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Archive for the ‘Alles mit Kultur’ Category

Eindrücke aus Tokushima und Tokyo

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So, ich bin zurück und nach drei Tagen Nichtstun auch wieder in der Stimmung hier etwas zu schreiben. Heute ist es mal wieder ein fotolastiger Artikel. Alle Fotos sind mit meinem neuen iPhone aufgenommen worden.

 

Naruto-oohashi (eine gewaltige Brücke, die die Naruto-Meerenge überspannt)

 

Und hier noch einmal mit japanischer Kiefer im Vordergrund, für die Ästheten.

 

Das Naruto Museum von oben.

 

Insel im Sturm/Strom.

 

Und noch einmal die Brücke von oben.

Die Wirbel, die durch das Zusammenfließen von zwei Meereströmungen erzeugt werden, sind eine der beiden Haupttouristenattraktionen Tokushimas. An diesem Tag war es leider so stürmisch, dass sie hier kaum zu erkennen sind. Wir konnten deshalb auch nicht das Boot nehmen und uns die Wirbel direkt ansehen.

 

Als Kind fand ich solche Simulatoren toll.

 

Eine der kulinarischen Spezialitäten Tokushimas: Yakimochi oder auch gebratene Reiskuchen. Leckeres Zeug (wenn man süße Bohnenpaste mag zumindest, hehe). Yakimochi bedeutet übrigens auch Eifersucht 🙂

 

Die zweite Touristenattraktion Tokushimas, der Awa-Tanz (Awa-odori, 阿波踊り). Beide Bilder sind Aufnahmen vom „Männer“-tanz und in der entsprechenden Kleidung. Frauen dürfen übrigens Männerkleidung tragen und wie Männer tanzen. Andersherum geht es allerdings nicht. Den Awa-Tanz kann man ganzjährlich im Awaodori-kaikan bestaunen und sich sogar selbst daran versuchen. Das eigentliche Event findet aber im August während des O-Bon Festes statt.

 

Und hier habe ich letzte Woche gearbeitet. Sehr laut und als Dolmetscher geht das andauernde Schreien ziemlich auf die Stimme. Am Freitag hatte ich mir dann schlussendlich eine Rachenentzündung/Erkältung eingefangen.

Ich habe noch mehr Fotos aus der Fabrik, darf sie aber nicht posten wegen Betriebsgeheimnis.

 

Hier noch ein paar Bilder, die ich bei einem Spaziergang gemacht habe.

 

Und natürlich die „nehmen Sie die Hundekacke mit“ Bilder. Ich frage mich wirklich, ob es nicht auch ohne diese netten Schildchen ginge. Habe hier jedenfalls noch nie Hundekacke auf der Straße liegen gesehen.

 

Die letzten beiden Tage habe ich meine Amerikaner dann durch Tokyo geführt und auch ein paar Bilder für mich selbst geschossen. Es hat sich leider herumgesprochen, dass ich die letzte Gruppe mit zu Hooters in Tokyo genommen habe, weshalb jetzt wolhl jede Gruppe dort einmal hin möchte. *seufz*

 

In Roppongi Hills haben sie gerade ein One Piece Event.

 

Zugegeben, ich hatte nicht damit gerechnet im 52. Stock dieses supermodernen Wolkenkratzers auf Plastikattrappen mit One Piece Thematik zu stoßen.

Man konnte alle dargestellten Speisen tatsächlich im Restaurant dort bestellen.

 

Tokyo bei Nacht aus dem 52. Stock von Roppongi Hills.

 

Am nächsten Morgen in Shibuya: Dieser junge Mann war offensichtlich und gut hörbar sehr erbost über Tepco.

 

Dieses Gebäude in der Gegend um Shiodome ist scheinbar ziemlich berühmt. Meine Frau meint, das sei ein Kapselhotel.

 

Ganz in der Nähe gibt es ausserdem den Hamarikyu Park, der durch seine Natur/Großstadt Kulisse besticht.

 

Wort des Tages: 持ち帰り – mochikaeri – mit nach Hause nehmen (normalerweise in Restaurants und Cafes mit Take-Out benutzt; aber eben auch fuer Hundekacke ^^)

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Written by hanayagi

Mai 4, 2012 at 2:03 am

Repost: Mutterliebe & Einsamkeit

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(Dies ist der vorerst letzte Repost.)

 

Heute mal wieder ein paar Schnappschuesse:

Das ist der Inhalt eines der “Care-Pakete” der Mutter meiner Verlobten. Darin schickt sie uns regelmaessig gute Sachen aus der Provinz Tokushima, in der sie wohnt. Und weil’s Japan ist, gibt’s auch immer lecker Reis.

Und das habe ich heute in Shibuya (im Zentrum Tokyos) gesehen:

Das ist eine Werbung fuer einen … aehm … “Ohrensaeuberungsservice”. Ich uebersetze mal (von links oben nach rechts unten):

“Das Gefuehl des beruehrt werdens.”

“Das Gefuehl des gestreichelt werdens.”

“Die ultimative Entspannung.”

“Kopf auf den Schoss legen und sich die Ohren saeubern lassen.”

Es geht hier also um einen Service, bei dem man(n) seinen Kopf auf den Schoss einer in Yukata gekleideten jungen Dame legen und sich die Ohren saeubern lassen kann … … … Mal von der leichten Assoziation mit der Sexindustrie abgesehen …

Der Service bietet ja irgendwie auch menschliche Naehe an. Irgendwie traurig, wenn man so einsam ist, dass man menschliche Naehe kaufen muss. Andererseits sind die “Mamas” und “Kabaretts” in Japan dem auch nicht so unaehnlich.

Wort des Tages: 故郷の味 - furusato no aji – der Geschmack der Heimat; Japaner lieben es, Sachen aus einer bestimmten Region zu essen, speziell wenn es das eigene Dorf (Stadt) ist, in dem man aufgewachsen ist. Da sehr viele Japaner aus der Provinz nach Tokyo ziehen (gezogen sind) ist der “Furusato”-Mythos in Japan sehr potent.

Written by hanayagi

April 30, 2012 at 1:13 am

Repost: Alte Maschinen zum Stoffe faerben!

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Da Freundin keine Gelegenheit auslaesst, sich irgendwelche Stoffe, Muster, Farben … anzusehen, haben wir bei unserem Besuch in Tokushima die “Nagao-orifu” (長尾織布) – Shijira-ori Fabrik besucht. Shijira-ori ist eine besondere Art Stoff (indigo)blau zu faerben, dabei wird aus der Indigopflanze (藍, ai) der gewuenschte blaue Farbton gewonnen. Die Pflanze wird im Maerz gesaet und im Juli geerntet (es gibt zwei Ernten). Die Blaetter werden dann von Unkraut und Insekten gereinigt und getrocknet. Dieser Prozess dauert etwa einen Monat. Im September beginnt man dann das “Sukumo” (すくも, etwa: Faerbemasse) des entsprechenden Jahres herzustellen、indem man die Blaetter und allerlei Reagenzien in grosse Holzbottiche fuellt und dann bis in den Dezember hinein (100 Tage) gaeren laesst.

Mit dem gewonnenen Faerbemittel faerbt man dann alle moeglichen Kleidungsstuecke, wie zum Beispiel Yukata, Obi, SamueJinbei, T-Shirts, Hemden, Muetzen usw.

Ich habe mir die Fabrik auch von innen ansehen duerfen und natuerlich auch ein paar Fotos gemacht:

Panorama

Ein paar Maschinen aus der Naehe

Auf den Bildern erkennt man leider nicht so gut, wie unglaublich alt die Maschinen zum Teil sind. Der Firmenchef, der uns freundlicherweise herumfuehrte, erzaehlte mir, dass einige Maschinen noch aus der Meiji-Zeit stammen. Fuer nicht-Japanologen: Das war die Zeit von 1868 – 1912! Damals entwickelte sich in Japan uebrigens eine grosse Textilindustrie, die, kraeftig vom Staat gefoerdert, die USA und China (damals Weltmarktfuehrer) im weltweiten Textilienhandel ueberfluegelte und fuer Japans Industriealisierung ein wichtiger (wenn nicht sogar der wichtigste) Devisenbringer war. Da in diesen Fabriken fast ausschliesslich junge Frauen unter zum Teil schrecklichen Bedingungen arbeiteten, kann man wohl mit einigem Recht behaupten, dass die japanische Industrialisierung durch die Muehen und Leiden der Frauen ermoeglicht wurde. Dazu gibt es auch massenweise Literatur z.B. von Shiga Naoya, wenn ich mich recht erinnere.

So und noch zwei Fotos:

Gaerbottiche

Fertiges Faerbemittel

Ein fertiger Samue

Wort des Tages: 染め - some – Faerbung, das Faerben 〈von Kleidungsstuecken z.B.)

Written by hanayagi

April 29, 2012 at 1:11 am

Repost: Werbung mit Poesie

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Heute ist mir ein Werbezettel von Daiichiseimei (第一生命, eine grosse japanische Versicherung) auf meinen Schreibtisch geflattert. Die kommen jeden Donnerstag hier vorbei, aber normalerweise haben sie nur Bonbons ^^ Warum die das duerfen (wir sind schliesslich ein Rathaus, hier darf eigentlich keine Firma Werbung machen), weiss ich nicht. Dieser Werbezettel ist auf jeden Fall recht interessant. Die Werbung selbst ist eigentlich recht unauffaellig plaziert, im Mittelpunkt stehen 100 Haiku (japanische Kurzgedichte, klassischerweise mit der folgenden Silbenzaehlung 5 – 7 – 5), die von Buergern aus dem ganzen Land bei einem Wettbewerb eingeschickt wurden.

Wie einige meiner Leser vielleicht wissen, sind Haiku im Land von Matsuo Bashô und Buson (beides legendäre Haiku-Dichter) auch heute noch in Japan sehr beliebt. Der Haiku-Sammelband “Salat-Gedenken” (サラダ記念日, sarada kinenbi) von Tawara Machi (俵万智) wurde hierzulande knapp drei Millionen mal verkauft und jedes Kind hier kennt ihn. Die Haiku in Sarada-Kinenbi handeln uebrigens vom Alltagsleben der Japaner und sind fuer alle, die ein wenig Japanisch beherrschen, gut geeignet um ein wenig zu ueben.

Haiku zum Alltagsleben erfreuen sich auch im Japan des Jahres 2009 grosser Beliebtheit, speziell die sogenannten “Salaryman-Haiku”.

Haiku selbst sind eigentlich ganz einfach: Man baue einen Dreizeiler, der aus fuenf, dann sieben, dann wieder fuenf Silben besteht, gebe ihm (nicht zwingend) ein sogenanntes “Kigo” (季語), ein “Jahreszeitenwort” hinzu und fertig ist das Haiku. Das Problem liegt dabei natuerlich wie immer im Detail. Es ist leicht ein Haiku zu schreiben, es ist schwer ein “gutes” Haiku zu schreiben und es Bedarf schon einer Portion Genie um “meisterliche” Haiku vom Schlage eines Bashô zu schreiben.

Aber kommen wir zurück zum Anfangs angesprochenen Werbezettel.

Hier will ich die ersten drei Haiku einmal kurz vorstellen. Ich gebe dabei nur eine ungefaehre Uebersetzung wieder, ohne auf die Silbenzahl gross Ruecksicht zu nehmen.

#1

コスト下げ

やる気も一緒に

下げられる

kosuto sage, yaruki mo isshoni, sagerareru

Arbeitskosten runter

auch der Eifer beim Arbeiten

wird abgesenkt

Von einem “faehigen Manager”. Klingt irgendwie frappierend aehnlich wie die Klagen deutscher Arbeiter / Manager.

#2

パパ部長

家の中では

ママ社長

papabuchou, ie no naka de ha, mamashachou

Abteilungsleiter Papa

aber zu Hause ist

Mama der Boss

Das deutsche Wort “Abteilungsleiter” gibt die herausgehobene Position eines “Buchou” allerdings nur unzureichend wieder. Ein “Buchou” gehoert schon zum oberen Management.

