japanbeobachtungen

Just another WordPress.com site

Archive for April 2012

Repost: Mutterliebe & Einsamkeit

leave a comment »

(Dies ist der vorerst letzte Repost.)

 

Heute mal wieder ein paar Schnappschuesse:

Das ist der Inhalt eines der “Care-Pakete” der Mutter meiner Verlobten. Darin schickt sie uns regelmaessig gute Sachen aus der Provinz Tokushima, in der sie wohnt. Und weil’s Japan ist, gibt’s auch immer lecker Reis.

Und das habe ich heute in Shibuya (im Zentrum Tokyos) gesehen:

Das ist eine Werbung fuer einen … aehm … “Ohrensaeuberungsservice”. Ich uebersetze mal (von links oben nach rechts unten):

“Das Gefuehl des beruehrt werdens.”

“Das Gefuehl des gestreichelt werdens.”

“Die ultimative Entspannung.”

“Kopf auf den Schoss legen und sich die Ohren saeubern lassen.”

Es geht hier also um einen Service, bei dem man(n) seinen Kopf auf den Schoss einer in Yukata gekleideten jungen Dame legen und sich die Ohren saeubern lassen kann … … … Mal von der leichten Assoziation mit der Sexindustrie abgesehen …

Der Service bietet ja irgendwie auch menschliche Naehe an. Irgendwie traurig, wenn man so einsam ist, dass man menschliche Naehe kaufen muss. Andererseits sind die “Mamas” und “Kabaretts” in Japan dem auch nicht so unaehnlich.

Wort des Tages: 故郷の味 - furusato no aji – der Geschmack der Heimat; Japaner lieben es, Sachen aus einer bestimmten Region zu essen, speziell wenn es das eigene Dorf (Stadt) ist, in dem man aufgewachsen ist. Da sehr viele Japaner aus der Provinz nach Tokyo ziehen (gezogen sind) ist der “Furusato”-Mythos in Japan sehr potent.

Advertisements

Written by hanayagi

April 30, 2012 at 1:13 am

Repost: Alte Maschinen zum Stoffe faerben!

leave a comment »

Da Freundin keine Gelegenheit auslaesst, sich irgendwelche Stoffe, Muster, Farben … anzusehen, haben wir bei unserem Besuch in Tokushima die “Nagao-orifu” (長尾織布) – Shijira-ori Fabrik besucht. Shijira-ori ist eine besondere Art Stoff (indigo)blau zu faerben, dabei wird aus der Indigopflanze (藍, ai) der gewuenschte blaue Farbton gewonnen. Die Pflanze wird im Maerz gesaet und im Juli geerntet (es gibt zwei Ernten). Die Blaetter werden dann von Unkraut und Insekten gereinigt und getrocknet. Dieser Prozess dauert etwa einen Monat. Im September beginnt man dann das “Sukumo” (すくも, etwa: Faerbemasse) des entsprechenden Jahres herzustellen、indem man die Blaetter und allerlei Reagenzien in grosse Holzbottiche fuellt und dann bis in den Dezember hinein (100 Tage) gaeren laesst.

Mit dem gewonnenen Faerbemittel faerbt man dann alle moeglichen Kleidungsstuecke, wie zum Beispiel Yukata, Obi, SamueJinbei, T-Shirts, Hemden, Muetzen usw.

Ich habe mir die Fabrik auch von innen ansehen duerfen und natuerlich auch ein paar Fotos gemacht:

Panorama

Ein paar Maschinen aus der Naehe

Auf den Bildern erkennt man leider nicht so gut, wie unglaublich alt die Maschinen zum Teil sind. Der Firmenchef, der uns freundlicherweise herumfuehrte, erzaehlte mir, dass einige Maschinen noch aus der Meiji-Zeit stammen. Fuer nicht-Japanologen: Das war die Zeit von 1868 – 1912! Damals entwickelte sich in Japan uebrigens eine grosse Textilindustrie, die, kraeftig vom Staat gefoerdert, die USA und China (damals Weltmarktfuehrer) im weltweiten Textilienhandel ueberfluegelte und fuer Japans Industriealisierung ein wichtiger (wenn nicht sogar der wichtigste) Devisenbringer war. Da in diesen Fabriken fast ausschliesslich junge Frauen unter zum Teil schrecklichen Bedingungen arbeiteten, kann man wohl mit einigem Recht behaupten, dass die japanische Industrialisierung durch die Muehen und Leiden der Frauen ermoeglicht wurde. Dazu gibt es auch massenweise Literatur z.B. von Shiga Naoya, wenn ich mich recht erinnere.

