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Ausflug nach Tokushima, Teil 1: Mima-shi

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Diese Woche war ich mit meiner Frau bis gestern bei meinen Schwiegereltern in Tokushima und einen Tag in der nahegelegenen Stadt Mima. Meine Frau ist noch in Tokushima, weil es ihr nicht so gut geht (keine Sorge nur eine Erkaeltung), ich bin schon zurueck, weil ich ein paar Besorgungen zu erledigen habe. Der heutige Post wird sehr lang und ich hatte ueberlegt ihn in drei oder mehr Teile aufzuteilen, die Idee aber dann wieder verworfen, weil es den Zusammenhang auseinanderreisst.  Zwei Teile werden es aber dann doch werden: Der heutige Teil beinhaltet Bilder aus Mima und der zweite Teil Bilder aus Tokushima.

Aber bevor ich zum eigentlichen Punkt komme, moechte ich noch kurz meine Erlebnisse von meiner Rueckreise gestern schildern. Also: Damals, im Ferienlager … j/k

Ich bin also gestern allein nach Tokyo zurueckgeflogen und merkte dann beim Aussteigen in Haneda, dass mein Portmonnaie nicht da war, wo es sein sollte. Auch nach hektischer Suche in allen Taschen und um meinen Sitz herum, konnte ich es nicht finden. Ein kurzer Anruf bei Schwiegermutter bestaetigte meinen Verdacht, dass ich es in ihrem Auto (ein VW Golf uebrigens, hehe) verloren hatte. Immerhin etwas. Das bedeutete dann aber, dass ich in Tokyo ohne Ausweispapiere und Geld am Flughafen Haneda festsaß. Jep, ziemlicher Mist. Ich bin dann zur Koban (=Polizeitstation) am Flughafen gestiefelt und habe dort um Hilfe gebeten. Da es scheinbar häufiger vorkommt, dass Leute das Geld zum nach Hause fahren vergessen, gibt es sogar ein System für solche Fälle. Nach ein paar Anrufen und Erklärungen und ein paar ausgefüllten Formularen (wir sind in Japan, schon vergessen?) hatte ich dann 1030 Yen in der Hand und konnte nach Hause fahren. Yippie! Der dienstälteste Polizist bestand dann noch darauf, dass ich 200 Yen seines privaten Geldes nehme, was ich wirklich nicht wollte. Aber er war sehr bestimmt dabei, so dass ich mir auf dem Weg noch einen Twix kaufen konnte (gibt es seit ein paar Wochen an Bahnhofskiosks zu kaufen). Es war mittlerweile 15 Uhr und ich hatte kein Mittagessen. Deshalb: Danke, lieber Polizist! Ich habe mich natürlich ausführlichst bedankt!

So, Zeit für den eigentlichen Artikel und viele, viele Fotos:

Menschen

   

     

     

Aufgenommen an Wochentagen, deshalb viele alte Menschen und Schüler. Erwachsene arbeiten.

     

Nickerchen 🙂

     

       

Der creepy Gaijin macht Fotos von Schulmädchen und ihren Röcken! Aber ich kann mich mit „es ist für die Wissenschaft!“ herausreden 🙂 Der Punkt hier ist, dass die Röcke in Tokushima im Durchschnitt gute 40 Zentimeter länger sind als in Tokyo. Wer in Tokushima Knie zeigt, gilt schon als verwegen. In Tokyo interessiert das wirklich niemanden und die Mädels haben so kurze Röcke, dass sie beim Treppensteigen oft ihre Hände benutzen um sicherzustellen, dass es keine ungewollten Blicke auf ihre Unterwäsche gibt. 🙂

Und hier ein paar Fotos von unserem Zug bzw. der Landschaft vor den Zugfenstern

      

     

   

      

Wer schon einmal in Tokyo war, wird auf diesem Bild eine Menge Unterschiede bemerken. (Z.B. gibt es keine automatischen Ticketschalter.)

Und hier ein paar Schnappschüsse aus Mima selbst

     

    

Diese Blüte erzeugt einen Ton, wenn man durch sie hindurchbläst.

     

Ein Rathaus auf dem Lande. Mein Rathaus in Kusatsu sah ziemlich exakt genau so aus.

Diese nette Oma war leider schon ein wenig Dement, aber sehr freundlich. Sie wollte uns zu einem leckeren und billigen Soba-Laden mitschleifen, aber wir hatten da schon gegessen. Sie war ausserdem Souka-Gakkai Anhängerin, hehe.

     

Japan ist eines der reichsten Länder der Erde. Auf dem Land rostet aber trotzdem vieles vor sich hin.