Jaja unsere Pantoffelhelden ;) Gibt’s halt ueberall. Eingesandt von einem “einfachen Beamten”.

#3

「明日有休」

妻の舌打ち

気のせいか

asu yuukyuu, tsuma no shitauchi, kinosei ka

“Morgen habe ich frei”

meine Frau schnalzt mit der Zunge

ah, ich bilde es mir vielleicht nur ein

In der ersten Zeile sind es, wenn ich mich nicht verzaehlt habe, sechs Silben, mit der Lesung “ashita” fuer “morgen” sind sogar sieben Silben denkbar. Das ist normal in gegenwaertigen Gedichten, es muss nicht unbedingt immer genau das Silbenmass eingehalten werden. Ich finde dieses Haiku sehr genial. Klingt nach prallem Leben ;) Eingesandt von einem “liebenden Ehemann”.

Wort des Tages: 俳句 - haiku – klassisches japanisches Gedicht im Versmass 5 – 7 – 5, das Zeichen 句 (ku) allein wird auch verstanden und z.B. als Zaehlwort benutzt.

Written by hanayagi

April 28, 2012 at 1:09 am

Repost: Ueber Service

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(Die gute Anji hat hier einen Artikel zu japanischen Lieferdiensten geschrieben.)

 

Ich glaube jeder Deutsche, der einmal in Japan gelebt hat, hat schon einmal eine Lobeshymne auf den Service hier angestimmt. Ob es nun die beruehmten sauberen und puenktlichen Zuege oder das perfekte Laecheln der Angestellten ist: Als Kunde ist man in Japan wirklich fast immer Koenig.

Das gilt auch fuer die Paketdienste in Japan. Heute moechte ich einmal beschreiben, wie das hier funktioniert, wenn ein Paket zugestellt werden soll.

1) Der Paketbote kommt zur Haustuer und klingelt immer (!) drei Mal, wenn niemand aufmacht.

2) Wenn niemand die Tuer oeffnet, hinterlaesst der Paketbote einen Zettel auf dem viele lustige Zahlen stehen. Anfangs ist das ein wenig verwirrend, aber wenn man sich einmal eingefuchst hat, ist das System narrensicher und kinderleicht zu bedienen. Natuerlich nur, wenn man Japanisch kann ;) *

Man ruft die “automatische Neuzustellungsnummer” auf dem Zettel an. Da gibt es dann einen Bandansage, die sich auf das Wichtigste beschraenkt und in dieser Reihenfolge fragt:

a) Zustellungsnummer (ist auf dem Zettel)

b) Zustellung am gleichen Tag Ja/Nein

c) Wenn gleicher Tag, dann welche Uhrzeit? Wenn nicht gleicher Tag, dann morgen oder uebermorgen? Sonst Datumseingabe. Danach dann wieder Uhrzeiteingabe. Die Uhrzeit kann man eingeben mit 1 – 6, 1 bedeutet Vormittag, danach gibt es 2-Stunden Intervalle.

d) Zur Bestaetigung noch die eigene Telefonnummer.

Fertig. Das laesst sich in zwei Minuten erledigen und kostet keinen einzigen Yen (Anruf ist selbstverstaendlich kostenlos). Man kann auch mehrere Male nicht da sein. Kein Problem. Man kann auch seinen persoenlichen Zusteller (Nummer ist ebenfalls auf dem Zettel) anrufen, wenn man das moechte. Und billig ist das Pakete verschicken auch noch …

Wenn ich mich da an D. und meine Besuche in sogenannten “Postcentern” erinnere, graust’s mich nur.

Ueberhaupt gilt fuer Telefonhotlines in Japan, was generell gilt. Der Service ist dem in Deutschland um Lichtjahre voraus. Ich hatte bisher IMMER kompetente Mitarbeiter am Hoerer und IMMER innerhalb kurzer Zeit. Warteschleife gibt es eigentlich nur, wenn der Arbeiter an MEINEM Problem arbeitet.

Ich kann nur immer wieder sagen: Arme Kunden in Deutschland.

Wort des Tages: 再配達自動受付 – saihaitatsu-jidou-uketsuke – “Automatische Neuzustellungsannahme”

* Ich meine, es gibt sogar eine englischsprachige Hotline, bin jetzt aber zu faul nachzusehen.

Written by hanayagi

April 27, 2012 at 1:07 am

Repost: Mudra und buddhistische Ikonographie

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Mudren sind spezielle Handgesten, die von den diversen Buddhas an ihre Jünger weitergegeben wurden. Mudren sind damit religiöse Symbolik. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund interessiere ich mich dafuer und habe, als ich letztens das Nationalmuseum in Ueno (Tokyo) besucht habe, auch einige Fotos der Handgesten geschossen und mir einen kleinen Informationszettel dazu geben lassen. Anhand dessen möchte ich nun einmal die einzelnen Mudren vorstellen:

 

1)      禅定印 – Zenjôin (Meditation-festgelegt-Geste) Die Zenjôin-Mudra ist der Legende nach vom historischen Buddha, Shakyamuni selbst überliefert worden. Dabei war seine Gestalt, als er am Fluss „Nirenzenga“ unter einem Bo-Baum meditierte, Anlaß für die Form dieser Mudra.

Sie wird geformt, indem man (im Lotussitz) die linke Hand mit der Innenseite nach oben direkt zwischen die Knie und darauf dann die rechte Hand legt. Dabei spreizt man die Daumen so ab, dass sie sich beruehren. Diese Mudra wird für Statuen von allen „Drei Großen Buddhas“ Japans (Amida, Shaka, Yakushi) und auch im esoterischen Buddhismus benutzt. Bei Statuen von Amida-Buddha werden ausserdem noch die beiden Zeigefinger nach oben gekrümmt, so dass sich beide Daumen und beide Zeigefinger (insgesamt alle vier) berühren.

Der “Daibutsu” in Kamakura als Beispiel für die Zenjôin-Mudra.

2)    転法輪印 – Tenpôrinin (Drehen-Gesetz-Rad-Geste; „Rad der Lehre“-Mudra) Die Rad-der-Lehre-Mudra wiederum wurde vom legendären Buddha Shakyamuni selbst ebenso legendären „Hirsch-“ bzw. „Rehgarten“ gelehrt. „rin“ (輪), das Rad, bezeichnet auch eine Schlinge, die im alten Indien als Wurfwaffe genutzt wurde. Buddha zufolge soll diese Waffe auch gegen die „Verirrung“ der Lebewesen  eingesetzt werden. (Ein zentraler Grundsatz des Buddhismus ist, dass wir die „Realitaet“ nicht erkennen, da unsere Sinne und unser Koerper uns täuschen.) In Japan wird dieses Mudra für Amida und Shaka (Shakyamuni) Buddhafiguren benutzt. Im Falle Amidas wohl deshalb, weil er als „Krieger des reinen Landes“ gilt.

Bei dieser Geste werden die Daumen und Zeigefinger beider Hände zusammengebracht, während man die anderen Finger leicht spreizt. Die Finger zeigen dabei nach oben, mit der Handinnfläche nach aussen.

3)      施無畏・与願印 – Semui, Yoganin (Almosen-Nichts-Weisheit, Geben-Wünschen-Geste) Diese Mudra wird bei allen in Japan gängigen Buddhastatuen verwendet.

Die rechte Hand gibt allen Lebewesen Ruhe und mindert ihre Angst (Semui), dabei hebt man sie vor die Brust mit den geschlossenen, gestreckten Fingern nach oben und der Handinnenseite nach aussen. Der Daumen ist leicht abgespreizt.

Die linke Hand gewährt allen Lebewesen ihre Wünsche (Yogan), dabei lässt man sie locker absinken mit den geschlossenen, gestreckten Fingern nach unten und der Handinnenseite nach Aussen. Es gibt noch einige Unterformen mit abgespreiztem Daumen bzw. zwei oder drei gestreckten Fingern.

