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Ueber Immigration

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Ja, selbst hier in Japan hoert man von den Fluechtlingen in Deutschland. Und, man hoere und staune, es gibt sogar ein paar Japaner, die Fragen, warum man hier keine Fluchtlinge aufnimmt. Ich habe im Fernsehen sogar so etwas wie eine Diskussion dazu gesehen! Es geschehen noch Zeichen und Wunder … (Natuerlich gab es keine Zahlen zu den tatsaechlich aufgenommenen Fluechtlingen in Japan. So eine zweistellige Zahl waere aber auch peinlich gewesen …)

Aber genug davon, ich wollte ja eigentlich ueber etwas Anderes schreiben.

Wenn man Deutschland und Japan vergleicht, dann haben beide nach dem Krieg eine aehnliche Entwicklung hinter sich gelegt. Extrem hohes Wirtschaftswachstum in den 60er / 70er Jahren, das dann in den 80er Jahren schwaechelte und Anfang der Neunziger in Japan zum „Platzen der Blase“ fuehrte. In Deutschland hatte man derweil mit der Wiedervereinigung und Massenarbeitslosigkeit zu kaempfen.

Interessant ist aber, was in den letzten etwa 20 Jahren passierte: Deutschland legte gegenueber Japan Jahr fuer Jahr zu und zwar sowohl beim Pro-Kopf-Einkommen als auch beim gesamt-BIP. Anders gesagt, Deutschland hat in den letzten 20 Jahren eine wesentlich bessere wirtschaftliche Entwicklung gezeigt als Japan.

Und was sind die Gruende dafuer? Meiner Meinung nach, und hier schliesst sich der Kreis, ist Immigration ein extrem wichtiger Faktor. Immigration bedeutet vor allem Immigration von jungen Menschen, Und Immigranten wollen sich normalerweise ein neues Leben aufbauen – so wie uebrigens in den 60er/70ern die Deutschen und Japaner auch; und vor allem sind Migranten eines: Neue Konsumenten und Produzenten.*

Im Falle Japans kommt ausserdem noch die fortschreitende Vergreisung der Bevoelkerung hinzu. Die ist der Hauptgrund, warum Japan immer mehr Schulden macht, kaum mehr Innovationen hervorbringt und fuer die seit ueber 20 Jahren anhaltende wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Malaise. Und auch in Deutschland hat das Durchschnittsalter deutlich zugelegt – aber eben nicht so stark wie in Japan.

Und ich bin fest davon ueberzeugt, dass in 10 – 20 Jahren der positive Einfluss der heutigen Migranten Deutschlands Vergreisung und Verknoecherung entgegen wirken wird und Deutschland auch in Zukunft wirtschaftlich stark bleibt.

Fuer die naechsten paar Jahre aber wird man die braune Naziflut und ihre unsaeglichen „Argumente“ ertragen muessen. Schade, dass die Nazibande eine ernsthafte Diskussion ueber die tatsaechlichen Probleme einer Massenimmigration erschwert / verhindert. Eine solche Diskussion wuerde viele tatsaechliche Probleme verringern oder loesen helfen …

*Zum Zwecke der fluessigen Argumentation, sei die Diskussion ueber Sinn und Unsinn der ewigen Wachstumsdoktrin hier ausgespart.

Written by hanayagi

Oktober 16, 2015 um 8:19 am

Veröffentlicht in Uncategorized

6 Antworten

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  1. … das ist der positive Teil von Immigration.

    Fakt ist aber auch, daß ich mich in der Stadt in der ich lebe, in manche Viertel nicht reintraue; teilweise noch nicht mal tagsüber. Das sind No-Go Zonen und fest in der Hand von gewissen Volksgruppen.
    Fakt ist auch, daß in vielen Bereichen/Vierteln eine massive kulturelle Abgrenzung stattfindet, und 1:1 so weitergelebt wird wie im Heimatland.

    Das trifft wie gesagt nur auf einen recht speziellen Teil von Immigranten bzw. Volksgruppen zu. Interessantereweise hört man oft auch gerade massiv von _anderen_ Immigranten, dass sie solches Verhalten stark befremdet und für äußerst schlecht gehalten wird.

    Das Problem ist meines Erachtens schlicht Masse und eine scheinheilige Debatte um Integration. Eigentlich will niemand Integration, sondern _Assimilation_, und zwar spätestens bei Kindern von Immigranten. D.h. Auftreten und Leben nach deutschen Wertevorstellungen. Zweitens sorgt die Masse an Immigration dafür, dass Problemfälle nicht so einfach aufgefangen werden können. So gibt es dann Ghettobildung und co. Drittens müsste stärker selektiert werden.