    

Der Getränkekistenzaun gehört zu einem Sakehändler.

     

Solche pittoresken Flussbetten sieht man in Japan relativ oft.

Seilhüpfen. 🙂

Wilde Müllhalden sieht man in Japan leider ebenfalls ziemlich oft.

     

In Südjapan findet man zu jeder Jahreszeit Zitrusfrüchte. Das hier dürften Dekopon (デコポン) sein. Vielleicht hat ja einer Lust, die deutsche Übersetzung nachzuschlagen?

      

Nein, das war kein Tsunami, sondern einfach nur Zerfall.

Oh, wie süß! Und dann heißt die Gute auch noch Sakura! Aber ich wette, wenn ich mich genähert hätte, hätte sie mich gebissen. Ich mag übrigens Hunde nicht.

     

Holzverarbeitung.

Der alte Mann hier war einfach genial. Wäsche aufhängen, angeln, den Golf-abschlag üben … der Mann weiß, wie man abhängt! Das in der Mitte ist übrigens sein Auto.

Nicht einmal im tiefsten Inaka (= auf dem Lande) ist man vor AKB48 sicher.

Und so sieht meine Frau aus. Ahem, ich meinte natürlich ein nationales Kulturgut.

      

Und hier noch einmal von innen.

Lecker Mandarinensaft, Schokoeis und Kuchen aus Sobamehl. (Im wahrscheinlich einzigen Cafe in Mima-shi gegessen.)

      

Unser Hotel. Es gab nur zwei Hotels im ganzen Ort. Hehe. Meine Frau bemerkte sehr treffend, dass das Hotel sehr „bubbly“ aussah. Damit meinte sie, dass es wahrscheinlich in der Zeit vor dem Platzen der Blase in Japan gebaut wurde, als Japan wirtschaftlich auf dem Zenit seiner Macht stand und viel Geld in völlig nutzlose und überdimensionierte Bauprojekte floß. Die meisten dieser Projekte entstanden in den 70er/80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Dieses spezielle Hotel war ursprünglich eine Bildungseinrichtung der japanischen Regierung, wurde dann aufgegeben und verfiel vor sich hin, bis es vor sechs Jahren von einem reichen Menschen aus Osaka aufgekauft wurde und jetzt ist es ein etwas heruntergekommenes Hotel.

Wie jedes auch nur halbwegs anständige Hotel in Japan hatte auch dieses Hotel ein öffentliches Bad.

    

Das Frauenbad am Morgen.

     

Das Männerbad am Abend. (Und ja, das sind meine Füße!)

      

Das linke Bild war leider nicht besser hinzubekommen. Mir ist nur glaube ich zum ersten Mal aufgefallen, dass hier tatsächlich die Nummer „4“ ausgespart wurde. Also Raum 303 und dann Raum 305. Wie ihr aus jedem billigen Japanreiseführer wisst, gilt die „4“ in Japan als Unglück verheißend, da sie die gleiche Lesung haben kann wie „Tod“.

Auf dem rechten Bild seht ihr ein traditionelles japanisches Frühstück inklusive Miso-Suppe, Natto und Tofu. Da ich Natto und Tofu nicht ausstehen kann, war ich ziemlich hungrig nach dem Frühstück. 🙂

Und das war der eigentliche Anlaß für unseren kleinen Ausflug: Udatsu no Machinami (うだつの町並み), was in etwa „Udatsu Innenstadt“ bedeutet.

     

     

Als „Udatsu“ bezeichnet man die gemauertenVorsprünge, wie der auf dem rechten Vorbild. Sie wurden von wohlhabenden Bürgern in der Edo-Zeit an die Seiten ihrer Häuser angebracht um das Übergreifen von Feuern auf das eigene Haus zu verhindern.

      

In der Udatsu Innenstadt werden diese Vorspünge heute als Touristenattraktion instand gehalten.

      

In Japan gibt es auch heute noch die Redensart „Udatsu ga agaru“, was wörtlich „die Udatsu werden gebaut (eigtl. wachsen nach oben)“ bedeutet. Die Bedeutung der Redensart in Deutschland würde ich mit „reich werden“ übersetzen. Man soll also die Seife kaufen um reich zu werden. 🙂

     

Der Name dieser merkwürdigen Blumen ist mir leider schon wieder entfallen.

      

Bambus wird oft als Blumenvase benutzt.

      

Der Frühling ist da!

Wort des Tages: おびただしい – obitadashii – gewaltig viel (wird benutzt, wenn etwas unüberschaubar viel ist, wie z.B. ein Vogelschwarm oder die Anzahl an Fotos in diesem Artikel)

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Written by hanayagi

März 31, 2012 um 4:35 am

16 Antworten

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  1. {Bot.} Dekopon – jap. Mandarinenart mit einer Beule am oberen Ende;

    Soso, da hast du also ins Frauenbad reingeknipst …

    Gojira

    März 31, 2012 at 6:53 am

  2. es gibt Twix in Japan? Geilomat! Ich hoffe, daß nicht so eine saisonale Geschichte?

    umij

    März 31, 2012 at 7:48 am

  3. @Gojira Danke. Und nein ich habe meine Frau knipsen lassen. Hehehe.

    @Umij Ja, das hoffe ich auch sehr stark!

    hanayagi

    März 31, 2012 at 8:00 am

  4. Ich mag Natto und Tofu sehr, brauche aber nicht unbedingt Suppenkram—lass uns tauschen!, Leider wird man als Europäer von den Mini-Frühstückchen nicht so richtig satt…So, und jetzt frühstücke ich selber.

    heavydesigner

    März 31, 2012 at 8:29 am

  5. Ich liebe das ganze Fruehstueckszeug. Ist es nicht unhoeflich bestimmte Dinge nicht zu essen? Geniale Fotos, vielen Dank fuer den Post. =)

    Horus

    März 31, 2012 at 12:39 pm

  6. Diese komischen Blumen sind doch Zierkohl, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Das sieht man auch häufiger Japan. Die Fotos sind richtig schön ^.^

    PS: Du hast PN (embjapan) 😉

    hellcorrespondence

    März 31, 2012 at 4:02 pm

  7. Bei ein paar Fotos dachte ich, das sieht genau so aus wie Kokura^^
    Japanisches Frühstück sagt mir komplett zu! 😀 Leider ist Natto in Deutschland nicht grad günstig…
    Tolle Fotos! 🙂

    Yvonne (@Kiwisplit)

    März 31, 2012 at 4:57 pm

  8. Hey, womit machst du die Fotos ? Irgentwie habe ich das Gefühl mir wird schwindelig wenn ich die Fotos anschaue 😉

    kkjoe

    März 31, 2012 at 4:58 pm

  9. @Hellcorrespondence Ja, ich habe die auch schon ein oder zwei Mal gesehen. Find sie trotzdem komisch 🙂

    @Horus Ja, natuerlich ist es unhoeflich. Aber ich bin Deutscher genug um mich nicht darum zu scheren, was das Hotelpersonal von mir denkt.

    @Yvonne Kokura ist ein Ort?

    @KKjoe Mit einer 12 Megapixel Kamera von Olympus. Ist ziemlich gut meiner Meinung nach. Die Fotos in dem Artikel sind uebrigens alle stark verkleinert.

    hanayagi

    März 31, 2012 at 10:45 pm

  10. Schliesse mich Yvonne an. Natto ist ein geschenk der Götter und mein 5 jähriger würde dir auf ewig für ein Notpaket dankbar sein. Sein Geschmack ist ausserordentlich japanisch geprägt.

    Die Bilder sind irre, sieht ja wirklich aus wie im Kuhdorf bei uns in Saitama. Hat deine beste Hälfte im zarten Grundschulalter auch im örtlichen Fluss Kaulquappen gefangen?

    Saitama Lilie

    April 1, 2012 at 9:36 am

    • Wenn’s wirklich so arg ist, kann ich dir gerne ein Carepaket aus Japan schicken, ist kein Thema. Sag einfach Bescheid, meine Mail Adresse hast du ja.

      Ich stelle uebrigens fest: Es gibt hier zuviele Leser, die Natto moegen. Haeresie!

      Und meine Gute hat frueher immer Insekten gequaelt und z.B. kleine Steinchen in Spinnennetze geworfen um die armen Viecher zu veralbern. Von Kaulquappen habe ich bisher nix gehoert.

      hanayagi

      April 1, 2012 at 10:36 am

  11. […] ist der zweite Artikel über meinen kleinen Ausflug nach Tokushima und Mima. Teil 1 findet ihr hier. Heute gibt es Bilder aus Tokushima […]

  12. Immerhin Mandarinensaft. Mein (Business-) Hotel in Osaka hatte Tomatensaft zum Frühstück. Ich hab’s probiert, bin aber die darauffolgenden Tage auf Wasser umgestiegen (eigentlich auch nicht so mein Ding, aber allemal besser als Tomatensaft).

    HamuSumo

    April 7, 2012 at 10:09 am


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