japanbeobachtungen

Just another WordPress.com site

Wohnungssuche in Tokyo

leave a comment »

Vor etwa zwei Monaten bin ich (wieder) nach Japan gekommen und habe gleich mit meiner Freundin zusammen eine Wohnung gesucht. Nun funktioniert das Wohnungssuchen in Japan aber anders als in D. und Ö., zumindest anders als meine bisherige Wohnungssuche.

Meine erste Wohnung habe ich ueber eine Zeitungsanzeige bei einer Hausverwaltung gemietet. Dann habe ich ueber einen Studentenaustausch ein Zimmer in einem Wohnheim zugewiesen bekommen. Danach habe ich mir auf diversen Websites WG Zimmer gesucht. Speziell das Konzept WG mit seinen sehr freien Regeln hat mir sehr gut gefallen.

Nunja, in Japan gibt es (fast) keine WGs und da ich auch zuletzt schon in  Ö.  mit meiner Freundin zusammen gewohnt hatte, wollte ich diesmal eh kein WG-Zimmer.

Also haben wir es auf die japanische Art gemacht: An jedem Bahnhof gibt es massenweise Immobilienmaklerbueros. Also haben wir uns per Internet (Yahoo Japan) ein paar interessante Wohnungen rausgesucht und dann bei den entsprechenden Firmen angerufen. Dann sind wir da persoenlich vorbeigefahren und haben uns Wohnungen zeigen lassen.

Das war eigentlich ganz nett, denn wie immer in Japan war der Service hier sehr gut. Es gab allerdings eine Ausnahme: In einem Immobilienbuero wollte man uns nicht ernst nehmen. Wir, meine Freundin (25) und ich (26) erzaehlten dem Immobilienmakler, dass sie Studentin und ich auf Arbeitssuche sei. Daraufhin aenderte der Mensch seine Einstellung uns gegenueber schlagartig, benutzte eine andere Hoeflichkeitsstufe und erzaehlte uns was von Verantwortung und Sicherheit. Dass ich gut ausgebildet (und ziemlich zuversichtlich war einen Job zu finden) und die Eltern meiner Freundin ziemlich wohlhabend sind, hat ihn garnicht interessiert. Na so ein alter Hase, weiss halt alles schon vorher.

WTF?? Ich bin schon seit einigen Jahren kein Kind mehr du arrogantes *********

Meine Freundin hat sich noch mehr als ich aufgeregt, naja als Japanerin geht ihr Japanisch und dreiste Japaner wohl mehr zu Herzen als mir.

Naja, als wir dann eine schoene Wohnung gefunden hatten, und auch eine nette Immobilienfirma, kam das naechste. Die kleinen, dreckigen Details.

Erst einmal brauchten wir genaue Angaben ueber die Vermoegensverhaeltnisse der Eltern meiner Freundin, da sie als Studentin nicht vertrauenswuerdig ist: Wie lange, in welcher Firma, mit welchem Einkommen, Umsatz und Angestelltenzahl der Firma …. ich als Auslaender fiel natuerlich voellig aus dem Raster und so laeuft der Mietvertrag auch ueber meine Freundin. Willkommen in Stasiland.

Als naechstes das liebe Geld. In Japan ist es – entgegen anderslautender Geruechte – absolut normal dem Vermieter das sogenannte „Reikin“ zu bezahlen. Damit „bedankt“ man sich beim Vermieter, dass man die Miete fuer seine Wohnung bezahlen darf. Reikin betraegt je nach Lage, Qualitaet (…) der Wohnung normalerweise eine bis zwei Monatsmieten.

Aber das ist erst der Anfang: Zum Reikin kommt die Kaution, die es zwar auch in D. gibt, die man in Japan aber nicht zurueckbekommt, da der Vermieter sie zum „reinigen“ der Wohnung benutzt. Das ist zwar schoen, weil man so immer in eine saubere Wohnung einzieht, aber ich bezweifle doch stark, dass so eine Durchschnittsreinigung 500 Euro oder mehr kostet. Mal ganz davon abgesehen, haette ich gerne wenigstens die Moeglichkeit das selbst zu machen. Naja Schattenseite der Servicementalitaet denke ich. Wie beim Reikin auch betraegt die Kaution durchschnittlich eine bis zwei Monatsmieten.

Als naechstes gibt es die Maklergebuehr: Fuer die (zugegebenermassen gute) Beratung des Maklers darf man noch einmal durchschnittlich eine Monatsmiete bezahlen.

Alles zusammen bezahlt man beim Einzug mindestens vier Monatsmieten von denen man NICHTS zurueckbekommt. In besseren Wohngegenden, Neubauten etc. wird das dann auch gerne mal zu sechs Monatsmieten oder mehr.

Aber das Beste kommt noch: Wenn der Vertrag, der IMMER fuer zwei Jahre ausgelegt ist, auslaeuft, darf man noch einmal eine Monatsmiete „Verwaltungsgebuehr“ berappen. Wenn man es wagt vor der Frist ausziehen zu wollen, wird ebenfalls eine „Verwaltungsgebuehr“ (Strafgebuehr?) von einer Monatsmiete faellig. Das Ganze wie gesagt bei unserer billigen – sehr weit vom Bahnhof entfernten – Wohnung.

Fassen wir also zusammen: Bei Einzug MINDESTENS vier Monatsmieten Vorleistung, nichts davon wird zurueckerstattet. Der Mietzeitraum ist auf genau zwei Jahre festgelegt: Frueher kuendigen bringt Strafzahlungen. Die Vermieter und Makler verlangen liquide Buergen und detaillierte Angaben ueber dieselben.

Phantastische Bedingungen fuer Makler und Vermieter – und die Zeche zahlt der Mieter.

So genug gemeckert. Ob es in Italien wohl auch so schlimm ist?

Wort des Tages: 金儲け - kanemouke ー Geldverdienen, Gelderwerb, gerne auch negativ fuer geldgierige Menschen

Advertisements

Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 9:21 am

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: