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Ueber Medien, Teil 3: Japans Printmedien

with 15 comments

Heute geht es um Printmedien in Japan. Das bedeutet vor allem Zeitungen und Zeitschriften. Zuerst einmal ein paar Fakten und Zahlen.

In Japan gibt es fuenf nationale Zeitungen, die alle „Shimbun“ im Namen fuehren, was schlicht Zeitung heisst (woertlich: „Neues-Lesen“): Yomiuri Shimbun („Lesen-Verkaufen“, mitte-rechts), Asahi Shimbun („Morgen-Sonne“, mitte-links), Mainichi Shimbun („Jeden-Tag“, mitte), Sankei Shimbun („Industrie-Wirtschaft“, rechts), Nihon Keizai Shimbun („Japan-Wirtschaft“, Wirtschaft). Die politischen Tendenzen werden so zumindest im Allgemeinen angegeben. Ich persoenlich wuerde selbst die „mitte-links“ Asahi Shimbun eher als mitte-rechts beschreiben, in etwa zu vergleichen mit der FAZ in Deutschland. Die Zuschreibung der Nihon Keizai Shimbun oder auch Nikkei Shimbun als „Wirtschaft“ ist, finde ich, auch ziemlich daneben. Die Nikkei sehe ich persoenlich als stramm rechts an und „Wirtschaft“ ist nur ein Chiffre dafuer.

Dazu kommt dann noch die Tokyo Shimbun (die man auch eigentlich als nationale Zeitung beschreiben koennte) und regionale Zeitungen fuer jede Praefektur.

Japaner lesen unglaublich viel Zeitung: Mein Schwiegervater z.B. liest (fast) jeden Tag Asahi Shimbun, Nikkei Shimbun und Tokushima Shimbun (Regionalzeitung der Praefektur). Und das drueckt sich dann auch in den Verkaufszahlen aus.

Major newspapers (morning editions) in Japan

Source: ABC (Japan), Jan.-Jun. 2010 via Nikkei Media Data

Zum Vergleich die Verkaufszahlen drei auflagenstaerksten Zeitungen in Deutschland: Die Zeit 653.000, Sueddeutsche Zeitung: 529.000, FAZ 477.000

Die Yomiuri verkauft also etwa schlappe 20 mal mehr Zeitungen pro Tag als „die Zeit“ in Deutschland. Interessant ist auch, dass in Japan etwa 95% aller  Zeitungen per Abonnement nach Hause kommen und kaum am Kiosk gekauft werden. Es gibt auch immer mal wieder Vorwuerfe, dass die Verkaufszahlen geschoent werden, was dazu fuehrt, dass die Yomiuri auch mal bei 14 Millionen Exemplaren pro Tag liegt.

Darueber hinaus gibt es in Japan gefuehlt so um die 300 Magazine zu jedem beliebigen Thema. Man findet in jedem beliebigen Kombini zum Besipiel: Modezeitschriften (fuer Frauen und Maenner!), Frauenzeitschriften, Jugendzeitschriften, Boulevard, Erotik (Soft bis Hardcore),  Reisezeitschriften und die obligatorischen Restaurant / Stadtleben-Ratgeber.

Es gibt auch eine Zeitschrift bei der es nur um’s Heiraten geht. (Coverfotos haben IMMER westliche Models.)

an-an hat in etwa die Rolle von „Bravo“ wenn es um Aufklaerung geht, wird aber meist von Menschen um die 20 herum gelesen.

Egg ist eine wichtige Jugendzeitschrift der Girl-„Gegenkultur“.

Die vielleicht wichtigsten und verkaufskraeftigsten Kategorien im japanischen Zeitschriftenmarkt sind Mode/Frauen und Boulevard. Es gibt eine ungeheure Menge von beiden Sorten. Modezeitschriften sind insofern interessant, dass viele von ihnen die Mode auf der Strasse zum Thema haben. Das bedeutet dann, dass man ein paar Dutzend Seiten nur Fotos von hunderten normalen Maedchen (und Jungs) aus Stadtteil XYZ sieht. So etwas gibt es meines Wissens nicht in D., oder?

Bekannte Modemagazine sind z.B.:

CanCam (siehe auch hier)                         Sweet

Wer will, kann auch spasseshalber mal einen Blick zum japanischen Wiki-Artikel mit der Liste japanischer Modezeitschriften werfen.