    Im Moment findet eine massive, völlig unkontrollierte Masseneinanderung statt. Es ist völlig illusorisch zu glauben, daß von den Flüchtlingen auch nur die Hälfte (trotz/ob abgelehnter Asylbescheide) jemals wieder in ihre Heimatländer zurückgehen werden…

    umij

    Oktober 27, 2015 at 12:36 pm

    • Schade, dass es nicht mehr Menschen in Deutschland gibt, die aehnlich reflektiert ueber die Sache nachdenken. Zumindest im Internet (Zeitungsforen etc.) kommen immer gleich Nazis oder ihre Sympathisanten und eine ernsthafte Diskussion wird unmoeglich.
      (Und nein, ich stimme Dir nicht in jedem Punkt zu, aber Dein Kommentar waere zumindest eine Diskussionsgrundlage.)

      hanayagi

      Oktober 28, 2015 at 10:27 am

    • Stimme Deiner These von der scheinheiligen Debatte um Integration voll und ganz zu: selbst wenn sich die Flüchtlinge vollständig integrieren, perfekt Deutsch sprechen etc., für Hänschen Müller werden die immer „die Ausländer“, „die Schmarotzer“, etc. bleiben und nicht akzeptiert werden… Der Begriff „scheinheilig“ trifft hier den Nagel voll auf den Kopf.

      Klar ist schwierig zu sagen, wieviele bleiben werden. Irgendwann wird der Syrien-Krieg auch zu Ende sein, und dann werden die Leute ja gebraucht, das Land wieder aufzubauen.
      Und es werden doch junge Arbeitskräfte in Deutschland gebraucht. Und sei es selbst um meiner dementen Oma den Hintern abzuwischen.

      Allerdings sehe ich nicht, was die immer gerne genannten „no-go-areas“ mit der aktuellen Aufnahme von Flüchtlingen in Massenunterkünften, ehemaligen Baumärkten, Landhotels, etc. zu tun haben…

      Fand auch Deinen Begriff „Masse“ nicht glücklich gewählt. Diese „Masse“, bzw. „Welle“ ist ja gerade das abstrakt-negative Bild, was die meisten Leute von Flüchtlingen haben.
      Solltest Du auch so ein Bild haben, schlage ich vor, Du meldest Dich bei Caritas, Diakonie, DRK etc. als Freiwilliger, z.B. als Sprachpartner für einen Flüchtling. Hast ja schon Erfahrung mit Deiner Frau, wo hier die Schwierigkeiten liegen. Einen Abend in der Woche kann man doch mal spendieren. Um ein besseres Bild zu bekommen, wer da zu uns gekommen ist.

      Svenja

      November 3, 2015 at 7:18 pm

      • > Stimme Deiner These von der scheinheiligen Debatte um Integration voll und ganz zu:
        > selbst wenn sich die Flüchtlinge vollständig integrieren, perfekt Deutsch sprechen etc.,
        > für Hänschen Müller werden die immer “die Ausländer”, “die Schmarotzer”, etc. bleiben
        > und nicht akzeptiert werden… Der Begriff “scheinheilig” trifft hier den Nagel voll auf den Kopf.

        Das sehe ich absolut _nicht_ so. Im Gegenteil: Wenn jemand fließend (akzentfrei!) Deutsch spricht, dann wird er vom Großteil der Bevölkerung auch als Deutscher akzeptiert, egal ob er jetzt blonde Haare und blaue Augen, oder asiatische Augen und schwarze Haare hat.
        Das ganze sieht aber anders aus, wenn jemand in Deutschland geboren ist, 3. Generation o.ä. und Deutsch mit heftigem Akzent spricht. Wenn deutsche Wertevorstellungen – so Dinge wie Gleichberechtigung Mann/Frau, deutsche Gerichte und keine selbsternannten „Friedensrichter“ – gelebt werden. Das meine ich mit Assimilation.

        Wie gesagt, dass betrifft nur einen Teil der Immigranten. Ich hab z.B. noch nie mitbekommen, dass sich jemand hier über chinesische oder vietnamesische Jugendliche beschwert hat…

        > Allerdings sehe ich nicht, was die immer gerne genannten “no-go-areas” mit der aktuellen Aufnahme von
        > Flüchtlingen in Massenunterkünften, ehemaligen Baumärkten, Landhotels, etc. zu tun haben…

        ein nicht unerheblicher Teil der Personen, die jetzt die no-go areas bestimmen, sind in den 80ern als Asylbewerber oder auf anderen Wegen (Familiennachzug o.ä.) nach DE gekommen. Schon damals sorgte die Masse für eine fehlende Integration in die Gesellschaft, und die Ergebnisse manifestieren sich jetzt.

        >Solltest Du auch so ein Bild haben, schlage ich vor, Du meldest Dich bei Caritas, Diakonie, DRK etc. als
        >Freiwilliger, z.B. als Sprachpartner für einen Flüchtling. Hast ja schon Erfahrung mit Deiner Frau, wo hier
        > die Schwierigkeiten liegen.