So und noch zwei Fotos:

Gaerbottiche

Fertiges Faerbemittel

Ein fertiger Samue

Wort des Tages: 染め - some – Faerbung, das Faerben 〈von Kleidungsstuecken z.B.)

Written by hanayagi

April 29, 2012 at 1:11 am

Repost: Werbung mit Poesie

leave a comment »

Heute ist mir ein Werbezettel von Daiichiseimei (第一生命, eine grosse japanische Versicherung) auf meinen Schreibtisch geflattert. Die kommen jeden Donnerstag hier vorbei, aber normalerweise haben sie nur Bonbons ^^ Warum die das duerfen (wir sind schliesslich ein Rathaus, hier darf eigentlich keine Firma Werbung machen), weiss ich nicht. Dieser Werbezettel ist auf jeden Fall recht interessant. Die Werbung selbst ist eigentlich recht unauffaellig plaziert, im Mittelpunkt stehen 100 Haiku (japanische Kurzgedichte, klassischerweise mit der folgenden Silbenzaehlung 5 – 7 – 5), die von Buergern aus dem ganzen Land bei einem Wettbewerb eingeschickt wurden.

Wie einige meiner Leser vielleicht wissen, sind Haiku im Land von Matsuo Bashô und Buson (beides legendäre Haiku-Dichter) auch heute noch in Japan sehr beliebt. Der Haiku-Sammelband “Salat-Gedenken” (サラダ記念日, sarada kinenbi) von Tawara Machi (俵万智) wurde hierzulande knapp drei Millionen mal verkauft und jedes Kind hier kennt ihn. Die Haiku in Sarada-Kinenbi handeln uebrigens vom Alltagsleben der Japaner und sind fuer alle, die ein wenig Japanisch beherrschen, gut geeignet um ein wenig zu ueben.

Haiku zum Alltagsleben erfreuen sich auch im Japan des Jahres 2009 grosser Beliebtheit, speziell die sogenannten “Salaryman-Haiku”.

Haiku selbst sind eigentlich ganz einfach: Man baue einen Dreizeiler, der aus fuenf, dann sieben, dann wieder fuenf Silben besteht, gebe ihm (nicht zwingend) ein sogenanntes “Kigo” (季語), ein “Jahreszeitenwort” hinzu und fertig ist das Haiku. Das Problem liegt dabei natuerlich wie immer im Detail. Es ist leicht ein Haiku zu schreiben, es ist schwer ein “gutes” Haiku zu schreiben und es Bedarf schon einer Portion Genie um “meisterliche” Haiku vom Schlage eines Bashô zu schreiben.

Aber kommen wir zurück zum Anfangs angesprochenen Werbezettel.

Hier will ich die ersten drei Haiku einmal kurz vorstellen. Ich gebe dabei nur eine ungefaehre Uebersetzung wieder, ohne auf die Silbenzahl gross Ruecksicht zu nehmen.

#1

コスト下げ

やる気も一緒に

下げられる

kosuto sage, yaruki mo isshoni, sagerareru

Arbeitskosten runter

auch der Eifer beim Arbeiten

wird abgesenkt

Von einem “faehigen Manager”. Klingt irgendwie frappierend aehnlich wie die Klagen deutscher Arbeiter / Manager.

#2

パパ部長

家の中では

ママ社長

papabuchou, ie no naka de ha, mamashachou

Abteilungsleiter Papa

aber zu Hause ist

Mama der Boss

Das deutsche Wort “Abteilungsleiter” gibt die herausgehobene Position eines “Buchou” allerdings nur unzureichend wieder. Ein “Buchou” gehoert schon zum oberen Management.

Jaja unsere Pantoffelhelden ;) Gibt’s halt ueberall. Eingesandt von einem “einfachen Beamten”.

#3

「明日有休」

妻の舌打ち

気のせいか

asu yuukyuu, tsuma no shitauchi, kinosei ka

“Morgen habe ich frei”

meine Frau schnalzt mit der Zunge

ah, ich bilde es mir vielleicht nur ein

In der ersten Zeile sind es, wenn ich mich nicht verzaehlt habe, sechs Silben, mit der Lesung “ashita” fuer “morgen” sind sogar sieben Silben denkbar. Das ist normal in gegenwaertigen Gedichten, es muss nicht unbedingt immer genau das Silbenmass eingehalten werden. Ich finde dieses Haiku sehr genial. Klingt nach prallem Leben ;) Eingesandt von einem “liebenden Ehemann”.

