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Klartext

with 2 comments

Vor ein paar Tagen hat „dein_blogbeobachter“ einen interessanten Kommentar verfasst. Ich habe ein paar Tage ueberlegt (nein, nicht jede Minute :)), ob ich den Kommentar ignoriere, oder eine Antwort schreibe.

Da in dem Kommentar aber ein paar ganz wesentliche Aspekte des Lebens in Japan angesprochen werden, habe ich mich entschieden, der Antwort einen eigenen Post zu widmen. (Das ist auch ganz praktisch, dann da kann ich aus dem Naehkaestchen plaudern, was wenig arbeitsintensiv ist :))

Hier also der Kommentar in Auszuegen:

Ich gehe auf die 33 zu und habe ein spätes Studium zum Ingenieurwesen angefangen und hoffe es im Sommer 2015 erfolgreich zu beenden.

Ingenieur ist gut und fast die einzige Moeglichkeit in Japan einen anstaendigen Job mit anstaendiger Bezahlung zu bekommen.

Japan kursierte mir schon seit sehr geraumer Zeit als potenzielles Ziel für einen Job aber nachdem ich viele deiner Mitteilungen hier gelesen habe traten Zweifel auf, ob das ganze doch nicht zu gewagt ist.

Habe ich so viel Negatives ueber Japan geschrieben? Ich hatte eigentlich nicht vor, so wie der gute Samurai Biker oder gar Debito-dono ‚rueberzukommen …

Wie würdest du meine Situation einschätzen für Japan und würde es sich lohnen, da ich eine Reise mal planen möchte um mir das Land näher zu betrachten!?

Naja, da ich nur weiss, dass du bald einen Ingenieursabschluss haben willst, kann ich deine Situation wohl kaum beurteilen🙂 Was ich aber sagen kann, ist, dass eine Reise nach Japan sich immer lohnt. Und so billig wie jetzt war es lange nicht. Aber auf einer Reise lernst du nicht unbedingt die Dinge ueber das Land, die du wissen musst, um hier zu leben. Anders gesagt: Als Tourist sieht man normalerweise nur die schoenen Seiten Japans. Und selbst wenn man sich Muehe gibt, auch die nicht so schoenen Seiten zu sehen (Und warum sollte man auch, wenn man schon im Urlaub ist?) muss man doch zwangslaeufig an der Oberflaeche bleiben. Die negativen Seiten Japans (Politik, Gesellschaft, Alltag, Medien … you name it.) erlebt man eher nicht als Tourist …

Letzten Endes musst jeder selbst des Leben hier erleben, um zu wissen, ob es ihm hier gefaellt. Aber wenn du eine gute Stelle findest, was als Ingenieur durchaus moeglich ist, dann: Warum nicht?🙂  Wenn du als Expat ueber eine deutsche Firma kommst, hast du ein richtig angenehmes Leben hier … nur dass du dann Gefahr laeufst, in der Expat Bubble gefangen zu bleiben. Zur Expat Bubble kannst du in den einschlaegigen Blogs/Foren sicher Berichte finden.

Welches Land sagt dir mehr zu mit deinen heutigen Erfahrungswert, D oder J?

Klartext, eh? Ich denke – und hoffe – dass jeder, der ein paar Jahre in einem Land lebt, sich normalisiert, d.h. dass die Dinge einfach normal werden und es keinen Vergleich zwischen „hier“ und „da“ mehr gibt. Oder klarer ausgedrueckt: Mein Leben findet in Japan statt. Familie, Arbeit, Freunde … alles hier. Da stellt sich im allgemeinen die Frage: „Waere es in Deutschland besser?“ eigentlich nicht.

That being said …. Es gibt gute Gruende fuer mich Japan zu verlassen. Dazu zaehlen die – meiner Ansicht nach – offensichtlich negativen Seiten Japans, wie das disfunktionale politische System und der Rechtsruck seit 2012 , die ewige Benachteiligung der Frauen, die fehlende Diskurskultur und Obrigkeitshoerigkeit/Hierarchieglaeubigkeit, die hohen Lebenshaltungskosten, das Bildungssystem, der im Vergleich zu Deutschland laecherliche Jahresurlaub ….

