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Tokyoter Wochenenden

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Wie schon im letzten Eintrag angedeutet, war ich am Wochenende mal wieder in Tokyo. Wir (= Freundin und ich) waren auch viel unterwegs und es gibt einiges zu erzaehlen.

Zum einen waren wir in der „Kleinen Huette“, dem Schild am Eingang zufolge ist das eine „ドイツ風居酒屋“ (Doitsufuu-Izakaya). Das bedeutet soviel wie eine japanische Bar deutschen Stils. Naja ein bissel Deutsch war es immerhin: Es gab Eisbein, Jaegerschnitzel und Sauerbraten auf der Speisekarte. Das Eisbein sah zwar nicht wirklich nach Eisbein aus, schmeckte aber immerhin so.  Das Jaegerschnitzel war leider sehr bitter. Der Sauerbraten schmeckte sehr stark nach Wein (fuer mich als nicht-Alkoholiker ziemlich baeh).

Alles in allem 6 / 10 Punkten aufgrund des nicht soooo tollen Essens und des sehr hohen Preises. (Etwa 50 Euro fuer zwei Personen – da erwarte ich einfach mehr.)

Etwas Spannendes ereignete sich am Samstag morgen: Ich hatte eine geschaeftliche Verabredung und nahm meine Freundin dazu mit. Ich bin von meinem Arbeitsplatz gewohnt in „Kurzform“ zu sprechen und nicht „masu und desu“ zu benutzen. Ist hier halt normal. Meine Freundin aber hat Blut und Wasser geschwitzt, da ich in dieser geschaeftlichen Besprechung dem (mir bisher unbekannten) Geschaeftsfuehrer dieser Firma gegenueber halt „Kurzform“ benutzte.

Auch wenn es eine Reihe schuldmindernder Faktoren gab, muss ich meiner Freundin recht geben: Die richtige Hoeflichkeitsstufe, wenigstens aber „masu / desu“ ist einfach obgligatorisch. Da bleibt mir als (auch im Deutschen) notorischen Ruepel wohl nichts anderes als die Zaehne zusammenbeissen und mir Muehe zu geben.

Tatsaechlich verurteile ich jegliche Art von Hoeflichkeit in der Sprache zutiefst, aber ich will mich hier nicht ueber meine sprach-philosophischen Ansichten auslassen. Ein guter Grund Englisch zu moegen uebrigens.

Spaeter sind wir durch Ueno spaziert. Das erste Mal war ich vor drei Jahren dort, es hat sich aber fast nichts veraendert. Es gibt noch immer Billig-Kleidung, Fisch, frisches Obst und allerhand Tand. Auch die beruehmte „ドイツ軍服“ (doitsu-gunpuku, Teile von Uniformen der deutschen Bundeswehr) gibt es hier fuer wenig Geld. Wenn man in Tokyo als Tourist weilt, sollte man sich das wirklich mal ansehen. Speziell rot gefaerbte Tintenfischarme und Seetang in 100 Variationen duerften bei den meisten Westlern fuer ein wohliges Gefuehl von Exotik sorgen.

Ebenfalls am Samstag waren wir in Mitaka in einer Ausstellung ueber „浮世絵“ (Ukiyo-e) zur Zeit des „幕末“ (Bakumatsu). Das sind Bilder aus der Welt der Vergnuegungsviertel um etwa 1850. (Ich weiss, das kann man alles genauer erlaeutern; wer mehr wissen will, schlaegt eben bei Wikipedia nach.)  Neben den haeufigen Bildern von Prostituierten und den in der japanischen Kunst allgegenwaertigen Jahreszeitdarstellungen, fand ich vor allem die damalige Rezeption der Westler interessant. Perry hat ein sehr „wildes“ Aussehen, ist sehr haarig und hat eine grosse Nase.  Ich musste ein klein wenig an „鬼“ (oni) – japanische Teufel – denken. Alles in allem sehr interessant, wuerde ich jedem Japaninteressierten empfehlen.

Nachdem wir nach Hause zurueckgekehrt waren, kam der  nette Blockwart Nachbarschaftspolizist zu uns und klaerte uns ueber Unholde in unserer Nachbarschaft auf. Auch wenn ich mir einen kleinen Seitenhieb auf das Land der „交番“ (Kouban), von denen es laut Wikipedia 2006 etwa 6400 gab, erlaubt habe, muss ich die japanische Polizei doch loben: Nicht nur kann man in den Kouban, die eine Art „Mini-Polizeiamt“ darstellen immer nach dem Weg fragen, und sich auch sonst in allen Lebenslagen helfen lassen, vielmehr hat man wirklich das Gefuehl beschuetzt zu werden.

Unser lokaler Polizist hat uns jedenfalls darueber aufgeklaert, dass es in der Naehe einen Einbruch gab und dass das Zielobjekt der Taeter unserer Wohnung aehneln wuerde. Also sind wir gleich in den naechsten Heimwerkermarkt marschiert und haben entsprechende Sicherheitsmassnahmen gekauft. Auch unser Vermieter ist informiert und wird vermutlich eine Sicherheitsfirma beauftragen unsere Wohnung einbruchssicherer zu machen. Ausserdem hat er uns noch erzaehlt, dass im nahen Park ab und zu Exhibitionisten auftauchen und finstere Gestalten Frauen nachstellen. Mir persoenlich macht  eher letzteres Angst, denn meine Freundin ist nicht grade koerperlich stark.

Auf jeden Fall gilt, die japanische Polizei: Das rundum-sorglos Paket. Auch unser Vermieter ist recht grosszuegig, wie es aussieht.

Am Sonntag sind wir schliesslich noch zu einem „バイキング“ (Viking) gegangen. Das ist ein „all-you-can-eat-Buffet“ auf Japanisch. Der Laden in dem wir waren, liegt in ”吉祥寺” (Kichijouji) und nennt sich „Sweets sweets“. Das Name ist Programm: Neben Pizza und Pasta gibt es so ungefaehr dreissig Suessigkeiten mit Eis, Kuchen, Marshmellows, Mochi … allem was das Herz begehrt. 90 Minuten kosten 1480 Yen, also etwas weniger als 10 Euro, fuer die man sich nach Herzenslust vollfressen kann. Entsprechend voll war der Laden dann auch und auch die in Japan – bei beliebten Geschaeften – haeufig zu findende Schlange gab es.

Das Essen war nicht so furchtbar lecker, aber fuer den Preis durchaus gerechtfertigt. Insgesamt 8 / 10 Punkten.

Puh viel geschrieben und nicht gerade fokussiert. Naechstes Mal geht es wieder etwas strukturierter zu. 🙂

Wort des Tages お巡りさん/おまわりさん - omawari-san – Polizist (etwas umgangssprachlich)

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Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 9:22 am

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