Boulevard in Japan ist so ziemlich dasselbe wie in D.: Klatsch und Tratsch, Skandale, nackte Maedchen, usw.  Boulevardzeitschriften bezeichnet man in Japan auch populaer als „Shūkanshi (週刊誌)“ oder „woechentliche Magazine“.

Shūkan Josei (fuer Frauen)               Shūkan Asahi (etwas serioeser)      Friday (Schmuddelecke)

Zum Inhalt der Printmedien in Japan, der Struktur der Informationsbeschaffung in der Indurstrie und der speziellen Bedeutung der Shūkanshi gibt es ein anderes Mal mehr.

Wort des Tages: 基本情報 – kihonjouhou – grundlegende/allgemeine Information


Written by hanayagi

März 2, 2012 um 5:14 am

15 Antworten

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  1. Bei der Zeitschrift an-an.. das ist doch Nami Tamaki auf dem Cover oder?
    Worum gehts da oder ist sie „nur“ Covergirl?🙂

    Phil

    März 2, 2012 at 10:33 am

  2. hochzeitszeitschriften habe ich hier in deutschland auch schon gesehen (und mich gefragt, wer sowas kauft, denn so regelmäßig wie die zeitschriften rauskommen, heiratet man ja doch nicht).

    3 tageszeitungen lesen, mein respekt.. verbringt der schwiegervater damit viel zeit oder überfliegt er größtenteils nur die überschriften? ich frage mich auch, wie das bei der jüngeren generation aussieht. meine freunde, die anfang/mitte 20 sind, sind ziemlich desinteressiert, was politik und wirtschaft angeht.. oder ist zeitunglesen eher ein „männerding“ in japan?

    fragola

    März 2, 2012 at 10:42 am

  3. Dieser Artikel ist sehr interessant für mich.🙂

    Miyuki

    März 2, 2012 at 11:16 am

  4. Ich hab auch immer im Kombini beobachtet wie die Leute dann stehen und ganze Magazine/Zeitungen lesen bzw durchlesen. Die werden dann im nachhinein logischerweise nicht mehr gekauft oder?!
    Das ist in Japan auch einzigartig hab ich noch nirgends gesehen. Hier in Deutschland würde man sich dafür garantiert einen Spruch vom Inhaber/Angestellten fangen.

    Christian

    März 2, 2012 at 5:26 pm

    • @Christian:
      Meistens werden die Zeitschriften dann nicht gekauft.

      Ein wenig durchblaettern etc finde ich wichtig, bevor ich die kaufe – aber komplett lesen ist schon frech.
      Es wird zwar von den Shops nichts gesagt, aber neuerdings haben die meisten Zeitschriften ein starkes Gummiband ueber alle 4 Ecken des Heftes, oder ist verschweisst.
      Zusaetzlich habe ich im Kinokuya gesehen, dass es kleine Notizschilder gibt mit: „Bitte keine Fotos oder Notizen machen!“ Hahaha

      anjifrosch

      März 5, 2012 at 4:01 am

  5. @Phil Keine Ahnung. Auf dem Cover steht jedenfalls nicht, wer das ist.
    @Ja, denke schon, dass das ein Maennerding ist. Und ja, er liest ziemlich aufmerksam und schneidet sich interessante Artikel zum intensiven durcharbeiten auch noch aus!
    Ich persoenlich lese uebrigens jeden Tag Zeit/NYT und mehrmals die Woche Japan Times/Asahi Shimbun (alles online).
    @Miyuki Gut zu wissen. Noch besser waere es, wenn du uns sagen wuerdest, was interessant ist.🙂
    @Christian 立ち読み (tachiyomi, lesen-stehen) wird das genannt. Ich verrstehe das als eine Art Service von Seiten der Kombinis. Weiss nicht, ob viele Menschen genau die Zeitschrift, die sie da lesen auch kaufen. Ich glaube die Idee ist, dass die Leute IRGENDETWAS kaufen🙂

    hanayagi

    März 3, 2012 at 6:59 am

    • 日本にいるドイツ人の食生活は、多くの日本人が興味を持つと思いますよ☆写真付きなら、ドイツ語が読めなくても、十分楽しめますしね。

      ・ 普段、毎日食べているもの
      ・ 好きな和食、嫌いな和食
      ・ 食に対するこだわり(例えば、「お米は福井県産の『こしひかり』しか食べない」など。)
      ・ 良く食べるお菓子(具体的に商品名を挙げて。例えば「ポッキーつぶつぶ苺」というように。)
      ・ 日本でよく作るドイツ料理
      ・ 「ドイツ人が選ぶ日本の美味しいビール」という記事は面白そう!