Ein Beispiel für Semui, Yoganin:

4)  降魔印 – Gômain (Siegen-Teufel-Geste; das Zeichen für „gô“ hat noch eine Reihe weiterer Bedeutungen, aber ich denke, hier ist „siegen, schlagen“ gemeint) Die Gômain-Mudra entstand der Legende nach als Buddha Shakyamuni den Versuchungen und Drohnungen der Dämonen widerstand, die ihn vom Pfad der Erleuchtung abbringen wollten. Er verjagte die Dämonen, indem er die rechte Hand vor sein Knie hielt und die drei mittleren Finger den Boden berühren liess. Dabei zeigte der Handrücken nach aussen. Man nennt diese Mudra deshalb auch Sokuchi-Mudra (触地印) oder „Berühren-Erde-Geste“. In Japan ist diese Mudra eher selten.

Hier ein Beispiel für Gômain:

5)      来迎印 – Raigôin (Kommen-Empfangen-Geste) Raigôin ist die spezielle Mudra des Amida-Buddha. Er ist die zentrale Figur zweier sehr erfolgreicher japanischer Sekten: Der Jôdoshû (浄土宗, Sekte des reinen Landes) und der Jôdoshinshû (浄土真宗, „Wahre“ Sekte des reinen Landes). Die Jôdoshû postuliert ein „Paradies“ nach dem Tod, in das der Gläubige von Amida-Buddha geleitet wird, es genügt, wenn man dafür seinen Namen anruft (Namu Amida Butsu). Diese Mudra war vor allem Ende der Heian-Zeit und während der Kamakura-Zeit (etwa 12. – 14. Jahrhundert n. Chr.) sehr beliebt.

Bei dieser Mudra berühren Daumen und Zeigefinger beider Hände einander. Die rechte Hand wird mit der Handinnenseite nach aussen vor die Brust gehoben. Die linke Hand wird gesenkt (im Stehen) oder auf das Knie gelegt (im Sitzen), mit den Fingern nach unten weisend und der Handinnenfläche nach aussen oder nach oben geneigt. Es gibt auch einige Abwandlungen diese grundlegenden Form.

Hier ein Beispiel für Raigôin:

6)  逆手来迎印 – Sakate-Raigôin (Umgekehrte-Hände-Kommen-Empfangen-Geste) Diese Mudra stammt von Bildern des Amida-Buddha aus dem China der Song-Zeit, die genau so, wie sie waren, kopiert wurden (also spiegelverkehrt). Die linke Hand ist in diesem Fall oben und die Rechte unten.

Es gibt natürlich noch viel mehr buddhistische Ikonographie, ein paar Beispiele:

Die Ohren! Die Ohren! Sie stehen für Weisheit und deshalb haben Buddhas für gewöhnlich sehr große Ohrläppchen.  Laut dieser englischen Webseite symbolisieren die Ohrlaeppchen einerseits die Fähigkeit Buddhas alles (vor allem alles Leid) zu hören und andererseits sind sie so lang, weil Buddha vor seiner Erleuchtung (und der darauffolgenden Absage an alles Materielle) schweren Ohrschmuck trug.

Sehr viele Buddhafiguren stehen oder sitzen auf solch einem Podest.  Das ist aber nicht einfach irgendein Podest sondern eine symbolische Lotusblume. Lotusblumen gehören zu den acht “heiligen” Symbolen des Buddhismus (clicky). Sie symbolisiert in ihrem Aufbau den Aufstieg des Menschen zum Buddha. Ihre Wurzeln stecken im Schlamm, ihr Stamm liegt im Wasser und ihre Blüte liegt auf oder sogar über dem Wasser. Das symbolisiert den Aufstieg des Menschen vom rein von Begierden und Ängsten getriebenen “tierischen” Wesen, hin zum Buddha, der – frei von jeglicher Begierde und Angst – die Wirklichkeit durchdringt und vollkommen gelassen ist.

(Interessanterweise beinhaltet eines der acht Symbole zwei Fische, was auch ein Symbol der frühen Christen war.)

Bei diesem Bild bin ich mir nicht so sicher, was die Symbolik bedeutet. Die Perlenkette könnte auf die “108 Tugenden” (auf die Schnelle keinen guten Link gefunden) des Buddhismus hinweisen.

