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Yasukuni-Jinja – the movie

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Ich habe mir den Film des chinesischen Regisseurs Li Ying am Samstag angesehen und moechte mal eine kleine Kritik dazu schreiben:

Der Film ist strikt dokumentarisch gehalten. Es gibt keine nachgestellten Szenen und auch nur sehr wenig Erlaeuterungen von Seiten der Filmmacher. Diese Erlaeuterungen sind sehr allgemeiner Art gehalten und ausschliesslich schriftlicher Natur. Die Kamera wackelt oft mit den Bewegungen des Kameramannes und auch die Belichtung ist ab und zu ziemlich schlecht. Insgesamt hat man wirklich Wert darauf gelegt authentisch zu wirken. Die Kamera ist dabei immer sehr nahe dran und man bekommt einen guten Eindruck von der Atmosphaere am Yasukuni Jinja.

Ich fand die ersten 10 Minuten ziemlich langweilig, vor allem die Stellen in denen der 90-jaehrige Katana-Schmied des Yasukuni-Jinja interviewt wird, sind sehr zaeh. Der Interviewte will – oder vermutlich eher darf  – kaum auf die Fragen, die ihm gestellt werden, antworten und schweigt meist. Selbst auf die Frage, wie die Atmosphaere des Yasukuni-Jinja vor und waehrend des Krieges war, antwortet er nicht, obwohl er Zeitzeuge ist. Aber zu dem alten Mann spaeter mehr.

Der Film zeigt ausfuehrlich das Gebahren der japanischen Rechten am Yasukuni-Jinja. Man sieht etliche Gruppen und Individuen, die meist in militaerische Kleidung oder zumindest Uniformen gekleidet, am Yasukuni-Jinja ihr Programm abspulen. Dieses besteht meist aus marschieren, herumfuchteln, Fahnen schwenken, salutieren und dem Ausdruck geben von „tiefem Dank fuer die gefallenen Helden unseres Landes und Ehre dem kaiserlichen Haus“ , dazu wird gerne „天皇陛下万歳“ (tennouheikabanzai) geschrien. Wahlweise auch nur Banzai. Ausserdem betonen die Nationalisten auch gerne noch wie wichtig und moralisch richtig es sei die gefallenen Soldaten zu ehren.

Herr Ying zeigt auch ausfuehrlich einen Amerikaner, der mit der amerikanischen Flagge am Yasukuni-Jinja provoziert und nach Einschuechterungsversuchen der Nationalisten schliesslich von Polizisten ausser Reichweite gebracht wird.  Er zeigt auch normale Japaner mit ihren verschiedenen Einstellungen, die zum Teil schon sehr „national“ sind. So sind ein paar aeltere Herren zum Beispiel der Meinung Japan haette am zweiten Weltkrieg keine Schuld, waehrend ein paar alte Frauen nicht so recht wissen, was sie von dem ganzen Spektakel halten sollen, aber Krieg auf jeden Fall ablehnen. Auch Herr Koizumi hat einen kurzen Auftritt in dem er seine uebliche Sicht der Dinge vertritt: „Politik und Mensch Koizumi sind ja was ganz verschiedenes“. Er redet ziemlich wirres Zeug, wie z.B. „ich kann nicht verstehen, wieso Auslaender (das oben Gesagte) nicht verstehen koennen“ etc.

Eine andere Episode zeigt eine taiwanesische Aktivistin, die gerne die Seele ihres Grossvaters, der im 2ten Weltkrieg fuer Japan gekaempft hat, aus dem Yasukuni-Jinja ausgegliedert haben moechte und wie die Leute im Yasukuni-Jinja auf sie und auch auf eine Japanerin, die ihren Verwandten nicht im Yasukuni-Jinja verehrt wissen moechte , reagieren.

Schliesslich sehen wir, wie der 15.08. (der Tag an dem der Tennou Japans Kapitulation im zweiten Weltkrieg ausrief) am Yasukuni-Jinja begangen wird. Eine der Veranstaltungen an diesem Tag wird ausfuehrlich gezeigt: Man kann dem Buergermeister Tokyos bei einer Rede zuhoeren in der er unter anderem fordert Japan muesse wieder „aufstehen und stark werden“ (立ち上がる). Danach sieht man dann, wie chinesische und japanische Aktivisten versuchen diese Veranstaltungen zu stoeren und dafuer gewaltsam vertrieben, verpruegelt und schliesslich von der Polizei abgefuehrt werden.

Auch ein alter Mann, der meint die heutige japanische Bildungspolitik sei voellig falsch und man muesse doch die japanischen Soldaten mehr ehren (blablabla), findet seinen Platz im Film.

Es gibt ausserdem noch Einblendungen von alten Zeitungsausschnitten aus der Kriegszeit in denen Soldaten darum wetteifern, wer mehr Menschen getoetet hat bzw. dafuer verehrt werden. (100人殺) Sowie ein paar interessante Videoaufnahmen von Kaiser Hirohito vor, waehrend und nach dem Krieg.

Am Ende des Films kehrt der Regisseur noch einmal zum Katana-Schmied des Yasukuni-Jinja zurueck und nun erfahren wir ein bisschen mehr ueber den alten Mann, der der Meinung ist, seine Schwerter haetten im Krieg grosse Dienste geleistet (役に立った) und dann eine Kassette abspielt, auf der man hoert wie toll das japanische Schwert sei. (Das klingt im Japanischen gruselig!)

Insgesamt ein erstaunlich objektiver Film in dem der Regisseur die verschiedensten Facetten des Phaenomens „Yasukuni-Jinja“ zeigt und sehr unterschiedliche Personen und Einstellungen, die mit dem Schrein zu tun haben, vorstellt. Die Einstellung der japanischen Ultrarechten bzw. deren Geschichtsverstaendnis (wie man es ja auch im Yasukuni Museum pflegt) werden ebenfalls sehr klar gezeigt.

Auch wenn ich nicht alles verstanden habe (Japanisch ohne Untertitel), und ich grosse Schwierigkeiten hatte den alten Mann und das Geschrei der Nationalisten zu verstehen, fand ich den Film ziemlich interessant. Ich kannte zwar viele der Fakten schon, aber manches war eben doch neu oder schon vergessen. Spannend war auch die Reaktion meiner Freundin, die sich gar nicht bewusst war, was da am Yasukuni eigentlich passiert und was die Ultrarechten sich eigentlich so denken (wenn man das „Denken“ nennen kann).

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Written by hanayagi

Februar 3, 2012 um 9:26 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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