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Japanische Postkarten und Herr Neumann

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So langsam trudeln bei uns die Zusagen fuer unsere Hochzeit ein und ich habe etwas Faszinierendes entdeckt. Meine bessere Haelfte hat auf die Karten bei unserer Anschrift immer das Zeichen 行 (hier „yuki“ gelesen) geschrieben, was in dem Fall „an (Herr/Frau)“ heisst. Die Leute, die bisher geantwortet haben, haben allesamt das 行 durchgestrichen und stattdessen 様 (sama) daneben geschrieben, was normalerweise auf Briefen, in Mails etc. als Anrede verwendet wird (so wie in D. „Herr/Frau ….). Wie einige meiner Leser sicher schon geahnt haben: Es geht hier um Hoeflichkeitsstufen.

Meine Freundin hat 行 geschrieben, obwohl sie wusste, dass alle Antwortenden das durchstreichen wuerden. Sie MUSSTE das aber tun, da sie selbst sich nicht als „sama“ anschreiben kann. Sie muss sich selbst „erniedrigen“ (落とす), in anderen Worten, sie muss bescheiden sein gegenueber den Adressaten. Die Adressaten wiederum muessen ihr gegenueber ehrerbietig sein und sie als „sama“ anschreiben.  Hier haben wir dann eines der wichtigeren Konzepte der japanischen Sprache und Gesellschaft: Kenjou (謙譲) und Sonkei (尊敬), was man mit „Bescheidenheit“ und „Respekt“ uebersetzen koennte.

Es geht eben IMMER um die Hierarchie zwischen den Menschen in Japan. Und wenn der soziale Kontrakt es verlangt, dann schreibt man eben etwas auf die Postkarte, wohl wissend, dass es durchgestrichen und verbessert wird. Ich fragte dann halb im Scherz, ob sie nicht von Anfang an „sama“ schreiben koennte. Worauf sie (auch im Scherz!!!) antwortete „du verstehst Japan eben nicht“ und „wenn ich „sama“ schreibe sieht man mich natuerlich als unreif/kindisch an!“.

Naja, fand’s interessant.

 

Ansonsten: Herr Christoph Neumann, seines Zeichens Autor von „Warum Japaner nerven.“, eines der bekanntesten, und man muss es leider auch sagen, schlechtesten, populaeren Buecher ueber Japan ist heute im japanischen Fernsehen erschienen. Die Sendung heisst „Mr.News“ und erklaert Japananern die Welt (Wirtschaft/Politik etc.). Heute geht es u.a um europaeische Politik und Herr Neumann darf auch seinen Senf dazu geben. Dazu nur zwei Kommentare von mir: 1. Wie kann man nach so vielen Jahren in Japan (im Buch schrieb er von sechs Jahren, aber seit dem ist schon eine Weile vergangen) so schlecht Japnisch sprechen? Stockend, fehlerhaft und gelegentlich generelle Unfaehigkeit sich zu kommunizieren. 2. Wie kann es sein, dass so ein …. Anfaenger? Permanent Kulturgeschockter? Heulsuse? das Bild Japans in Deutschland so stark beeinflusst hat? Der merkt noch nicht einmal, dass die Japaner in der Sendung ihn nicht ernst nehmen. Einfach nur traurig.

 

Wort des Tages: たたく - tataku – schlagen, hauen; auch: jemanden heruntermachen (z.B. Herrn Neumann)

Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 1:58 pm

Eine Antwort

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  1. […] Japanbeobachtungen schreibt hayanagi Ähnliches über Herrn […]


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