Wort des Tages: 俳句 - haiku – klassisches japanisches Gedicht im Versmass 5 – 7 – 5, das Zeichen 句 (ku) allein wird auch verstanden und z.B. als Zaehlwort benutzt.

Written by hanayagi

April 28, 2012 at 1:09 am

Repost: Ueber Service

with 4 comments

(Die gute Anji hat hier einen Artikel zu japanischen Lieferdiensten geschrieben.)

 

Ich glaube jeder Deutsche, der einmal in Japan gelebt hat, hat schon einmal eine Lobeshymne auf den Service hier angestimmt. Ob es nun die beruehmten sauberen und puenktlichen Zuege oder das perfekte Laecheln der Angestellten ist: Als Kunde ist man in Japan wirklich fast immer Koenig.

Das gilt auch fuer die Paketdienste in Japan. Heute moechte ich einmal beschreiben, wie das hier funktioniert, wenn ein Paket zugestellt werden soll.

1) Der Paketbote kommt zur Haustuer und klingelt immer (!) drei Mal, wenn niemand aufmacht.

2) Wenn niemand die Tuer oeffnet, hinterlaesst der Paketbote einen Zettel auf dem viele lustige Zahlen stehen. Anfangs ist das ein wenig verwirrend, aber wenn man sich einmal eingefuchst hat, ist das System narrensicher und kinderleicht zu bedienen. Natuerlich nur, wenn man Japanisch kann ;) *

Man ruft die “automatische Neuzustellungsnummer” auf dem Zettel an. Da gibt es dann einen Bandansage, die sich auf das Wichtigste beschraenkt und in dieser Reihenfolge fragt:

a) Zustellungsnummer (ist auf dem Zettel)

b) Zustellung am gleichen Tag Ja/Nein

c) Wenn gleicher Tag, dann welche Uhrzeit? Wenn nicht gleicher Tag, dann morgen oder uebermorgen? Sonst Datumseingabe. Danach dann wieder Uhrzeiteingabe. Die Uhrzeit kann man eingeben mit 1 – 6, 1 bedeutet Vormittag, danach gibt es 2-Stunden Intervalle.

d) Zur Bestaetigung noch die eigene Telefonnummer.

Fertig. Das laesst sich in zwei Minuten erledigen und kostet keinen einzigen Yen (Anruf ist selbstverstaendlich kostenlos). Man kann auch mehrere Male nicht da sein. Kein Problem. Man kann auch seinen persoenlichen Zusteller (Nummer ist ebenfalls auf dem Zettel) anrufen, wenn man das moechte. Und billig ist das Pakete verschicken auch noch …

Wenn ich mich da an D. und meine Besuche in sogenannten “Postcentern” erinnere, graust’s mich nur.

Ueberhaupt gilt fuer Telefonhotlines in Japan, was generell gilt. Der Service ist dem in Deutschland um Lichtjahre voraus. Ich hatte bisher IMMER kompetente Mitarbeiter am Hoerer und IMMER innerhalb kurzer Zeit. Warteschleife gibt es eigentlich nur, wenn der Arbeiter an MEINEM Problem arbeitet.

Ich kann nur immer wieder sagen: Arme Kunden in Deutschland.

Wort des Tages: 再配達自動受付 – saihaitatsu-jidou-uketsuke – “Automatische Neuzustellungsannahme”

* Ich meine, es gibt sogar eine englischsprachige Hotline, bin jetzt aber zu faul nachzusehen.

Written by hanayagi

April 27, 2012 at 1:07 am

Repost: Mudra und buddhistische Ikonographie

leave a comment »

Mudren sind spezielle Handgesten, die von den diversen Buddhas an ihre Jünger weitergegeben wurden. Mudren sind damit religiöse Symbolik. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund interessiere ich mich dafuer und habe, als ich letztens das Nationalmuseum in Ueno (Tokyo) besucht habe, auch einige Fotos der Handgesten geschossen und mir einen kleinen Informationszettel dazu geben lassen. Anhand dessen möchte ich nun einmal die einzelnen Mudren vorstellen:

 

1)      禅定印 – Zenjôin (Meditation-festgelegt-Geste) Die Zenjôin-Mudra ist der Legende nach vom historischen Buddha, Shakyamuni selbst überliefert worden. Dabei war seine Gestalt, als er am Fluss „Nirenzenga“ unter einem Bo-Baum meditierte, Anlaß für die Form dieser Mudra.

