiter entfernten Parkplatz.

Diese „gute Manieren“ Plakate duerften vielen Japaninteressierten mittlerweile bekannt sein. Hier geht es darum, was man alles nicht am Bahnsteig machen soll (Alkohol, sich von Mails, Musik oder Spielen ablenken lassen).

Man beachte, dass die einzige weibliche Figur fuer den „keine Mails“ Teil benutzt wird und gerade ganz verliebt ist. Und bekanntlich sind nur Frauen verliebt und deshalb muss da natuerlich eine Frau hin. Just sayin‘

Ja, in Shibuya gibt es manchmal Demos. Habe auch schon eine Anti-Atom Demo gesehen, hatte aber leider keine Kamera dabei. Diese Demo hier verlangt nach Freiheit fuer Tibet (was in Japan von nationalistischen Kreisen unterstuetzt wird um China eins auszuwischen)

Lecker frischer Thunfisch.

Frau wollte unbedingt schauen, wie der Fisch geschnitten wird. (Nicht, dass es mich weiter gestoert haette.)

Teile des frisch geschnittenen Fischs konnte man dann auch gewinnen. Und weil wir in Japan sind, wurde der Gewinner durch „Schere, Stein, Papier“ ermittelt. In Japan sagt man dazu „JanKenPon“ bzw. „JanKen“. Das Spiel ist in Japan dermassen beliebt, das es mich nicht wundern wuerde, wenn die Japaner den Ausstieg aus der Atomenergie dadurch entscheiden wuerden. (Ich sehe schon Herrn Noda und einen prominenten Anti-Atom-Aktivisten im EPIC JANKEN SHOWDOWN.)

Lecker Walfleisch. Gefunden in Shibuya.

Fast alles Gerichte aus rohem Walfleisch. Gar nicht mal so teuer (100 Yen= etwa 1 Euro). Aber in Japan werden Wale bekanntlich nur zu Forschungszwecken gefangen.

Wort des Tages: 鯨 – kujira – Wal(fleisch)

Written by hanayagi

Februar 20, 2012 at 7:31 am

Veröffentlicht in Japan - Seltsam und Interessant

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Und jetzt nochmal: Alles wird gut!

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Ich entschuldige mich im Voraus bei allen, die kein Japanisch koennen, aber ich finde den folgenden Spruch einfach zu genial. Ist leider nicht anstaendig zu uebersetzen.

「これでいい」という事はない

「あれでいい」という事もない

それでいい。

*sich beoemmel*

Wort des Tages: それでいい – sore de ii – passt schon / ist gut so

Written by hanayagi

Februar 18, 2012 at 9:43 am

Veröffentlicht in Alles mit Kultur, Japan - Humor

Herr Hirata und die japanische Polizei

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Ich habe an anderer Stelle mal die Polizei in Japan gelobt, da unser Blockwart  Polizist um die Ecke uns vorbildlich vor einem Exhibitionisten in unserer Nachbarschaft gewarnt hat. Ich denke immer noch, dass die japanische Polizei praktisch ist, wenn man z.B. irgendwohin moechte und den Weg nicht kennt. Was allerdings die Kriminalitaetsbekaempfung angeht, hmm, da habe ich so meine Zweifel.

P1420976s

Wie immer sehen Japaner einfach besser aus in Uniform.

Fallbeispiel 1 ist dieses beruehmte Youtube Video:

Ein nackter, besoffener Mann vor dem Kaiserpalast. Ja, ist schon ganz schoen gefaehrlich! Mal im Ernst: Wie kann die Polizei da so aengstlich und zimperlich sein? Waschlappen.

