japanbeobachtungen

Just another WordPress.com site

Sex in Japan, Teil 4: Häufigkeit und Zufriedenheit

with 8 comments

Es ist aus Boulevard-, und Mainstreampresse weitgehend bekannt, dass in Japan im Bett im Allgemeinen nicht so viel passiert. Über die Häufigkeit kann ich nicht so viel sagen, weil ich meine japansichen Freunde/innen dazu nicht befragt habe, aber zum Thema Zufriedenheit habe ich mit Einigen gesprochen und das Ergebnis ist ziemlich traurig. Anekdoten dazu gibt es allerdings ein anderes Mal.😉 Heute gibt es wieder ein paar Zahlen und Daten aus zwei verschiedenen Quellen.

 

Die erste Quelle sollte wieder mit Vorsicht genossen werden, da Durex Auftragsarbeit. Dieses Mal ist es allerdings die Umfrage von 2006.

 

Die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr unterscheidet sich beträchtlich von Land zu Land

(%) Umfrageteilnehmer, die (mindestens) ein Mal die Woche Sex haben

Wir sehen, Japan mit 34% fällt deutlich unten heraus.

 

Ich habe leider keine ähnlich anschauliche Tabelle mit den Werten für sexuelle Zufriedenheit aus der Studie gefunden, aber ihr könnt euch einfach selbst den Link ansehen. Kurz gesagt fallen Japaner auch bei der Zufriedenheit mit ihrem Sexleben auf mit 15% (niedrigster Wert von allen Ländern im Vergleich) vs. etwa 46%  (im internationalen Durchschnitt).

 

Und nun zur zweiten Quelle für den heutigen Artikel: Eine internationale Studie der Universität Chicago (in Zusammenarbeit mit anderen Universitäten) aus dem Jahr 2006 zum „subjektiven sexuellen Wohlbefinden unter 40-80 jährigen Frauen und Männern“. (A Cross-National Study of Subjective Sexual Well-Being among Older Women and Men: Findings from the Global Study of Sexual Attitudes and Behaviors (40-80))

In der Studie wurden die Teilnehmer zu den zwei verschiedenen Kategorien „körperlichers Vergnügen“ und „seelisches Vergnügen“ befragt und generell ist letztere ein paar Prozentpunkte höher. Es gab Ergebnisse aus 29 Ländern, die dann in drei Gruppen aufgeteilt wurden (hohe, mittlere und niedrige sexuelle Befriedigung) und diese drei Gruppen korrespondieren mit „west-europäisch“ (hoch), „islamische Länder sowie europäische und asiatische Länder“ (mittel) und „ostasiatische Länder“. Weiterhin hat die Studie zwischen der sexuellen Zufriedenheit von Männern und Frauen unterschieden, und in allen Ländern bis auf Indonesien, Malaysia und Algerien sind Frauen weniger zufrieden als Männer. In einigen Ländern, wie Schweden oder Belgien ist der Unterschied allerdings sehr gering.

 

Aber genug der langen Vorrede, hier die Zusammenfassung der Zahlen, die für diesen Blog relevant sind:

(Siehe: Table I. Positive responses to four aspects of subjective sexual well-being by country and by gender, arranged by cluster membership: Percentage distributions.)

Körperliches Vergnügen Seelisches Vergnügen
Land Männer Frauen Männer Frauen
Deutschland 62.5 56.8 69.0 59.9
USA 72.9 65.0 77.1 68.0
Österreich 79.7 63.0 83.4 70.6
Durchschnitt (west) 67.3 69.9 71.2 62.8
Durchschnitt(Islam) 45.1 36.3 52.1 40.9
Durchschnitt(Ostasien) 24.9 19.8 29.9 23.3
Japan 17.6 9.8 23.6 15.5
China 25.2 24.4 36.0 32.8

(% besonders/sehr befriedigend vs. normal/kaum/überhaupt nicht befriedigend)

 

Wir sehen drei Durchschnittswerte: Westeuropa (62-71%), Islam (+ einige andere) (35-52%) und Ostasien (19-30%).

 

Und dann ist da noch Japan, dessen Werte mit 17.6%/23.6% für Männer und 9.8%/15.5% für Frauen die niedrigste sexuelle Zufriedenheit aller Länder im Vergleich zeigen.

 

Noch einmal zum Mitschreiben: Nicht einmal eine von zehn Japanerinnen in der Studie gibt an, sie findet Sex körperlich befriedigend und  gerade einmal (etwa) eine von sieben findet ihr Sexleben seelisch befriedigend.  Japanerinnen sind in diesem Bezug sogar noch unzufriedener als Koreanerinnen (stockkonservatives, katholisches Land) und China (im Kommunismus war Sex nicht vorgesehen), was ich ein wenig erstaunlich fand.

