japanbeobachtungen

Just another WordPress.com site

Archive for the ‘Tagesgeschehen’ Category

Aso Taro is back!

leave a comment »

Ist leider nicht totzukriegen, der Mann. Nach seinen schon legendaeren Kanji-Fehlern und seinem voelligen Unwissen bezueglich Cup-Rahmen Preisen hat er es nun wieder einmal geschafft und ein neues Fettnaepfchen gefunden.

… der Pate in Moskau.

Wort des Tages: 怪しい – ayashii – verdaechtig aussehend, seltsam

Written by hanayagi

April 7, 2013 at 4:31 am

Veröffentlicht in Japan - Humor, Tagesgeschehen

Und wieder ein Jahr um

with 14 comments

2 Monate ist es her seit meinem letzten Artikel. Viel ist seitdem passiert und auch davor 🙂

Das Wichtigste gleich vorweg: Der Mini-Dinosaurier da unten ist mein Sohnemann! Und ja er ist zum knuddeln und wuddeln! Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels ist er drei Monate alt und etwa 7,3 kilo schwer. Und sooo süß 🙂

Bei der Geburt wog er 3.700 Gramm und war selbstverständlich das größte Baby im Krankenhaus (wir sind schließlich in Japan!).

Kai

Und einen neuen Job habe ich auch noch. Muss ja schließlich den kleinen Dinosaurier ernähren. Ich arbeite jetzt bei einer großen japanischen Games-Company als Übersetzer. Ich übersetze dabei zusammen mit einem anderen Deutschen Spiele von Japanisch nach Deutsch.

Morgen geht es dann auf nach Hakone. Onsen, Mochi und so. Unser Ryokan ist auf Familien mit Babies spezialisiert und in unserem Zimmer gibt es Wii und PS3. Hoho, lang, lang ist’s her, seit ich Konsolenspiele gespielt habe. Freu‘ mich ein bisschen drauf.

Und was Japan angeht:

– Politik: Die Japaner haben wieder LDP gewählt. (Kollege meinte, die wäre wenigstens fiskalpolitisch realistisch. Worauf ich ihn fragen musste, wer denn dann Schuld am horrenden Staatsdefizit hat …) Ich kaufe dann schonmal mein Rückflugticket nach Deutschland, für den Fall, dass Abe, Ishihara, Hashimoto und die anderen Knallchargen es endgültig schaffen, Krieg mit China anzuzetteln, oder einer der wieder angefahrenen Atommeiler beim nächsten Beben explodiert …

Mal ganz im Ernst, ich finde die Politik hierzulande im Moment so traurig, dass ich in der nächsten Zeit wohl bewusst keine Zeitung lesen/Nachrichten schauen werde. (Und die Japaner sehen das nicht anders: Das Einzige was hier zunimmt, ist die Politikverdrossenheit.)

– Kouhakuutagassen wird mal wieder eine Johnny Kitagawa (Arashi) & Akimoto Yasushi (AKB48&co) Werbeveranstaltung „gähn“

Wort des Tages: 焼餅 – yakimochi – Gegrillter Klebreiskuchen, oft mit Bohnenpaste gefüllt („yakimochi wo yaku“ (yakimochi grillen) bedeutet übrigens auch eifersüchtig sein!)

Written by hanayagi

Dezember 31, 2012 at 8:56 am

„Der neue Zwang zur Freundlichkeit“

with 5 comments

Heute bei Zeit Online: http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2012-10/einzelhandel-umsatz-mitarbeiter-nettigkeit/komplettansicht

Artikel die „neue Trends“ behandeln, lese ich wenn ueberhaupt, dann mit einer gehoerigen Prise Skepsis und die folgende Diskussion sollte auch in diesem Geiste verstanden werden.

Es geht in dem Artikel darum, dass Angestellte im Einzelhandel hoeflicher agieren sollen. Hier ein paar nette Zitate aus dem Artikel und mein Kommentar dazu:

[…]Die festgelegten, auf Höflichkeit getrimmten Sätze passen nicht in ihre Welt. In der herrscht Personalnot, es fehlt immer an irgendeiner Stelle an etwas: an Zeit und Geduld. „Wir sind oft nur zu zweit im Laden, da bleibt keine Zeit, um so nett zu sein, wie Netto es sich wünscht“, sagt Schneider. Die Kunden würden manchmal sehr unfreundlich und ungeduldig.