Fallbeispiel 2 ist der Fall von Herrn Hirata, der sich am 31.12.2011 der Polizei gestellt hat. Herr Hirata ist/war Mitglied der Aum Shinrikyou oder auch Aum Sekte in Deutschland. Der Mann wird seit mittlerweile 17 Jahren fuer Entfuehrung, Freiheitsberaubung und Beihilfe zum Mord gesucht. Er soll als Fahrer geholfen haben, einen Notar zu entfuehren und umzubringen. (Dessen Schwester wollte die Sekte verlassen.)  Es ist auch moeglich, dass er mit dem Giftgasanschlag in der Tokyoter U-Bahn von 1995 zu tun hatte. Dieser Herr Hirata also steht seit 17 Jahren auf den Fahndungsplakaten der Polizei im ganzen Land, so auch in meiner kleinen Station. Am 31.12.2011 dann versuchte er sich zu stellen und was dann folgte ist eigentlich unglaublich: Die Aum-Hotline, die er anrief, war besetzt und so rief er 110 (der offizielle Notruf in Japan) an. Man schickte ihn dann zu Tokyos Polizeizentrale, wo man ihm nicht glauben wollte und von einem schlechten Scherz ausging.  Er wurde schliesslich zur Marunouchi Polizeistation geschickt, wo er dann endlich festgenommen wurde. Noch einmal zur Erinnerung: Herr Hirata ist einer der meistgesuchten Verbrecher Japans und in JEDER Polizeistation haengt ein Bild von ihm. (Die ganze Geschichte gibt es auch ausfuehrlich bei der Japan Times.)

Auch interessant ist, dass Herr Hirata die 17 Jahre in Japan (!) verbracht hat und zwar zusammen mit einer Angehoerigen der Aum-Sekte. Weiterhin gibt Herr Hirata an, aufgrund der Ereignisse des letzten Jahres (Erdbeben, GAU) einen Wandel des Herzens gehabt und sich deshalb gestellt zu haben. Und er glaube sowieso nicht mehr an die Sekte und den Herrn Asahara (ehem. Guru von Aum) mag er auch nicht mehr. So, so. Nach 17 Jahren, hm? Ein Polizeiangehoeriger dazu: „Alles Luege, dem geht es nur darum, den Vollzug der Todesstrafe fuer Asahara herauszuzoegern.“ Ich bin geneigt ihm zu glauben.

Aber Herr Hirata ist nicht der einzige Verbrecher in Japan, der seit Jahrzehnten gesucht wird. Dazu dann mal ein paar Bilder von meiner oertlichen Polizeistation:

Die beiden Bilder ganz rechts sind Angehoerige der japanischen rote Armee Fraktion. (1971 – 2001)

In der Mitte war Herr Hirata abgebildet. Die beiden anderen Aum-Mitglieder sind noch immer auf freiem Fuß.

Das ist Herr Koike, der Brandstiftung und des zweifachen Mordes angeklagt. Herr Koike wird seit 11 Jahren per Steckbrief gesucht. Toll ist auch die Drohung auf dem Plakat: „Bald ist es soweit Koike!“ Ja, da haette ich auch Angst nach 11 Jahren …

Das ist Herr Kirishima. Er wird (als einer von mehreren Taetern) seit 1975 fuer mehrere Bombenattentate gesucht. Damals war er 21 Jahre alt. Und jetzt 58? Da koennte es dann wirklich schwierig sein ihn zu erkennen …

Aber kehren wir zum Thema Polizei in Japan zurueck. Mein Eindruck ist: Die Polizei ist dein „Freund und Helfer“ in allen Lebenslagen, aber als Verbrecherjaeger taugt sie nur sehr bedingt. Wenn man dann an die geringe Kriminalitaetsrate in Japan denkt, muss die Frage wohl lauten, ob Japan nicht wegen, sondern trotz seiner Polizei so sicher ist. Meine Frau meinte zu dem Thema letztens, die Polizei sei einfach nicht an echte Verbrechen gewoehnt und deshalb im Fall der Faelle ueberfordert.

Wort des Tages: 平和ボケ – heiwaboke – Frieden + Idiot (Damit meinen Japaner ihre eigene Unfaehigkeit mit den Unbillen (z.B. boese Taschendiebe im noch boeseren Ausland) dieser Welt fertig zu werden.)

Written by hanayagi

Februar 16, 2012 at 7:33 am