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Die kleinen Dinge des Alltags

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Mal wieder ein paar kleine Anekdoten aus einem japanischen Rathaus:

Ich wohne, wie aufmerksame Leser wissen, in einer kleinen Stadt in den Bergen Japans. Diese Stadt lebt vom Tourismus, speziell ihren heissen Quellen. Und wie es sich fuer eine Touristenstadt (speziell in Japan) gehoert, gibt es hier natuerlich auch ein paar kulinarische Spezialitaeten. Eine davon nennt sich „Manjuu“, wird ueberall im Ort verkauft und ist ein Feature aller (mir bekannten) Onsen-Kurorte. Manjuu sind kleine, gedaempfte Teigbaellchen, gefuellt mit suesser Bohnenpaste (anko, アンコ). Sie sind weich und suess.

Nunja letztens kam ein sehr aufgebrachter Japaner zu mir an den Schalter und beschwerte sich lauthals ueber die Manjuuverkaeufer in meiner Stadt. Ich machte mich natuerlich schnell aus dem Staub und liess die Angelegenheit von einem meiner Vorgesetzten regeln (diplomatisches Fingerspitzengefuehl und so). Ich belauschte dann natuerlich das folgende Gespraech.

Interessant war vor allem: 1) Der Teig der Manjuu war zu dick. (finde ich irgendwie witzig) 2) Die Manjuuhaendler sind zu aufdringlich. Dazu muss man sagen, dass in Kusatsu den Passanten auf der Strasse Manjuu angeboten (aufgenoetigt) werden, was sonst eher nicht der Fall zu sein scheint. Das Interessante war, wie der Mann argumentierte: Er hob weniger darauf ab, dass es ihn veraergerte, sondern vielmehr darauf, dass das schlecht fuer den Ruf der Stadt sei (als ob ihn das was kuemmern wuerde??) und ausserdem drohte er seinen Freunden von den „ungeheuerlichen Zustaenden“ hier zu berichten.

Ich glaube Deutsche haetten sich anders beschwert, mehr darauf bedacht ihren eigenen Unmut zu zeigen.

Und noch eine Anekdote: Hier auf Arbeit uebersetze ich manchmal auch persoenliche Briefe fuer Buerger der Stadt und nachdem letztens eine Delegation aus Deutschland hier war, hat eine Buergerin einen Brief an eine neue deutsche Bekannte geschrieben. Dazu hat sie noch (man ist ja Japaner!) ein paar kleine Geschenke und ein Foto von sich gelegt. Ich habe den Brief dann uebersetzt und nun ist eine Antwort eingetroffen. „Lieber Herr xxx“ … da musste ich doch ein bisschen lachen. Die gute Frau hat einen Namen, der mit „-ko“ endet, was in Japan sehr stark mit „weiblich“ assoziiert wird. Nur das wissen Deutsche eben normalerweise nicht. Und das Ganze trotz des beigelegten Photos …

Uebrigens wirkte der deutsche Brief auf mich fast schon „liderlich“ verglichen mit seinem japanischen Gegenstueck. Es gab keine Fotos, Geschenke … nur ein (immerhin zweiseitiger) Dankesbrief. Ich glaube, bei solchen kleinen zwischenmenschlichen Dingen sind Japaner im allgemeinen ein bisschen sorgfaeltiger als Deutsche. Man denkt wohl, dass mangelnde Sorgfalt auch als „Unverschaemtheit“ aufgenommen werden koennte.

So, ganz faul war ich auch nicht und habe ein paar nette Fotos geschossen:

Dieses Bild habe ich in einer Drogerie geschossen: Man sieht das „Ippondake-obake“, das bedeutet soviel wie „Nur eine Zigarette – Gespenst“, nur, dass es sich im Japanischen reimt. Irgendwie suess.  Es „versucht“ seine Opfer mit dem Spruechlein „ach komm, nur eine einzige Zigarette ist doch ok …“

(Hier werden uebrigens Mittelchen gegen Nikotinsucht verkauft.)

Zugegeben arg infantil … *kicher*

In Shinjuku (Tokyo) gesehen: „Wal gehoert zur japanischen Esskultur“.

Noch ein Wal? Nicht ganz. Das ist ein Wels. Er mahnt dazu, bei einem schweren Erdbeben diese Strasse fuer Rettungswagen etc. freizuhalten.

Kleine Erklaerung: Ein riesiger Wels, der unter den japanischen Inseln haust, verursacht der japanischen Mythologie nach Erdbeben.

Wort des Tages: 鯨、クジラ - kujira - Wal

Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 10:36 am

Veröffentlicht in Japan - Seltsam und Interessant

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