In Japan spart man zwar auch soweit moeglich Personalkosten, aber im Einzelhandel habe ich eigentlich nie das Gefuehl, dass es zu wenig Mitarbeiter gibt, eher im Gegenteil. Und unfreundliche Kunden gibt es hier nicht.

Oft merkten die Kunden, dass die Mitarbeiterin nur Floskeln aufsage, statt sich ernsthaft um sie zu kümmern.

Hahaha. You know NOTHING, Jon Snow.

„Viele werden wütend, wenn man sie mit 08-15-Sätzen abspeisen will“. Ihr fällt es schwer, sich zu entschuldigen, wenn sie es nicht so meint. Oft beißt sie dann auf die Zähne und lächelt.

In Japan sind Standardfloskeln im Einzelhandel alles. Wuetend ist darueber niemand, solange es kein groesseres Problem gibt. Der/die einfache arubaito kennt nur das Schema F aus dem Handbuch und kann alleine keine Probleme loesen. Interessant wird es, wenn diese Floskeln ein Problem nicht loesen koennen und es in die naechsthoehere(n) Autoritaetsstufe(n) geht.

Dieter Zapf weiß, was die neuen Regeln mit den Mitarbeitern machen. Zapf ist Arbeitspsychologe und untersucht, wie sich die Arbeitswelt auf unsere Persönlichkeit und unser Wohlbefinden auswirken. Er sagt: „Die Kundenbindung geht in einigen Fällen zulasten der Mitarbeiter.“ Wer von seinem Chef in seinem Handeln eingeschränkt werde, erfahre oft einen zusätzlichen Druck – über das bisherige Maß hinaus, sagt Zapf. Das sei besonders bei Vorgaben so, an die man sich als Mitarbeiter sklavisch halten muss: an Sätze und Verhaltensmuster etwa, die vorgegeben werden, und bei denen die eigenen Emotionen unterdrückt werden. Wer auf Dauer Emotionen zeigen müsse, die er nicht empfindet, könne diese irgendwann gar nicht mehr empfinden.]

Hier musste ich doch sehr schmunzeln. Deutsche, lernt einfach mal ein bissel gaman.  🙂

Wort des Tages: 敬語 – keigo – Hoeflichkeitssprache

Written by hanayagi

Oktober 11, 2012 at 1:58 pm

Veröffentlicht in Alles mit Kultur, Links, Tagesgeschehen

Tagged with ,

Anti-Atom Demo(s) in Japan

with 3 comments

Tabibito war da. Ich war da. Wer noch? Hier also mein Bericht zur Großdemo vom Montag.

Erst einmal eine kleine Fotogallerie:

„Gebt uns ein strahlenfreies Fukushima zurück!“

„Herr Noda (Premierminister. Juli 2012), haben Sie Fukushima schon vergessen?“ „Gegen die Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken.“

Papa mit Kind. „Keine Kernkraft!“

„Wir brauchen keine Kernkraft.“ „Ihr dürft uns unsere Zukunft nicht rauben!“

Bei der Demo am Montag versammelten sich zwischen 70.000 (Polizeiangaben) und 170.000 (Veranstalter) Menschen aus ganz Japan um gegen Atomkraft und gegen das Wiederanfahren der japanischen Atomkraftwerke zu protestieren. Treffpunkt war der zentral gelegene Yoyogi Park bzw. dessen Shibuya zugewandte Seite. Es gab ein umfangreiches Rahmenprogamm mit Shows und Vorträgen von berühmten Künstlern und Intellektuellen (z.B. Literaturnobelpreisträger Oe Kenzaburo). Die Demo selbst fand zwischen 13.30 Uhr und 17.30 Uhr statt und es gab drei Routen, die jeweils ungefähr drei Kilometer lang waren. Der Verkehr wurde nur zum Teil gesperrt, was dazu führte, dass durch Ampelphasen einzelne Gruppen von ein paar Dutzend Demonstranten geschaffen wurden (siehe letztes Bild).

 

Ein paar Eindrücke:

– Es war sehr heiß aber trotzdem kamen sehr viele Menschen aus allen Altersgruppen und Teilen Japans. Auf einem Foto oben sieht man einen Vater mit Kinderwagen. Bei der Demo liefen neben mir ein altes Paar und eine junge Frau, die extra aus der Präfektur Iwate angereist war. Auch eine Hochschwangere habe ich gesehen.

