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Das Krabbenschiff

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Vor ein paar Tagen war ich auf einer Vorpremiere des Films „Kanikousen“ 〈蟹工船) im Foreign Correspondents Club of Japan. Nach der Filmvorfuehrung gab es dann noch Gelegenheit ein wenig mit dem Regisseur, genannt „Sabu„, zu sprechen. Sabu ist in Japan vor allem unter jungen Filmliebhabern recht bekannt. Sein bekanntester Film ist wohl „Monday„. Dazu erst einmal ein paar Fotos:

In der Mitte sitzt Sabu.

Und hier noch einmal aus der Naehe:

Zum Film selbst: Kanikousen basiert auf dem gleichnamigen Roman von Takiji Kobayashi. Der Roman wurde bereits 1929 veroeffentlicht und ist in letzter Zeit in den japanischen Medien ziemlich oft erwaehnt (und damit gehyped) worden. Man spricht hierzulande auch vom „Kamikousen-Boom“. Seit 2006 gibt es auch eine Mangareihe.

Inhaltlich geht es um die Mannschaft eines Krabben-Fabrikschiffes, das irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts in den Gewaessern des Nordpazifiks und an der Grenze zu russischem Hoheitsgebiet fischt. Seit dem russisch-japanischen Krieg von 1904/05 gab es staendig Spannungen zwischen beiden Nationen, da beide um die Vorherrschaft in China konkurrierten. Vor diesem Hintergrund arbeitet die Mannschaft unter unmenschlichen Bedingungen und der Schikane der Aufseher fuer kapitalistischen Profit und das Kaiserreich (das letztere beschwoert jedenfalls der Aufseher immer). Letztendlich revoltiert die Mannschaft unter der Fuehrung von Matsuda Ryuuhei, der daraufhin …. seht es euch selbst an. 🙂

Nun aber zur Fragestunde:

Der Film hat, wie aus meiner kurzen Zusammenfassung hoffentlich ersichtlich ist, eine deutliche politische (antikapitalistische und humanistische) Botschaft. Darauf sprang die versammelte Journalistenmeute natuerlich sofort an (einer outete sich sogar als Kommunist … *hust*) und loecherte den armen Sabu mit Fragen. Der hatte aber gar keine Lust auf Politik und sagte auch, dass ihn das ein wenig .. stoere (fuer Japanischkundige: 困る). Letzten Endes griff dann auch noch die Veranstalterin ein (die nette blonde Dame auf dem oberen Foto) um die politischen Fragen zu beenden.

Dazu zwei Gedanken:

1) „Westler“, die ueber Politik reden wollen und selbst dann noch weitermachen, wenn Japaner ihren Unwillen zeigen (was Japaner wirklich extrem unhoeflich finden). Japaner, die – zumindest oeffentlich – das Thema Politik scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Ich sage hier nicht, dass eine von beiden Parteien „recht hat“ mit ihrem Verhalten, aber es ist eben ein Problem der internationalen Verstaendigung.

2) Japaner hin oder her: Warum dreht der Mann einen politischen Film, wenn er keine Lust hat, ueber die Message zu sprechen. Ist doch wohl klar, dass da Fragen kommen, oder?

Naja, wie dem auch sei, als die Fragestunde vorbei war, bin ich dann noch zu Sabu gegangen und habe ihm zu dem „spannenden“ Film gratuliert (war eine Luege, der Film war eher „so lala“), da er mir doch ein bisschen Leid tat. Als Belohnung hat er beim allgemeinen Fototermin dann nur fuer mich ein kleines Laecheln aufgesetzt, sonst sah er eher gestresst aus.

Wort des Tages: 政治討論 -seijitouron – politische Debatte; genau die kam Dank Herrn Sabus Widerstreben nicht zustande

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Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 1:31 pm

Veröffentlicht in Alles mit Kultur

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