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Tokyoter Wochenenden: Komische Omas und gaffende Japaner

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Gestern ist es wieder einmal passiert. Es ist selten, aber es kommt eben doch vor. Eine komische, alte Frau hat mich und meine Freundin erspaeht, wie wir friedlich am Busbahnhof sassen und auf unseren Bus warteten.

Sie erblickte mich also und da ich mich als Deutscher schlecht tarnen kann, wusste sie sofort, dass ich ein Auslaender bin. Selbstverstaendlich stuerzte sie dann gleich auf mich los und laberte mich auf Englisch und dann auf Japanisch an. Ich hatte gerade keine besonders gute Laune und auch den Schalk gefressen und beschloss sie demonstrativ zu ignorieren. Die alte Schachtel gab aber keine Ruhe und betatschte sogar mein Knie. Ich blickte dann hilfesuchend meine Freundin an, nach dem Motto: Rette mich! (Und sag: Er ist Deutscher und kann weder Englisch noch Japanisch!) Aber leider hat meine Freundin nicht schnell genug geschaltet. So gab ich dann auf und antwortete ihr. Meine Frage, ob wir uns kennen wuerden, wurde knallhart ignoriert, aber nach einer Weile merkte sie dann doch, dass ich keine Lust hatte, mit ihr zu reden. So wandte sie sich dann meiner Freundin zu und sprach mit ihr, als ob sie sich schon lange kennen wuerden, um sich dann schliesslich zu verziehen. Freundin und ich laesterten noch ein wenig und die Japaner um uns herum waren selbstverstaendlich von Anfang an ganz Ohr – ist ja auch langweilig an so einem Busbahnhof. Die „ich hoere nicht zu und bin voellig unbeteiligt“ Gesichter waren echt Gold wert.

Die Menschen auf der Welt sind eben doch alle gleich: Wenn’s was zu gaffen gibt und ein anderer den Schaden hat, wird hemmungslos gegafft.

Genau wie letztens im Bus: Eine junge Dame kotzte sich die Seele aus dem Leib (und mein Sitzplatz war direkt neben der Toilette, so dass ich alles wunderbar nah mitbekam) und als sie nach etwa 40 Minuten die Toilette verliess, drehte sich der halbe Bus um, um einen Blick auf sie zu erhaschen. Koestlich.

Achso, bei derselben Busfahrt laberte mich ein ehemaliger Professor fuer japanische Literatur (wir waren uns vorher in der oertlichen Schwimmhalle begegnet) zwei Stunden lang dicht, obwohl ich eigentlich lieber mein Buch lesen wollte. Naja er war ganz knuffig und die Unterhaltung auch ganz interessant, trotzdem fand ich ihn ein wenig aufdringlich.

In der Bahn in Tokyo wiederum war eine alte Frau ganz Ohr als meine Freundin und ich mal wieder eine kleine Deutsch-Lektion (aka „Im-Zug-ueber-Japaner-laestern-und-andere-Gemeinheiten“) einlegten, da sie dann doch gar zu interessiert die Ohren spitzte, sprach ich sie dann an, ob sie Deutsch koenne und es war ihr selbstverstaendlich extrem peinlich. Sie konnte natuerlich kein Deutsch, hatte aber irgendeinen poetisch-pathetischen Satz memoriert. War aber sehr suess das Omchen.

Fazit:

1. Ich bin KEIN Spielzeug fuer englischlernende Omas.

2. Diese ganze „wo kommen Sie her?“, „oh Sie sprechen ja toll Japanisch“, „wie lange lernen Sie denn schon?“ ich-treffe-einen-Gaijin-Konversation geht mir gehoerig auf den Sack.

3. Japaner lieben das Gaffen genau wie alle anderen Menschen auch.

Wort des Tages: しつこい - shitsukoi – aufdringlich

P.S. Ja, dieses Mal haben sich ein paar „farbige“ Woerter eingeschlichen, aber ich bin heute in der Stimmung dafuer 🙂

P.P.S. Das Roppongi-Hills ist *gaeeehhn*

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Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 10:24 am

Veröffentlicht in Japan - Seltsam und Interessant

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