Sie wird geformt, indem man (im Lotussitz) die linke Hand mit der Innenseite nach oben direkt zwischen die Knie und darauf dann die rechte Hand legt. Dabei spreizt man die Daumen so ab, dass sie sich beruehren. Diese Mudra wird für Statuen von allen „Drei Großen Buddhas“ Japans (Amida, Shaka, Yakushi) und auch im esoterischen Buddhismus benutzt. Bei Statuen von Amida-Buddha werden ausserdem noch die beiden Zeigefinger nach oben gekrümmt, so dass sich beide Daumen und beide Zeigefinger (insgesamt alle vier) berühren.

Der “Daibutsu” in Kamakura als Beispiel für die Zenjôin-Mudra.

2)    転法輪印 – Tenpôrinin (Drehen-Gesetz-Rad-Geste; „Rad der Lehre“-Mudra) Die Rad-der-Lehre-Mudra wiederum wurde vom legendären Buddha Shakyamuni selbst ebenso legendären „Hirsch-“ bzw. „Rehgarten“ gelehrt. „rin“ (輪), das Rad, bezeichnet auch eine Schlinge, die im alten Indien als Wurfwaffe genutzt wurde. Buddha zufolge soll diese Waffe auch gegen die „Verirrung“ der Lebewesen  eingesetzt werden. (Ein zentraler Grundsatz des Buddhismus ist, dass wir die „Realitaet“ nicht erkennen, da unsere Sinne und unser Koerper uns täuschen.) In Japan wird dieses Mudra für Amida und Shaka (Shakyamuni) Buddhafiguren benutzt. Im Falle Amidas wohl deshalb, weil er als „Krieger des reinen Landes“ gilt.

Bei dieser Geste werden die Daumen und Zeigefinger beider Hände zusammengebracht, während man die anderen Finger leicht spreizt. Die Finger zeigen dabei nach oben, mit der Handinnfläche nach aussen.

3)      施無畏・与願印 – Semui, Yoganin (Almosen-Nichts-Weisheit, Geben-Wünschen-Geste) Diese Mudra wird bei allen in Japan gängigen Buddhastatuen verwendet.

Die rechte Hand gibt allen Lebewesen Ruhe und mindert ihre Angst (Semui), dabei hebt man sie vor die Brust mit den geschlossenen, gestreckten Fingern nach oben und der Handinnenseite nach aussen. Der Daumen ist leicht abgespreizt.

Die linke Hand gewährt allen Lebewesen ihre Wünsche (Yogan), dabei lässt man sie locker absinken mit den geschlossenen, gestreckten Fingern nach unten und der Handinnenseite nach Aussen. Es gibt noch einige Unterformen mit abgespreiztem Daumen bzw. zwei oder drei gestreckten Fingern.

Ein Beispiel für Semui, Yoganin:

4)  降魔印 – Gômain (Siegen-Teufel-Geste; das Zeichen für „gô“ hat noch eine Reihe weiterer Bedeutungen, aber ich denke, hier ist „siegen, schlagen“ gemeint) Die Gômain-Mudra entstand der Legende nach als Buddha Shakyamuni den Versuchungen und Drohnungen der Dämonen widerstand, die ihn vom Pfad der Erleuchtung abbringen wollten. Er verjagte die Dämonen, indem er die rechte Hand vor sein Knie hielt und die drei mittleren Finger den Boden berühren liess. Dabei zeigte der Handrücken nach aussen. Man nennt diese Mudra deshalb auch Sokuchi-Mudra (触地印) oder „Berühren-Erde-Geste“. In Japan ist diese Mudra eher selten.

Hier ein Beispiel für Gômain:

5)      来迎印 – Raigôin (Kommen-Empfangen-Geste) Raigôin ist die spezielle Mudra des Amida-Buddha. Er ist die zentrale Figur zweier sehr erfolgreicher japanischer Sekten: Der Jôdoshû (浄土宗, Sekte des reinen Landes) und der Jôdoshinshû (浄土真宗, „Wahre“ Sekte des reinen Landes). Die Jôdoshû postuliert ein „Paradies“ nach dem Tod, in das der Gläubige von Amida-Buddha geleitet wird, es genügt, wenn man dafür seinen Namen anruft (Namu Amida Butsu). Diese Mudra war vor allem Ende der Heian-Zeit und während der Kamakura-Zeit (etwa 12. – 14. Jahrhundert n. Chr.) sehr beliebt.