      他に知りたいのは、「ドイツ人は、ドイツの周辺国のことを、本当はどう思っているのか」ということです。日本は日本の周辺国と、政治的・経済的に対立することが多く、歴史の問題もあって仲が悪いです。最近のニュースなら、ギリシャの財政赤字問題とその処理に関して、ドイツ人はどう思ったのか知りたいです。ギリシャがドイツに経済援助を要求したとき、日本人はドイツに同情的でした。

      Miyuki

      März 5, 2012 at 9:09 am

      • あのね!勘違いしているんじゃないかな。私は知りたかったのはこの記事の何が「Dieser Artikel ist sehr interessant für mich.」なのか。ミユキさんのコメントから見ると「何を書けば面白いですか」と言う事だね。

        でも、そは言っても参考にはなりましたよ!その内「食生活と国際関係」について記事を書くかもしれません。

        hanayagi

        März 7, 2012 at 8:38 am

  6. Spielen die ganzen Manga Zeitschriften bzw. Magazine auch ne größere Rolle bei Verkaufszahlen ? Denke da z.b an „Weekly Shonen Jump“

    obi

    März 3, 2012 at 7:55 am

  7. Hmm, ehrlich gesagt, keine Ahnung.

    Ich habe Manga einfach mal als ein anderes Medium angesehen und deshalb nicht bei den Zeitungen / Zeitschriften aufgefuehrt.

    hanayagi

    März 4, 2012 at 3:55 am

  8. der japanische print markt ist der größte der welt, die yomiuri shimbun die auflagenstärkste zeitung überhaupt. auf platz 2 ist dann glaube schon deutschland, was auflagen und angebot im zeitschriftenregal sein. mal schauen wie das in zehn jahren noch sein wird, man prophezeit das ende der zeitung auf 2017…

    fritz

    März 5, 2012 at 6:58 pm

  9. Ich halte solche Prognosen fuer arg uebertrieben. Was ich glaube, was passieren wird, ist dass sich Printmedien ueber die Zeit eine aehnliche Nische suchen werden wie das Radio seinerzeit. Aber ich denke, das wird eher in einem Zeitrahmen passieren, der Jahrzehnte umfasst und nicht nur ein paar Jahre.

    hanayagi

    März 5, 2012 at 11:28 pm

  10. Die egg „lese“ ich selbst auch. Sehr interessant finde ich, dass die Zeitschrift ganz offen mit Sex etc. umgeht. Da werden Sachen thematisiert, da schlackern einem nicht nur die Ohren sondern auch die Augen😀 Und diese Zeitschrift ist für Mittelschüler bis Studentinnen! (Und es gibt ja das männliche Pendant „Men’s egg“ dazu, in der werden die Jungs aufgeklärt, wie man sich mehrere Freundinnen gleichzeitig hält xD)

    Also hier zu Lande is ja Dr. Sommer schon hart aber da würden japanische Mädels nur müde drüber lächeln!

    Tsui Oberfreundlich

    März 7, 2012 at 10:26 pm

    • Hab mir die „Men’s egg“ vor etwa 4 Jahren mal gekauft und schaue in neuere Ausgaben ab und zu rein. Deutsche Pendants gibts hierzu überhaupt nicht, ein Vergleich mit Bravo/Freundin, etc. lässt sich nicht herstellen, da hier auf zwei sehr unterschiedlichen Ebenen das Thema Sexualität angegangen wird. Top-Themen auf beiden Seiten sind – natürlich – Sex und Ideale. Ein Beispiel, wie man es in der Bravo nicht findet: Thema Vorhautverengung. Alles wird geliefert: Neben der medizinischen Betrachtung samt Bilder wird ausführlich über mögliche (phys. und psych.) Komplikationen beim Sex gesprochen, um im Anschluss auch den Lösungsansatz zu finden: eine Operation könnte Abhilfe verschaffen. Damit niemand mit dem Thema alleine gelassen wird, findet man auf der gleichen Seite werbewirksame Annoncen privatärztlicher Praxen, die diese Operationen anbieten. Und auch der Preis wird genannt, denn schließlich soll der Leser auch wissen, wieviel Taschengeld angespart sein sollte. Es geht eben nichts über japanische Organisation.

      Joachim

      März 12, 2012 at 7:58 pm

      • Vergesst bitte nicht, dass Egg ein Subkultur-Magazin (Shibuya-kei) und keineswegs repraesentativ fuer Japan ist!

        hanayagi

        März 13, 2012 at 12:03 pm


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