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Alles Ki oder was?

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In Deutschland kennt man den Begriff „Ki“ (気)aus dem Kampfsport, Ki wird da meist als eine nebuloese Lebenskraft oder Energie beschrieben.

Tatsaechlich findet man z.B. bei Wadoku.de folgende Bedeutungen:

[1] Charakter {m} Wesen {n}. [2] Begeisterung {f}; Eifer {m}; Wille {m}. [3]  Interesse {n}; Anteilnahme {f}. [4] Gemüt {n}; Gemütsbewegung {f}; Gefühl {n}; Emotion {f}. [5] Bewusstsein {n}; Besinnung {f}. [6] Aufmerksamkeit {f}; Teilnahme {f}; Besorgnis {f}. [7] Geisteskraft {f}; Willenskraft {f}; Lebenskraft {f}. [8] Geruch {m}; Geschmack {m}. [9] Lebenskraft {f}; Geist {m}. [10] Atmosphäre {f}; Stimmung {f}. [11] Wille {m}; Absicht {f}. [12] {Kanpō} Sitz {m} der Lebenskraft. [13] {Song-Philos.} formgebender Stoff {m}.

Ziemlich viel oder? Das Kanji selbst: 気 ist wahrscheinlich aus einer Ikonographie hervorgegangen die Dampf darstellen sollte. Der obere Teil waren Wellenlinien, die das Wabern wiedergeben sollten und der untere Teil wurde frueher unter anderem mit dem Zeichen fuer Feuer geschrieben.

Wieso schreibe ich nun einen Eintrag zu einem einzelnen Kanji? Ganz einfach, 気 wird von Japanern unglaublich haeufig benutzt und es gibt massenweise Kombinationen mit 気.

Ein paar Beispiele, die mir spontan einfallen:

気持ち - kimochi – „ki tragen“ – Gefuehl

気付く – kizuku – „ki heftet sich an“ – etwas bemerken

気を付ける – ki wo tsukeru – „ki anheften“ – aufpassen
気の毒 - ki no doku – „Gift des (im) Ki“ – mitleiderregend, arm (dran)

気が向く – ki ga muku – „ki dreht sich/richtet sich auf“ Lust haben (zu etwas)

やる気 – yaruki – „tun/machen-ki“ – Lust, Energie, Eifer

気にする – ki ni suru – „ins ki tun“ – sich etwas zu Herzen nehmen

気になる – ki ni naru - „zum ki werden“ – nicht aus dem Sinn gehen, auf die Nerven gehen

気に入る – ki ni iru – „ins ki hineintun“ moegen, gefallen

Im Nelson Japanese-Englisch Character Dictionary (ein Standardwerk zur japanischen Sprache) hat 気 vier Seiten mit Kombinationen bekommen, meine kleine Liste ist also wirlich nur die Spitze des Eisbergs.

Die Frage, was Ki denn nun eigentlich ist, kann man wohl nur in einem laengeren philologischen bzw. psychologischen Aufsatz beantworten. Ich meine, ich haette in einem Buch von Kimura Kim mal etwas dazu gelesen, aber es gibt bestimmt noch viel mehr Quellen.

Fuer mich bleibt 気 eines der spannendsten Phaenomene der japanischen Sprache.

Wort des Tages: 気を使う – ki wo tsukau – „ki benutzen“ – umsichtig sein, sich um andere (in der Umgebung) kuemmern

Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein zentrales Konzept der Gedankenwelt und speziell der zwischenmenschlichen Beziehungen der Japaner. Wer „ki wo tsukau(t)“ ist jemand, der auf andere achtet, gut, hoeflich und im allgemeinen ein guter Mensch ist. Wer das nicht kann, wie so ziemlich alle Auslaender, hat es allerdings nicht leicht in Japan.

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Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 9:43 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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