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Und nun was fuer die Otaku da draussen

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Am Wochenende war ich zum zweiten Mal in meinem Leben in einem sogenannten „Maid-Cafe“ (Aussprache: „me-do“). Das letzte Mal war irgendwann 2005, glaube ich. Ein“Maid-Cafe“ ist ein Cafe, in dem die Kellnerinnen allesamt in Dienstmaedchenkostueme gekleidet sind und den Kunden mit „Mein Herr“ (ご主人様,  goshujinsama) bzw. „Meine Dame“ (お嬢様, ojousama) anreden. Darueber hinaus muessen sie die ganze Zeit noch extrem suess sein und extrem „weibliche“ (= unterwuerfige) Sprache benutzen. Dazu kommt dann noch eine spezielle Gestik mit festgelegten Handbewegungen und generell viel mehr Bewegung, als es im normalen Umgang der Fall ist.

Ich lasse erst einmal die Bilder sprechen.

Hier steht, was man alles NICHT darf. Z.B. die … Kellnerinnen nicht anfassen, nicht nach ihren Telefonnummern oder E-Mail Adressen fragen, nicht nach ihren Arbeitszeiten fragen, keine privaten Fragen, nicht vor dem Cafe herumlungern (und auf Maids warten) und mein absoluter Favorit: „Nicht die Maids auf aufdringliche Weise anbaggern.“

Das heisst dann ein bisschen baggern ist OK, oder wie?

Hier sehen wir, wie eine Maid aussehen sollte. Diese spezielle Maid hat es zu ein wenig Beruehmtheit gebracht und darf ein eigenes Musikalbum veroeffentlichen.

Hier haben wir eine spezielle Form des Maid … Fetischs (?): Die „kleine Schwestern-Maid“. Es gibt hier also einen „kleine Schwestern Tag“ (妹 Day, imouto-day), an dem die Maids nochmal eine Spur suesser sind und noch mehr auf „jung und unschuldig“ machen. Die Kunden werden nun nicht mehr als „Mein Herr“ sondern als „grosser Bruder“ angesprochen.

Welche sexuellen Abgruende sich hier auftun, darf sich jeder selbst zusammenreimen.

Im Cafe selbst ist das Fotografieren zwar leider verboten, aber gegen „ein geringes Entgelt“ (TM) darf man sich zusammen mit einer Maid seiner Wahl fotografieren lassen. Ich frage mich, ob ich der Einzige bin, der ein Problem damit hat, einen Menschen aus einer Art Katalog auszuwaehlen …

Nachdem wir uns dann fuer unsere zwei Maids entschieden hatten (haben jeweils einmal bezahlt), haben Freundin, ich und jeweils eine Maid „Erinnerungsfotos“ gemacht. Dazu haben wir uns dann Hasenohren aufgesetzt und durften dann „Hoppler“ bzw. „Herz“-Gesten machen.

Auf den Fotos oben steht uebrigens „Moee“ (萌えー), was soviel wie … tja … „suess, niedlich, (leicht) erotisch“ bedeutet. „Mo-ee“ ist ein relativ neues Wort, das in der Otaku-szene benutzt wird, wenn ein Maedchen ganz besonders „suess“ ist. Manchmal wird auch faelschlicherweise 燃え geschrieben, was soviel wie „brennen“ bedeutet. Beide Zeichen werden „mo-e“ gelesen, deshalb die Verwechslung.

Unten stehen noch die Spitznamen unserer beiden Maids „Runoa“ und „Muffin“ sowie mein Spitzname, sowie der meiner besseren Haelfte (zensiert).

Und zu guter Letzt:

Meine eigene Maid-Cafe Mitgliederkarte! Yay! Interessant finde ich, dass die Vorderseite komplett in Englisch gehalten ist und auch „international“ darauf steht (wo bitte sind Maid-Cafes denn international???), waehrend die Rueckseite dann wieder komplett in Japanisch gehalten ist. Das hat fuer mich irgendwie einen Beigeschmack von „Englisch ist cool und wir benutzen es da, wo man es gut sehen kann, aber wenn es um’s Eingemachte geht, nehmen wir doch lieber Japanisch“. Schoen ist auch „Lv.1“ Membership … der Lebenswelt der meisten Kunden (Videospiele) angepasst.

Wie dem auch sei: Allein schon das „Loriご主人様” auf der Rueckseite war den Besuch wert. Wir haben uebrigens fuer zwei Softdrinks und ein kleines Dessert etwa 30 Euro bezahlt. Aber man geht ja fuer die Show ins Maid-Cafe🙂

Achso fuer alle, die zuviel Zeit haben: Ihr koennt auf den obigen Fotos das lustige „Zaehl-die-Herzchen“-Spiel spielen.

Mal etwas ernsthafter: Es war schon ziemlich seltsam, diesen Mikrokosmos zu betrachten. Das Publikum war zwar mit „Touristen“ wie uns durchsetzt, da wir in ein Cafe nahe des Bahnhofs Akihabara gingen, aber es gab trotzdem auch viele echte Otaku (= Freak, der sich zu sehr fuer sein Hobby interessiert, vor der Realitaet flieht). Direkt neben mir sass so einer. Er hatte eine kleine Handpuppe dabei, die ein Maedchen im Schulmaedchenkostuem darstellte. Er zeigte diese Puppe allen Maids im Cafe und versuchte damit mit den Maedchen Kontakt aufzunehmen. Das war schon ein wenig verstoerend.

Auch dieses ganze „wir sind ganz unterwuerfig und gehorchen unserem Herrn“-Getue finde ich auf einer psychologischen Ebene ziemlich bedenklich. Was wird denn da fuer ein Bild der zwischengeschlechtlichen Beziehungen geformt? Ich sage ausdruecklich NICHT, dass Maid-Cafes daran Schuld sind, aber ich kann schon verstehen, wie japanische Maenner, die Probleme mit ihren zwischenmenschlichen Beziehungen haben, in eine Welt der Manga, Videospiele, Idols und Maid-Cafes fliehen und sich dabei immer weiter von der Normalitaet und auch psychischer Gesundheit entfernen.

Mal ganz davon abgesehen, fand ich auch diese ganze Show, wie so oft in Japan, extrem … „plastikmaessig“ … schillernd und bunt … aber irgendwie auch leer. Die Maedchen, die dort arbeiten sind ja im Allgemeinen doch ganz normale Studentinnen bzw. normale junge Frauen. Im Maid Cafe allerdings mutieren sie ueber Kleidung, Gestus, Sprache und Verhaltenscodex zu einer Art lebender Comicfigur, die eine Art emotionalen Ersatz fuer einsame Otaku bilden. Ich kann mir vorstellen, dass das fuer einige der Maedchen eine echte Belastung ist. Der Stundenlohn duerfte dafuer ziemlich gut sein.

Fazit: Es war auf jeden Fall interessant, aber, ich denke, ein Besuch alle paar Jahre genuegt.🙂

Wort(e) des Tages: 別の世界 – betsu no sekai – eine andere Welt

Fuer mich jedenfalls war es wie ein Besuch auf einem anderen Stern.

P.S. Weiss einer, wie ich den Spam zwei Beitraege weiter unten loeschen kann? Der wird mir in meinem „Kontrollzentrum“ nicht als Kommentar angezeigt, so dass ich ihn auch nicht loeschen kann.

Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 10:39 am

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