Bei dieser Mudra berühren Daumen und Zeigefinger beider Hände einander. Die rechte Hand wird mit der Handinnenseite nach aussen vor die Brust gehoben. Die linke Hand wird gesenkt (im Stehen) oder auf das Knie gelegt (im Sitzen), mit den Fingern nach unten weisend und der Handinnenfläche nach aussen oder nach oben geneigt. Es gibt auch einige Abwandlungen diese grundlegenden Form.

Hier ein Beispiel für Raigôin:

6)  逆手来迎印 – Sakate-Raigôin (Umgekehrte-Hände-Kommen-Empfangen-Geste) Diese Mudra stammt von Bildern des Amida-Buddha aus dem China der Song-Zeit, die genau so, wie sie waren, kopiert wurden (also spiegelverkehrt). Die linke Hand ist in diesem Fall oben und die Rechte unten.

Es gibt natürlich noch viel mehr buddhistische Ikonographie, ein paar Beispiele:

Die Ohren! Die Ohren! Sie stehen für Weisheit und deshalb haben Buddhas für gewöhnlich sehr große Ohrläppchen.  Laut dieser englischen Webseite symbolisieren die Ohrlaeppchen einerseits die Fähigkeit Buddhas alles (vor allem alles Leid) zu hören und andererseits sind sie so lang, weil Buddha vor seiner Erleuchtung (und der darauffolgenden Absage an alles Materielle) schweren Ohrschmuck trug.

Sehr viele Buddhafiguren stehen oder sitzen auf solch einem Podest.  Das ist aber nicht einfach irgendein Podest sondern eine symbolische Lotusblume. Lotusblumen gehören zu den acht “heiligen” Symbolen des Buddhismus (clicky). Sie symbolisiert in ihrem Aufbau den Aufstieg des Menschen zum Buddha. Ihre Wurzeln stecken im Schlamm, ihr Stamm liegt im Wasser und ihre Blüte liegt auf oder sogar über dem Wasser. Das symbolisiert den Aufstieg des Menschen vom rein von Begierden und Ängsten getriebenen “tierischen” Wesen, hin zum Buddha, der – frei von jeglicher Begierde und Angst – die Wirklichkeit durchdringt und vollkommen gelassen ist.

(Interessanterweise beinhaltet eines der acht Symbole zwei Fische, was auch ein Symbol der frühen Christen war.)

Bei diesem Bild bin ich mir nicht so sicher, was die Symbolik bedeutet. Die Perlenkette könnte auf die “108 Tugenden” (auf die Schnelle keinen guten Link gefunden) des Buddhismus hinweisen.

Und zum Schluss nochmal etwas nicht-Buddhistisches (soweit ich weiss):

Das ist ein “Shachi” (鯱). Shachi bestehen aus einer Mischung aus Tierkopf und Fischkörper. Der Schwanz ist immer himmelwärts nach oben gebogen. Shachi befinden sich meist auf den Dächern japanischer Burgen und sollen Glück bringen bzw. Unglück abwenden und Feuer löschen.

Mehr Info auf Japanisch gibt es hier.

tl;dr ?

Wort des Tages: 知恵袋 – chiebukuro –  Quelle der Weisheit; auch: Jemand, der anderen mit Ratschlägen beisteht.

Written by hanayagi

April 26, 2012 at 1:05 am

Repost: Lori’s kleiner Kyoto Reisefuehrer

leave a comment »

So, da ich letztens mal wieder in Kyoto war … zum sechsten Mal oder so, dachte ich mir, ich schreibe mal ein paar Empfehlungen zur Stadt. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollstaendigkeit, dazu gibt es einfach zu viel zu sehen in Kyoto.

Drei Anmerkungen vorweg:

1) Kyoto sollte man im Fruehling (Ende Maerz / April) oder im Herbst (Ende September / Oktober) besuchen um die Kirschbluete / die spektakulaere Faerbung des Herbstlaubs erleben zu koennen. Generell ist es keine so gute Idee, im Sommer nach Japan zu kommen – einfach zu heiss hier.

2) Tempel und Schreinbezeichnungen, soweit mir bekannt:

-ji, -tera, -dera (buddhistischer) Tempel

-in Untertempel (meist mehrere in einem einzigen -ji)

-jinja  (shintoistischer) Schrein

-taisha Grossschrein

-jinguu Schrein-palast, mit dem Kaiserhaus verbunden

3) Niemals die ~500 Yen Eintritt fuer einen der Tempel und Gaerten sparen. Es lohnt sich fast immer.

