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Kino!

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Als Fan des japanischen Kinos habe ich mir zwei der neueren japanischen Kinofilme mal angeschaut:

20 Seiki Shounen (20世紀少年, dt. etwa: Jungen des 20. Jahrhunderts)

Gake No Ue No Ponyo (崖の上のポニョ、dt. etwa: Ponyo von ueber dem (Meeres)Abgrund)

 

Der erste Film ist ein auf einem Manga von Urasawa Naoki (浦 沢直樹) basierender Actionfilm und als erster Teil einer Trilogie angelegt. Die Story geht etwa so: Eine Bande Jungs (ein Maedchen ist auch dabei) bauen sich eine geheime Huette im Bambusgras und schreiben dort unter anderem eine Geschichte darueber, wie ein Verrueckter versucht die Welt zu beherrschen / zerstoeren. Die Kinder haben dabei sehr kindgerechte Ideen von Riesenrobotern und Killerviren. Spaeter erfaehrt man, dass es aber einen Jungen gab, der nicht zur Bande dazu gehoerte, immer eine komische Maske trug und in der Naehe herumlungerte.

In der Gegenwart nun ist es scheinbar dieser Junge, der den Welteroberungsplan der Kinder in die Realitaet umzusetzen versucht: Er gruendet einen mysterioesen neuen Kult, der das „geheime“ Zeichen der Kinder benutzt und nennt sich selbst „tomodachi“ (友達, Freund), dann beginnt er nach und nach von Japan ausgehend seine Macht zu vergroessern, gruendet eine Partei, beeinflusst die oeffentliche Meinung (Vorbild ist hier wohl die  Souka Gakkai (創価学会, „Wertsteigerungsgesellschaft) / Koumeitou (公明党, „Gerechtigkeitspartei), die in Japan eine nicht zu unterschaetzende gesellschaftliche Macht darstellt.) und beginnt im Jahre 1999 / 2000 mit Anschlaegen, die er den Helden des Films anlastet. Die Helden werden so zu Terroristen, die aus dem Untergrund heraus agieren muessen, waehrend die eigentlichen Boesen gesellschaftliche Macht dazugewinnen. Die Anschlaege des „Tomodachi“ reichen dabei von Giftgas(Killeriviren?)-Anschlaegen bis hin zu Bombenattentaten auf den Flughafen Narita. Gegen Ende des Films taucht dann noch der versprochene Riesenroboter in Tokyo auf, gegen den unsere Helden dann zu Felde ziehen. Als Finale explodiert halb Tokyo und die Tochter der Hauptfigur darf den Kampf fuer die Menschheit weiterfuehren.

Wer jetzt verwirrt ist, dem kann ich nur sagen: Das ist erst der Anfang Leute. Es gibt ungefaehr 5000 Figuren in dem Film, es wird haeufig zwischen Zeitebenen gesprungen und man versteht ab und zu ueberhaupt nicht, warum die Figuren so handeln, wie sie es tun.

Naja langweilig ist mir nur an wenigen Stellen geworden, speziell im letzten Drittel des Films zieht es sich ein bisschen. Meine Freundin hatte mich gewarnt, da sie den Mangaka, dessen Manga hier verfilmt wurde kannte und sie hatte recht: Es ist kein guter Film. Der Regisseur (Tsutsumi Yukihiko, 堤 幸彦) hat versucht einen klassischen Hollywood-Action-Knaller aus einem Manga-Stoff zu schmieden und irgendwie hat es nicht geklappt. Man sieht den Manga einfach zu oft durchscheinen. Es ist zum Beispiel extrem unglaubwuerdig, dass eine Sekte, die aus gesellschaftlich isolierten Menschen besteht, mal eben die Kontrolle ueber nicht nur Japan, sondern auch noch andere Laender uebernimmt, auch der Riesenroboter, den das Militaer nicht aufhalten kann, ist nur noch laecherlich (Raketen, anyone?). Ausserdem bin ich ein wenig angefressen, dass Herr Tsutsumi den goettlichen Takenaka Naoto (竹中直人) so schnell meuchelt.*murmel*

Alles in allem 5 / 10 – aber nur weil es so viele schlechte Filme auf der Welt gibt.

 

Der zweite Film, den ich heute vorstellen moechte, ist Gake No Ue No Ponyo, der Einfachheit halber ab jetzt nur noch Ponyo. Ponyo ist der neue Ghibli Film und Regie fuehrte der mittlerweile 67jaehrige Altmeister Miyazaki Hayao ( 宮崎駿) selbst.

Kurz die Handlung: Ponyo ein Fischwesen, lebt mit seinen Geschwistern (einige hundert) in der Behausung eines leicht durchgeknallten Magiers am Meeresgrund. Der Magier ist kein grosser Fan der Menschen, da diese die Meere verschmutzen. Ponyo gelingt es eines Tages von zu Hause auszureissen (Papa ist eben doch sehr bemutternd) und trifft nach einem Nickerchen, an der Kueste auf Sousuke (sofern mein Gedaechtnis mich hier nicht truegt), einen kleinen Jungen. Der freut sich wie wild ueber den sprechenden, komischen kleinen Fisch mit dem Menschengesicht und nimmt ihn erstmal mit. Ein wenig spaeter holt Papa Ponyo wieder ab und Sousuke ist untroestlich. Ponyo aber, den Duft der grossen weiten Welt einmal eingeatmet, macht sich ueber Papas Zaubertrank her, wodurch sie abermals ausreissen kann. Aber nicht nur das: Sie wird nach und nach auch zu einem kleinen Maedchen (auch weil sie einen Tropfen Blut von Sousukes Finger geleckt hat), aber Sousuke erkennt seine Ponyo natuerlich trotzdem wieder. …. wie es dann weitergeht und welche Rolle Mama „Meeresgottheit“ spielt, muesst ihr schon selbst herausfinden.

Miyazaki hat mal wieder zugeschlagen, der alternde Regisseur bietet gewohnte Ghibli Qualitaet an der nur wenig auszusetzen ist. Die Zielgruppe dieses Films ist ganz klar bei kleinen Kindern (bis 12 Jahre) zu suchen (schon im Abspann: Statt des ueblichen „Cast“ stand da „Leute die den Film gemacht haben“, genial!) und fuer diese ist es ein wunderbarer Film finde ich. Fuer mich als Erwachsenen mit viel Ghibli Erfahrung, war es aber nicht so spannend und mir ging die Altmaenner-Nostalgie von Miyazaki ein bissel auf die Nerven. Der Zeichenstil hat sich seit „Sen To Chihiro No Kamikakushi“ und „Hauru No Ugoku Shiro“ leicht verbessert, wie ich finde. Beide waren fuer mein Empfinden ein wenig ueberladen mit Farben und Formen, „Ponyo“ ist da ein bisschen ruhiger. Musikalisch bleibt alles beim Alten, Herr Hisaishi liefert gewohnt gute Qualitaet.

Alles in allem 9 / 10 – Erwachsene muessen allerdings selbst entscheiden, ob sie Kinderfilme moegen. Ich persoenlich fand den Film ein bissel langweilig.

Wort des Tages: 評論家 – hyouronka – Kritiker (Film, Buch)

P.S. Diese Scheiss „bitte-nicht-Raubkopieren“ Filmchen in den Tôhô Kinos gehen mir sowas von auf den Sack ….

Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 10:27 am

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