        Ich habe aber überhaupt kein Interesse, Syrisch, Albanisch oder Paschtun zu lernen…

        > Klar ist schwierig zu sagen, wieviele bleiben werden. Irgendwann wird der Syrien-Krieg auch zu Ende
        > sein, und dann werden die Leute ja gebraucht, das Land wieder aufzubauen.

        Wir reden hier über ca. 1 Millionen Flüchtline 2015 (DE: 80 Millionen!). Ich bezweifle stark, daß die alle plötzlich wieder zurück in ein zerbombtes Land wollen.

        >Und es werden doch junge Arbeitskräfte in Deutschland gebraucht. Und sei es selbst um meiner
        >dementen Oma den Hintern abzuwischen.

        Erstens werden so viele junge Arbeitskräfte dann doch nicht unbedingt gebraucht (Jugendarbeitslosigkeit existiert nach wie vor, und die niedrig bezahlten Jobs in der Pflege wollen dann so viele plötzlich doch nicht tun), und zweitens muss man die Leute dafür ja auch qualifizieren. Und dafür müssen die Deutsch können. Das ist keine Sache, die mal eben passiert.

        In dem Prozess werden viele Träume platzen und zwangsläufig bei der Masse soziale Verlierer produziert. Und das wird sich in ca. 20 Jahren dann halt auswirken…

        Das Grundproblem ist doch folgendes: Auf der ganzen Welt gibt es zahlreiche Krisengebiete. Offizieller Tenor ist, dass wir jeden aufnehmen. Faktisch unterscheiden wir dadurch, dass wir bei denen unterscheiden, die es hierhin schaffen. Gleichzeitig machen wir das hierhin schaffen so schwierig wie möglich (z.B. Visum/Flugregelung). Wir könnten ja auch einfach alle gefährdeten Personen einfliegen. Da würden bestimmt noch mehr kommen (Schwache/Kranke, denen die beschwerliche Flucht zu lang ist).

        Migration ist ne sinnvolle Sache, aber kann nur in Maßen funktionieren…

        umij

        November 6, 2015 at 7:34 pm

  2. „no-go areas“

    Wo sind denn diese „no-go-areas“? Ich habe damals in meiner Studentenzeit im ach-so-boesen Neukoelln gelebt. Ich hatte niemals das Gefuehl gefaehrdet zu sein. Das einzige „Problem“ war, dass der Friseur um die Ecke nur „Araberschnitte“ konnte. Aber damit kann man leben.🙂

    Der Begriff „no-go-areas“ sollte, wenn ueberhaupt nur fur die braune Provinz gelten. Ich habe jedenfalls wesentlich mehr Angst um meine offensichtlich asiatische Frau und meine „gemischten“ Kinder in der braunen Provinz als um meine eigene Sicherheit in den – wenigen – Gebieten mit einem merkbar hohen Auslaenderanteil ….
    Den Begriff fur obige Gebiete mit hohem Auslaenderanteil in Deutschland zu verwenden klingt fuer mich nach Propaganda von unseren Pegida/Nazi-mitmenschen. (Und nein, damit sage ich nicht, dass du Einer bist.)
    (Und ich kann schon die Blicke sehen, wenn wir mal nach Deutschland ziehen: „Schau mal, der hat sich eine Vietnamesin aus dem Katalog gekauft.“)

    „Wenn jemand fließend (akzentfrei!) Deutsch spricht, dann wird er vom Großteil der Bevölkerung auch als Deutscher akzeptiert, egal ob er jetzt blonde Haare und blaue Augen, oder asiatische Augen und schwarze Haare hat.“

    Leider nein. Speziell Menschen mit dunkler Hautfarbe* werden in Deutschland diskriminiert. Vielleicht nicht von der Mehrheit, aber doch von genug Menschen, um einen grossen Unterschied zu machen.

    Ansonsten kann ich dir – mit Abstrichen – zustimmen.

    * Rassismus ist immer auch mit Kapitalismus verbunden und da gilt: Schwarz = arm / Afrika => kann /. muss diskriminiert werden. Aus demselben Grund haben es „Asiaten“ besser, da „asiatisch“ nicht unbedingt arm bedeutet. Das gilt nicht nur fuer Deutschland, sondern weltweit. (Und ja, ich habe mich umfassend mit Nationalismus und Rassismus beschaeftigt.)

    hanayagi

    November 7, 2015 at 1:29 am

    • >Wo sind denn diese “no-go-areas”? Ich habe damals in meiner Studentenzeit im ach-so-boesen Neukoelln
      >gelebt. Ich hatte niemals das Gefuehl gefaehrdet zu sein.

      Du warst vielleicht einfach zu lange nicht mehr hier🙂

      Mal einen Link von ganz vielen, wobei die Süddeutschen als etwas seriösere und eher links-liberale Zeitung hoffentlich nicht auch den Vorwurf der Stimmungsmache bekommt:

      http://www.sueddeutsche.de/panorama/kriminalitaet-gesetz-der-strasse-1.2819952

      umij

      Januar 17, 2016 at 12:24 pm


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