Erst einmal die “must-see”-Attraktionen, die in jedem Reisefuehrer stehen duerften:

– Nijou-jou (二条城)

Das Schloss Nijou-jou wurde vom legendaeren Tokugawa Ieyasu (der “Einiger” Japans) erbaut und war Kyoto-Residenz der Familie Tokugawa. Heute kann man es in grossen Teilen (auch innen!) besichtigen. Auf jeden Fall einen Besuch wert.

– Kiyomizu-dera (清水寺)

Eine der Hauptattraktionen Kyotos. Es gibt dort immer Unmengen von Touristen und natuerlich auch eine ganze Einkaufsstrasse mit Souvenirs. Man kann hier heiliges Wasser trinken (daher auch der Name “reines-Wasser-Tempel), sich in einer dunklen Hoehle auf eine spirituelle Reise begeben und beeindruckende Holzarchitektur begutachten.

– Kinkaku-ji (金閣寺)

Der “Tempel-des-goldenen-Turms” macht seinem Namen alle Ehre und die Haupthalle, zusammen mit dem wunderschoenen Garten ist einfach fantastisch.Er wurde von Shogun Ashikaga Yoshimitsuerrichtet. Massenweise Touristen, natuerlich.

– Ginkaku-ji (銀閣寺)

Noch ein ganz wunderschoener Tempel und Garten. Ebenfalls sehr viele Touristen.

 – Fushimi-inari-taisha (伏見稲荷大社)

Der beruehmte Fuchs-Schrein mit seinen vielen “Torii“. Torii sind uebrigens meist Spenden von reichen Goennern, die sich bei dem Fuchsgott (Inari) fuer das Wohlergehen ihres Geschaefts bedanken.

– Gion (祇園)

Der beruehmte “Geisha” und “Einkaufs”-Bezirk von Kyoto. Hier findet man noch Geisha (Geiko) und Teehaeuser. Der Yasaka-Schrein ist auch interessant, zumal dort, soweit ich weiss, immer Staende mit japanischem Imbiss-Zeugs stehen.

– Heian-jinguu (平安神宮)

Ich war dieses Jahr zum ersten Mal dort. Einfach wunderschoen. Vor allem natuerlich zur Kirschbluete.

In der Naehe / am Rand der Stadt:

 – Arashiyama-Gebiet (Tenryuu-ji (天竜寺), Togetsu-kyou (渡月橋))

Ein bisschen ausserhalb, aber immer noch bequem per Bahn zu erreichen (20 Minuten etwa). Hier kann man Boot fahren und Bergsteigen. (Naja ein bissel ..)

– Hozukawa (保津川)

Den Fluss Hozukawa kann man mit Booten befahren und eine wildromantische Landschaft geniessen. Dazu muss man mit dem Zug ein paar Stationen aus der Stadt herausfahren – auf dem Rueckweg geht’s dann nach Arashiyama.

– Nara (奈良) -> (Toudai-ji (東大寺), Gojuu no Tou (五重塔) / Koufuku-ji (興福寺), Kasuga-taisha (春日大社)…)

Die alte Kaiserstadt Nara ist immer einen Ausflug wert (und eigentlich auch einen eigenen Eintrag).  Sie war 710 – 794 japanische Hauptstadt und zwang mit ihren maechtigen Kloestern den Kaiser dazu nach Kyoto umzuziehen. Heute gibt es noch immer massenweise Ueberbleibsel aus der Fruehzeit des japanischen Buddhismus. Im Toudai-ji stehen Waechterfiguren aus dem altindischen Glaubenskosmos. Im Koufuku-ji (bis 2015 Restauration) steht eine beruehmte “Ashura”-Figur (indischer Halb-Gott (?)). Der “Gojuu no Tou” ist die Kopie einer indischen Stupa.

Toudai-ji

Eines der beruehmten Rehe. Die Viecher haben mich in den Hintern und den Bauch gebissen … weil ich Futter in der Hand hatte ^^

Der Tempel selbst. Der groesste Tempel Japans, soweit ich weiss. Wirklich beeindruckend.

Koufuku-ji, Gojuu no Tou

Kasuga-taisha

Viele Laternen gab’s da.

Dann noch ein paar weitere Tipps, die nicht in jedem Reisefuehrer stehen, aber dennoch (zumindest in Japan) sehr beruehmt sind:

– Kita no Tenmangu (北の天満宮)

Mein absoluter Lieblingsschrein in Kyoto. Hier gibt es ueberall Kuhstatuen, deren Kopf man reiben muss, um klug zu werden oder Schmerzen zu lindern. Hier wird der beruehmte Sugawara no Michizane als Schutzgottheit der Bildung / des Wissens verehrt.

Dem Vorgaenger dieser Kuh haben irgendwelche Rabauken den Kopf abgeschlagen, wie mir eine Anwohnerin erbost berichtete. Aber eine Neue wurde schnell gespendet. :)

– Sennyuu-ji (泉涌寺)

Hier war ich sehr frueh am Morgen meines ersten Tages in Kyoto (dieses Jahr), da zu der Zeit noch kein Geschaeft geoeffnet hatte (nicht einmal McDoof!). Auch wieder ein schoener Tempel. Toll auch die Kirschbluete (wie ueberall sonst auch ^^). Da ich so frueh dort war, lief dort noch kein einziger Tourist herum. Sehr schoen.

– Myoushin-ji (妙心寺)

Sehr beruehmt fuer die Deckenbemalung in der Haupthalle (Fotos waren nicht erlaubt). Hat ausserdem einen wunderschoenen Garten in einem der “-in” genannten “Unter-”tempel (Name ist mir entfallen).

– Daitoku-ji (大徳寺) -> (Koutou-in, 高桐院)

Viele schoene Tempel und Gaerten hier. Relativ wenig Touristen. Im Herbst soll der Koutou-in besonders schoen sein (ist vermerkt ^^).

Garten des Koutou-in

– Shimogamo-jinja (下鴨神社)

Tempel am Kamo-Fluss hier kann man auch eines der “7-seltsamen-Dinge” Kyotos besichtigen (es ist ein Stein ^^).

Der heilige Stein! (Wieso denke ich jetzt nur an Monty Python ^^)

Wort des Tages: 神社めぐり / 神社巡り - jinja-meguri – Schrein Rundgang / Rundfahrt

Written by hanayagi

April 25, 2012 at 1:04 am

Repost: Die gesellschaftlichen Probleme Japans / 日本の社会問題

with 6 comments

(Diesen Artikel wuerde ich heute tatsaechlich ganz anders schreiben und vielleicht schreibe ich demnaechst mal einen neuen Artikel zu dem Thema.)

 

Im Forum von http://www.japanisch-netzwerk.de gab es in den letzten Tagen eine heisse Diskussion darueber, ob man als (in Japan lebender) Auslaender das Recht hat, Japaner zu kritisieren. Mein Meinung dazu lautet: Ja, selbstverstaendlich. Aber: Man muss immer darauf achten, nicht eurozentrisch / chauvinistisch zu denken, nach dem Motto: “Aber zu Hause macht man das anders!” Ausfuehrlicher steht meine Meinung auch im verlinkten Thread. Aufgrund dieses Threads hat ein anderer User nun die Frage gestellt: “Was sind denn nun diese “Missstaende”?”

Hier meine Antwort auf die Frage:

Missstaende, ueber die man sich in Japan echauffieren kann (aber nicht muss!):

– Diskriminierung der Frau
– Diskriminierung von Burakumin, Ainu, aus Korea eingewanderten Japanern (auch nach mehreren Generationen)
– Diskriminierung von Auslaendern (das ganze Spektrum von reiner Naivitaet bis blankem Hass)
– Damit zusammenhaengend die beruehmten “Nihonjinron” der eher nationalgesinnten Japaner
– Ausbeutung der Menschen (speziell der nicht-Seishain (=nicht-Festangestellten) aber auch der Seishain)
– Damit zusammenhaengend: Die Hikkikomori / Otaku Problematik (= Japaner, die vor der Realitaet in Japan fliehen)
– Arbeitsmoral, die die Arbeitsszeit und das gute Auskommen mit den Kollegen ueber die Arbeitseffektivitaet stellt (nicht ueberall natuerlich)
– Starkes Hierarchiegefaelle in Gesellschaft und Arbeitswelt
– Politische Beziehungen zu China, Korea
– Die Yasukuni / Uyoku-Problematik
– Und damit verbunden Yakuza
– Die allgegenwaertige Korruption in der Politik (speziell im oeffentlichen Bau)
– Politiker / Aerzte / Juristen – Dynastienbildung
– damit zusammenhaengend zunehmende (finanzielle und geistige) Stratifizierung der Gesellschaft
– damit zusammenhaengend Abwertung der Universitaeten als reine Statusbeschaffungsmittel
– damit zusammenhaengend der Irrglaube der breiten Masse “alle Japaner sind Mittelklasse”
– die Agrarpolitik Japans, speziell Reis- und Milchpreise
– die Verbloedung der Massen durch sogenannte “Variety/Owarai-Shows” und ca 95% des gesamten japanischen Fernsehprogramms (wie in Deutschland halt … und man kann nicht einmal zu ARTE fliehen – da hilft nur ausschalten)
– miese / “japanisierte” Englischausbildung (英語 != 英会話)
– “zweites” Bildungssystem der Jukus
– Indoktrinierung der Kinder: “wir Japaner”, “die Gruppe geht ueber den Einzelnen”, “gehorche” (ueber diesen Punkt kann man sich natuerlich streiten, zumal es das unter anderen Vorzeichen natuerlich auch in D. gibt)

P.S. Nur kurze Stichpunkte, man kann da ueber viele Details diskutieren, die ich hier “for the sake of argument” ausgelassen habe

P.P.S. Ich koennte natuerlich auch eine ebenso lange + Liste schreiben ;)

 

Und da mich die Meinung von Japanern dazu auch interessiert, das Ganze noch einmal in Japanisch:

日本人の皆さん。普段はこのブログで日本語は使いませんが、今日のテーマでは日本人の意見も是非聞きたいと思います。よろしく。

www.japanisch-netzwerk.deという日本語・日本についてのフォーラムで は「日本に住んでいる外国人は日本人を批判する権利があるか。」というスレッド(テーマ)がありました。

その中で「日本の社会問題」という話題に対し、あるユーザーが「日本の社会問題とは具体的にはどのようなものがあるか?」と聞きました。私の回答をこのブログにコピーして、さらに翻訳をしました。是非、意見をください。

 

日本の社会問題

ー男女差別

ー部落民、アイヌ、日本に住んでいる在日(二、三世)韓国人に対する差別

ー外国人差別(外国に対する無関心、知識・経験の無さから外人嫌悪まで)

ー「日本人論(=日本がいかにユニークであるかという議論)」(だいたい右翼、愛国主義者、外国人差別に関係する)

ー労働者に対する搾取、特に定期社員(派遣社員、バイト、契約社員)、正社員にも搾取は大きな問題だ

ーそれに関係する引きこもり、オタクの問題(日本というキツイ社会から逃げる人々)

ー労働時間と社内の人間関係を仕事の効率より優先する仕事の考え方 (そうではない会社もあるだろうが・・・)

ー社会と会社における厳しい上下関係

ー中国、韓国との外交関係

ー靖国問題、日本における右翼の影響力

ーそれに関係するヤクザの存在

ー頻繁に起こる賄賂(特に公共工事、談合)

ー政治家の世襲

ー親の収入・社会的地位による教育格差(=収入格差)の広がり

ー大学の役割は「ただのステータス作り」か?

ー日本人の「みんな中産階級」という妄想

ー日本政府の農産政策 (特に米と牛乳の高価格操作)

ー「バラエティー・お笑い」番組は視聴者を馬鹿にしているのか。95%のテレビ番組はまったく意味がない。事実よりねた。

ー外国語教育において様々な問題、特に「受験英語」と「英会話」のギャップ

ー「塾」という「第二教育制度」

ー児童に「大人、先輩の言うことは聞け!」、「我々ニッポン人」、「自分より周りの人間」などのイデオロギーをきつく押し付けること (ドイツにも似たような事はあるが)

ー意見を言われると人格否定だと勘違いする日本人が多い

ー議論下手な日本人が多い (知識不足か?遠慮か?臆病か?)

 

注意 僕は日本と日本人は決して嫌いではありません。「日本でのいいこと」のリストも作れます。上記の事はすべて議論点として受け入れてください。

もちろん、そのような問題のほとんどは、他の国々にもあります。たとえば「外人差別」は日本では大きいな問題だと思いますが、ドイツでは肌の色などのきっかけでネオナチに殺され人々もいました。

ですが、この場でのテーマはあくまで「日本の社会問題」です。

 

Wort des Tages: 問題点 - mondaiten – Problem(punkt(e))

Written by hanayagi

April 24, 2012 at 1:02 am