Aber letzten Endes sind die oben genannten Dinge nicht unbedingt entscheidend fuer tatsaechliche Lebensentscheidungen. Fuer mich persoenlich ist wichtig, dass mein Sohn eine Chance bekommt, zweisprachig aufzuwachsen, was in D. einfacher ist. Dann, dass er eine gute Bildung bekommt, was in D. billiger ist.  Und dann noch, dass wir als Familie ein gutes Auskommen haben (Gleichstand D. – J.).  Alle diese Faktoren (und mehr) sind wichtig. Meine Firma ueberlegt uebrigens, mich in ca. 2 Jahren nach Deutschland zu versetzen, was fuer mich persoenlich eine sehr gute Option ist. Dann 10 Jahre in Japan sind auch erstmal genug😉

Das war eine sehr ausfuehrliche Antwort, auch wenn sie Dir vielleicht nicht soviel nuetzt🙂

Written by hanayagi

Dezember 19, 2014 um 1:51 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. Hm, wenn ich mir deinen „Klartext“ so durchlese, unterscheidet sich dieser kaum von meiner „nur negativen“ Einstellung. Und das, obwohl ich nicht am laufenden Band meine Jobs wechsele……
    Nach 8 Jahren als Ingenieur in einer zwar deutschen, aber größtenteils „japanisch“ agierenden Firma, bin ich an der Grenze dessen angelangt, was ich mir hier noch freiwillig antun will. Grund für mich, so lange durchzuhalten war und ist einzig und allein mein kleiner Sohn. Trotzdem denke ich verstärkt darüber nach, ob es nicht besser wäre, endlich in ein Land zu wechseln, in dem ich so etwas wie eine „richtige“ Karriere machen kann. Ich kann jedem jungen Ingenieur nur dringend raten, seine Karriere hier in Japan zu starten. Wenn dann nur als Expat mit Zeitvertrag. Alles andere ist Verschwendung von Lebenszeit in einem Land, in dem man immer nur ein Fremder bleiben wird.

    Btw, freut mich das du wieder was schreibst.

    coolio

    Dezember 22, 2014 at 3:41 am

    • Hallo zusammen,

      erstmal vielen lieben dank für deine Antwort und ich muss sagen, ich bin „BAFF!!!“.
      Ich hatte eigentlich an eine kurze und prägnante Antwort bis eventuell gar keine Gedacht aber ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit genommen und solch einen ausführlichen Text zusammen gefasst hast. Dies ist nicht selbstverständlich und noch dazu Punkt für Punkt zu beantworten. Nochmals herzlichen dank für deine Mühe🙂

      Deine Antwort bestätigt wiederum einige meiner Zweifel, die mir stets im Kopf umherschwirrten. Einige Punkte hast du ja aufgezählt. Was aber weitaus wichtiger für mich war und ist, ob ich Fuß fassen kann in Japan? Obwohl dies wiederum eine eher persönliche Frage-Antwort Sache ist. Naja, das ganze Unterfangen dann noch gegen 35 anzufangen, hat man da überhaupt noch eine Chance irgendwo was zu finden oder eingestellt zu werden, da man stets in Konkurrenz mit den jüngeren Ingenieuren in beiden Ländern ist!? Ich weiß es nicht, dennoch habe ich den Willen es wagen zu wollen.
      Als Expat nach Japan entsendet zu werden stelle ich mir dabei nicht leicht vor. Werde ja nicht der einzige sein, der solch ein glorreiches Unterfangen als Ziel sich selber gesetzt hat.
      Von weiter ferne schallt das Leben (laut einiger Foren-Member) in Japan sehr angenehm zu sein. Ob das Land selber, die Natur, die Menschen oder die verschiedenen Möglichkeiten von Urlaub bis hin zu kleinen Orten und leckerem Essen, doch sehen anscheinend die Tatsachen (Realität!) ganz anders aus. Ist in anderen Ländern nicht unwesentlich anders wie du es auch angedeutet hattest.

      Was ich persönlich für mich erhoffe ist „ein Neustart, eine Formatierung meines Lebensabschnittes“ an einem neuen Punkt mit dem Ziel neu durchatmen zu können. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

      Ich würde gerne Fragen wollen, ob ich als 33 Jähriger Absolvent eine Chance hätte als Expat, was ist eure Meinung? Würde es sich objektiv lohnen einen Start in Japan zu versuchen?
      Habt ihr eventuell Tipps für Anlaufstellen oder gar Unternehmen im Bereich Logistik/Automobile/PM wo man Gehör findet, wenn man an die Tür anklopft?
      Ich will niemanden unnötig zu einer Antwort zwingen aber es wäre natürlich schön eine, wenn auch „kurz aber auf den Punkt gebracht!“ Antwort zu erhalten.

      Alle, die dies hier Lesen wünsche ich ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Mögen im neuen Jahr die guten Zeiten überwiegen. Glück auf🙂

      Trotz allem danke ich nochmals sehr für die Mühe und bleibe weiterhin treu,
      dein_blogbeobachter

      dein_blogbeobachter

      Dezember 24, 2014 at 12:27 am


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