 

To be continued …

 

Wort des Tages: 満足度 – manzokudo – Befriedigungsgrad

Written by hanayagi

April 9, 2012 um 1:01 am

8 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Ich hab’s ja schon oefters gesagt/geschrieben: Bei diesen Umfragen geht es um den Sex mit dem eigenen Ehemann/Freund. Und da laeuft bei den meisten Japanern nun mal nicht mehr ganz so viel. Man haette stattdessen mal nach dem Sex mit: Kollegen/Affaeren/Fuckbuddies/Nutten, usw. fragen muessen, bzw. sollen, dann waere ein KOMPLETT anderes Bild entstanden. Glaubt ihr nicht? Haha! Was glaubt ihr wohl, warum es hier in JEDEM Stadtteil zig‘ Lovehotels gibt? Jaja, da gehen nur verheiratete Paare rein, bla bla…. Aber sie sind zu 99% nicht miteinander verheiratet! Nach meinen eigenen Beobachtungen geht bei den meisten japanischen Ehepaaren, die laenger als 5 Jahre verheiratet sind, mindestens einer fremd, meistens beide. Den Studien der Kondomhersteller traue ich in Bezug auf Japan eh‘ nicht. Wird hier doch ganz klar noch der „Koitus Interruptus“ vor allen anderen Verhuetungsmethoden bevorzugt. Wird mal Zeit fuer eine praezise Studie a’la Coolio…..

    coolio

    April 9, 2012 at 4:41 am

    • Ich möchte deine Aussagen nicht in Frage stellen, aber die Frage, die sich mir daraus stellt, ist: Warum das Ganze? Warum heiraten, wenn man sich dann mit anderen vergnügt? Definieren Japaner das Konstrukt der Familie anders? Ich kann mir ja noch vorstellen, dass manche heiraten, damit die Eltern Ruhe geben, aber selbst dann kann man sich doch jemanden raussuchen mit dem man es in Ordnung findet Sex zu haben, oder?

      HamuSumo

      April 9, 2012 at 10:47 am

      • @hamu: schonmal daran gedacht, daß japan keinen christlichen hintergrund hat – du ganz sicher! @coolio: köstlich wie immer! es wird zeit für eine studie a’la coolio – möglichst bald!

        stift

        April 9, 2012 at 11:24 am

      • @Coolio Ich bin mir fast sicher, dass bei den zitierten Studien nicht explizit nach dem Ehepartner gefragt wurde. Aber generell stimme ich dir schon zu, hier wird sehr viel fremdgegangen.

        @Hamu Heirat in Japan ist beinahe ausschliesslich ein sozialer Vertrag, der zum Aufziehen der Nachkommen und zum Heben des sozialen Status da ist. Das Konzept der „Liebe“ spielt eine untergeordnete Rolle. Im naechsten oder uebernaechsten Artikel habe ich auch eine Erwaehnung, was japanische Frauen von Maennern wollen: Einen festen Job (finanzielle Sicherheit)
        Und was das mit dem Sex in festen Beziehungen angeht … mein letzter Artikel wird sich mit Anekdoten aus meinem Bekanntenkreis befassen. Du kannst mir glauben, da schlackern mir manchmal die Ohren …

        hanayagi

        April 9, 2012 at 12:41 pm

  2. und: koreaner sind hauptsächlich protestanten. katholiken und orthodoxe christen haben weniger probleme.

    stift

    April 9, 2012 at 11:29 am

    • @stift
      Verstehe ich nicht. Warum glaubst du, das es fuer buddhistische und shintoistische Japaner ein Problem ist, so viel und so oft wie moeglich fremd zu gehen? Auch wenn immer das Gegenteil behauptet wird: Japan ist ein Land (fast) ohne sexuelle Tabus. Hier geht alles und Jeder kann es geniessen. Wer sagt denn, das es richtig und gut ist, bis zum Ende seines Lebens in einer monogamen Beziehung zu verwelken? Das ist die Freiheit, von der die Amerikaner immer nur traeumen…..

      @hanayagi
      Aber Chef, es wurde mit Sicherheit nach Sex mit dem Partner gefragt. Und das man da, besonders wenn der Partner, die beste Freundin, oder die liebe Schwiegermama neben einem steht, nicht mit seinen Affaeren und Fuckbuddies prahlt, sollte wohl (ganz besonders hier in J) absolut klar sein.

      @HamuSumo
      Tja, genau da liegt der Hund begraben: Die meisten Japaner definieren Liebe eben komplett anders. Dein J-Gal liebt dich ganz sicher. Irgendwie. Aber genauso liebt sie ihren daemlichen Koeter, ihre CD-Sammlung und eben ihre Fuckbuddies. Willkommen in Japan!

      coolio

      April 10, 2012 at 1:29 am

      • Yo, ich hab mal nachgeschaut und zumindest ind er zweiten Studie wurde tatsaechlich nach Sex mit dem Partner gefragt. Die Durex-Studie ist leider nicht oeffentlich zugaenglich.

        Trotzdem bin ich immer noch der Meinung, dass deine Sicht auf Sex in Japan ein wenig extrem ist. In meiner Umgebung jedenfalls haben – und da bin ich mir ziemlich sicher – nur die wenigsten Affaeren und viele haben nicht einmal einen Partner. In einem der naechsten Artikel gibt es auch noch eine Zahl zu Jungfrauen in den Zwanzigern und Singles in den 20er/30ern.

        hanayagi

        April 10, 2012 at 1:46 pm

  3. Gut, ich sehe schon, das Thema bleibt weiter spannend.

    HamuSumo

    April 10, 2012 at 8:25 am


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: