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Japanische Befindlichkeiten #3

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Thema dieses Mal: Sauberkeit(sempfinden).

Wie hoffentlich jedermann weiss, ist das Gefuehl dafuer, was „sauber“ ist, und was nicht, sehr subjektiv.  Das bedeutet, auch in Japan gibt es Menschen, die penibel auf Sauberkeit achten und solche, denen auch eine zugemuellte Wohnung nichts ausmacht.  Aber da das hier ein Japanblog ist, mochte ich hier mal ueber speziell japanische Gewohnheiten und Umstaende schreiben.

Dazu muss man erst einmal das Phaenomen des 玄関 (genkan) erwaehnen. Der Genkan ist eine Art kleines Foyer, in dem man seine Schuhe auszieht und abstellt. Der Genkan ist immer etwas niedriger gelegen, als das eigentliche Innere des Hauses. Der Genkan stellt weiterhin die Grenze zwischen innen und aussen da. Und das ist wichtig.

Wer im Haus seine dreckigen Strassenschuhe von draussen traegt (egal ob sie nun wirklich dreckig sind oder nicht) macht sich gleich zweier Vergehen schuldig: Nicht nur bringt er Dreck ins Innere, nein er bricht auch die Konvention der raeumlichen Trennung zwischen innen und aussen. So ist auch zu erklaeren, dass ich im ersten Jahr in Japan echten Aerger von meinem Wohnheimleiter (sagt man das so?) bekam, als ich aus Faulheit mit Schuhen bis zu meinem Zimmer ging (haette ihm mal nicht stecken sollen, dass ich Japanisch spreche ^^). Das steht zwar in jedem Reisefuehrer, aber trotzdem: Wenn man ein Haus betritt, werden die Schuhe ausgezogen. Punkt.

Meist stehen dann Hausschuhe (Schlappen) bereit, die man als Ausgleich tragen kann und oft auch muss. Vom Standpunkt der Hygiene waere es mir da oft lieber meine Schuhe anzubehalten als Gummilatschen anzuziehen, die vor mir schon hunderte Leute anhatten. Habe ich schon erwaehnt, dass Fusspilz in Japan weit verbreitet ist?

Aber nicht nur der Genkan verlangt einen Schuhwechsel. Auch auf den meisten Toiletten (oeffentliche Toiletten ausgenommen) wird erwartet, dass man von seinen normalen Hausschuhen in spezielle „Toiletten“hausschuhe schluepft (die Schuhe sind gleich, nur die Benutzung ist anders). Auch hier ist zu erwaehnen, dass die Toilette meist niedriger liegt, als die umgebenden Raeume. Es gibt also auch hier eine klare raeumliche Trennung.

Aber das ist noch nicht alles: In 和室 (washitsu) den traditionellen Zimmern japanischen Stils, die mit Tatami-matten ausgelegt sind, muss man auf jeden Fall seine Schuhe ausziehen.

Ein Japaner hat mir da mal etwas ganz Interessantes erzaehlt: Fuer ihn findet das Leben direkt auf den Tatami statt. Es wird auch in der Naehe des Bodens gegessen. Und deshalb muss der Boden auch peinlich genau sauber gehalten werden. (Der gleiche Japaner ist uebrigens nach eigenen Aussagen zu faul die Toilettenschuhe anzuziehen.)

Europaer haben da glaube ich ein anderes Raumgefuehl. Nicht umsonst gibt es bei uns seit langer Zeit Stuehle, Sofas und Tische auf denen man lebt und isst. Im klassischen Japan gab es maximal einen Kotatsu (etwa 50 Zentimeter hoch) um den man auf dem Boden sass.

Aber zurueck zur Sauberkeit: Die Schuhkonvention geht bis mindestens in die Heian-Zeit (je nach Angabe variierend, etwa 794 – 1192) zurueck, als man sich sehr hohe Geta (Holzschuhe) anziehen musste, wenn man, durch Schlamm und Faekalien watend, oeffentliche Toiletten benutzen wollte.  Weiterhin muss man auch erwaehnen, dass die japanische Kultur aus europaeischer Sicht sehr stark ritualisiert ist (die bekanntesten Rituale waeren die Teezeremonie, Ikebana und das Verbeugen, aber das ist ja nur die Spitze des Eisbergs), und man auch die Schuhkonvention unter diesem Licht betrachten muss.

Auch wichtig fuer die Sauberkeits und ihre Perzeption in Japan sind die naturgegebenen Umstaende vor allem durch das Wetter und Ungeziefer:

(1) Da es in Japan wesentlich haeufiger feuchte und warme Witterungslagen gibt, als z.B. in D., ist auch die Gefahr von Schimmel und Pilzen wesentlich hoeher. Entsprechend wurden (und werden) traditionelle japanische Haeuser aus Holz gebaut und lassen sich sehr gut durchlueften. Ausserdem gibt es ueberall Ventilatoren zum Ablassen feuchter Luft und Luft(raum)entfeuchter gibt es in jedem 100 en Shop.

(2) Japanische Kakerlaken sind nicht nur sehr gross und koennen auch noch fliegen, sondern sie sind auch der Alptraum aller japanischen Hausfrauen. Meine Freundin jedenfalls ist seit Mitte April ganz versessen darauf, dass Abends alles Geschirr abgewaschen ist und nichts, was Kakerlaken fressen wuerden, offen herumsteht.  Aber es gibt auch massenweise andere Insekten, die nur zu gerne bei den Menschen schmarotzen. Zum Beispiel Ameisen. Die hatte ich mal in meinem Zimmer, weil ich Apfelsaft offen stehen lassen habe.

Aus diesen beiden Vorraussetzungen ergeben sich ganz natuerlich Verhaltensweisen um Schimmel und Ungezieferbefall zu verhindern. Wie gesagt, ist ein wesentlich groesseres Problem als in D..

Ausspruch des Tages: ゴキブリとの戦い – gokiburi to no tatakai – Der Kampf gegen die Kakerlaken

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Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 9:33 am

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