Und zum Schluss nochmal etwas nicht-Buddhistisches (soweit ich weiss):

Das ist ein “Shachi” (鯱). Shachi bestehen aus einer Mischung aus Tierkopf und Fischkörper. Der Schwanz ist immer himmelwärts nach oben gebogen. Shachi befinden sich meist auf den Dächern japanischer Burgen und sollen Glück bringen bzw. Unglück abwenden und Feuer löschen.

Mehr Info auf Japanisch gibt es hier.

tl;dr ?

Wort des Tages: 知恵袋 – chiebukuro –  Quelle der Weisheit; auch: Jemand, der anderen mit Ratschlägen beisteht.

Written by hanayagi

April 26, 2012 at 1:05 am

Repost: Lori’s kleiner Kyoto Reisefuehrer

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So, da ich letztens mal wieder in Kyoto war … zum sechsten Mal oder so, dachte ich mir, ich schreibe mal ein paar Empfehlungen zur Stadt. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollstaendigkeit, dazu gibt es einfach zu viel zu sehen in Kyoto.

Drei Anmerkungen vorweg:

1) Kyoto sollte man im Fruehling (Ende Maerz / April) oder im Herbst (Ende September / Oktober) besuchen um die Kirschbluete / die spektakulaere Faerbung des Herbstlaubs erleben zu koennen. Generell ist es keine so gute Idee, im Sommer nach Japan zu kommen – einfach zu heiss hier.

2) Tempel und Schreinbezeichnungen, soweit mir bekannt:

-ji, -tera, -dera (buddhistischer) Tempel

-in Untertempel (meist mehrere in einem einzigen -ji)

-jinja  (shintoistischer) Schrein

-taisha Grossschrein

-jinguu Schrein-palast, mit dem Kaiserhaus verbunden

3) Niemals die ~500 Yen Eintritt fuer einen der Tempel und Gaerten sparen. Es lohnt sich fast immer.

Erst einmal die “must-see”-Attraktionen, die in jedem Reisefuehrer stehen duerften:

– Nijou-jou (二条城)

Das Schloss Nijou-jou wurde vom legendaeren Tokugawa Ieyasu (der “Einiger” Japans) erbaut und war Kyoto-Residenz der Familie Tokugawa. Heute kann man es in grossen Teilen (auch innen!) besichtigen. Auf jeden Fall einen Besuch wert.

– Kiyomizu-dera (清水寺)

Eine der Hauptattraktionen Kyotos. Es gibt dort immer Unmengen von Touristen und natuerlich auch eine ganze Einkaufsstrasse mit Souvenirs. Man kann hier heiliges Wasser trinken (daher auch der Name “reines-Wasser-Tempel), sich in einer dunklen Hoehle auf eine spirituelle Reise begeben und beeindruckende Holzarchitektur begutachten.

– Kinkaku-ji (金閣寺)

Der “Tempel-des-goldenen-Turms” macht seinem Namen alle Ehre und die Haupthalle, zusammen mit dem wunderschoenen Garten ist einfach fantastisch.Er wurde von Shogun Ashikaga Yoshimitsuerrichtet. Massenweise Touristen, natuerlich.

– Ginkaku-ji (銀閣寺)

Noch ein ganz wunderschoener Tempel und Garten. Ebenfalls sehr viele Touristen.

 – Fushimi-inari-taisha (伏見稲荷大社)

Der beruehmte Fuchs-Schrein mit seinen vielen “Torii“. Torii sind uebrigens meist Spenden von reichen Goennern, die sich bei dem Fuchsgott (Inari) fuer das Wohlergehen ihres Geschaefts bedanken.

– Gion (祇園)

Der beruehmte “Geisha” und “Einkaufs”-Bezirk von Kyoto. Hier findet man noch Geisha (Geiko) und Teehaeuser. Der Yasaka-Schrein ist auch interessant, zumal dort, soweit ich weiss, immer Staende mit japanischem Imbiss-Zeugs stehen.

– Heian-jinguu (平安神宮)

Ich war dieses Jahr zum ersten Mal dort. Einfach wunderschoen. Vor allem natuerlich zur Kirschbluete.

In der Naehe / am Rand der Stadt:

 – Arashiyama-Gebiet (Tenryuu-ji (天竜寺), Togetsu-kyou (渡月橋))

Ein bisschen ausserhalb, aber immer noch bequem per Bahn zu erreichen (20 Minuten etwa). Hier kann man Boot fahren und Bergsteigen. (Naja ein bissel ..)

– Hozukawa (保津川)

Den Fluss Hozukawa kann man mit Booten befahren und eine wildromantische Landschaft geniessen. Dazu muss man mit dem Zug ein paar Stationen aus der Stadt herausfahren – auf dem Rueckweg geht’s dann nach Arashiyama.

– Nara (奈良) -> (Toudai-ji (東大寺), Gojuu no Tou (五重塔) / Koufuku-ji (興福寺), Kasuga-taisha (春日大社)…)

Die alte Kaiserstadt Nara ist immer einen Ausflug wert (und eigentlich auch einen eigenen Eintrag).  Sie war 710 – 794 japanische Hauptstadt und zwang mit ihren maechtigen Kloestern den Kaiser dazu nach Kyoto umzuziehen. Heute gibt es noch immer massenweise Ueberbleibsel aus der Fruehzeit des japanischen Buddhismus. Im Toudai-ji stehen Waechterfiguren aus dem altindischen Glaubenskosmos. Im Koufuku-ji (bis 2015 Restauration) steht eine beruehmte “Ashura”-Figur (indischer Halb-Gott (?)). Der “Gojuu no Tou” ist die Kopie einer indischen Stupa.

Toudai-ji

Eines der beruehmten Rehe. Die Viecher haben mich in den Hintern und den Bauch gebissen … weil ich Futter in der Hand hatte ^^

Der Tempel selbst. Der groesste Tempel Japans, soweit ich weiss. Wirklich beeindruckend.

Koufuku-ji, Gojuu no Tou

Kasuga-taisha

Viele Laternen gab’s da.

Dann noch ein paar weitere Tipps, die nicht in jedem Reisefuehrer stehen, aber dennoch (zumindest in Japan) sehr beruehmt sind:

– Kita no Tenmangu (北の天満宮)

Mein absoluter Lieblingsschrein in Kyoto. Hier gibt es ueberall Kuhstatuen, deren Kopf man reiben muss, um klug zu werden oder Schmerzen zu lindern. Hier wird der beruehmte Sugawara no Michizane als Schutzgottheit der Bildung / des Wissens verehrt.

Dem Vorgaenger dieser Kuh haben irgendwelche Rabauken den Kopf abgeschlagen, wie mir eine Anwohnerin erbost berichtete. Aber eine Neue wurde schnell gespendet. :)

– Sennyuu-ji (泉涌寺)

Hier war ich sehr frueh am Morgen meines ersten Tages in Kyoto (dieses Jahr), da zu der Zeit noch kein Geschaeft geoeffnet hatte (nicht einmal McDoof!). Auch wieder ein schoener Tempel. Toll auch die Kirschbluete (wie ueberall sonst auch ^^). Da ich so frueh dort war, lief dort noch kein einziger Tourist herum. Sehr schoen.

– Myoushin-ji (妙心寺)

Sehr beruehmt fuer die Deckenbemalung in der Haupthalle (Fotos waren nicht erlaubt). Hat ausserdem einen wunderschoenen Garten in einem der “-in” genannten “Unter-”tempel (Name ist mir entfallen).

– Daitoku-ji (大徳寺) -> (Koutou-in, 高桐院)

Viele schoene Tempel und Gaerten hier. Relativ wenig Touristen. Im Herbst soll der Koutou-in besonders schoen sein (ist vermerkt ^^).

Garten des Koutou-in

– Shimogamo-jinja (下鴨神社)

Tempel am Kamo-Fluss hier kann man auch eines der “7-seltsamen-Dinge” Kyotos besichtigen (es ist ein Stein ^^).

Der heilige Stein! (Wieso denke ich jetzt nur an Monty Python ^^)

Wort des Tages: 神社めぐり / 神社巡り - jinja-meguri – Schrein Rundgang / Rundfahrt

Written by hanayagi

April 25, 2012 at 1:04 am