– Die Demo wurde von NPOs und Gewerkschaften organisiert, aber es gab auch viele „unorganisierte“ Teilnehmer.

– Durch die nur teilweise Sperrung des Verkehrs wurden die Menschen in einzelne kleine Gruppen aufgeteilt und da die Straßen nur einseitig gesperrt waren, ging die Demonstration im Stadtverkehr ein bisschen unter. Ich fand die ganze Situation sehr schade, denn es waren wirklich sehr viele Menschen am Versammlungsort, aber kaum 200 Meter davon entfernt konnte das kein Passant auch nur erahnen. Die ganze Demo sah auf einmal aus wie ein Haufen versprengter Hitzköpfe. Ob das Absicht war oder nur Notwendigkeit im immer beschäftigten Shibuya kann ich nicht beurteilen.

– Das oben erwähnte ältere Paar erzählte mir, dass man in Japan immer nur gehört hätte Atomkraft sei sicher und Japan brauche die Atomkraft. (Wer sich nur ein bisschen mit dem Thema beschäftigt, wird zwangsläufig auf die Propaganda der Regierung und Energiekonzerne stoßen, die in Nachkriegsjapan der Atomkraft den Weg ebnete.) Miyuki hat in einem Kommentar in diesem Blog ähnliches geschrieben. Das alte Paar hat sich ausserdem gewundert, warum es in einem Land mit derart vielen Erdbeben Atomkraftwerke gibt. Während der Demo konnte man auch häufig entsprechende Slogans hören.

– Ein Grund warum ich bei der Demo sein wollte, war dass ich einfach einmal massiven populären politischen Aktivismus in Japan sehen wollte. Das gab es m.W. hier nicht mehr seit den Anpo-Verträgen bzw. dem Bau des Flughafens Narita. Ich hatte dann auch den Eindruck, dass man das Demonstrieren nicht gewohnt ist. Keine Trillerpfeifen, wenige große Plakate, verhalten gemurmelte Sprechchöre. *Japanversteher-Hut aufsetz* In Japan ist man es eben einfach nicht gewohnt laut zu sein …

 

Wort des Tages: 反原発運動 – hangenpatsu undo – Gegen-Atomkraft-Bewegung

 

P.S. Es finden jeden Freitag Demos gegen Atomkraft vor dem Sitz des Premierministers in Tokyo statt. Werde mich da nächste Woche auch einmal hinbegeben. Jemand Lust mitzukommen?

Written by hanayagi

Juli 21, 2012 at 3:39 am

Herr Ozawa und die politische Kultur Japans

with 2 comments

Tabibito hat hier schon einen Artikel zum Thema Ozawa verfasst. Genau wie Tabibito auch kann ich Herrn Ozawa nicht ausstehen. Aber vielleicht eine kurze Erklaerung:

In Japan ist das groesste Thema in den Medien seit Wochen die Erhoehung der Mehrwertsteuer von 5% auf 10%. Premierminister Noda hat sich dieses Ziel auf die Fahne geschrieben und hatte bei der Abstimmung vor 3 Tagen (ungefaehr) Erfolg. Daran waren vor ihm schon etliche Premierminister gescheitert und ich war davon ausgegangen, dass das politischer Selbstmord ist. Aber wider Erwarten ist es ihm gelungen. Respekt dafuer.

Herr Noda konnte das Gesetz nur durch das Unterhaus bringen, weil er die Unterstuetzung der beiden Oppositionsparteien LDP/Komeito hatte. In seiner eigenen Partei waren etliche Abgeordnete dagegen, allen voran Herr Ozawa und die von ihm abhaengigen Abgeordneten (auch „Ozawa Children“ genannt in den Medien). Herr Ozawa war aber nicht nur gegen die Mehrwertsteuererhoehung, was meiner Meinung nach akzeptabel ist, sondern hat dies auch noch bei jeder Gelegenheit herausposaunt. Damit war er eigentlich jeden Tag in den Abendnachrichten. Um es noch einmal deutlich zu sagen: Herr Ozawa hat oeffentlich und wiederholt in den Medien der Parteilinie in sehr deutlichen Worten widersprochen. Der Feind in den eigenen Reihen …

Mit Verabschiedung des Gesetzes im Unterhaus hat Herr Ozawa nun also die Konsequenz gezogen und ist aus der DPJ ausgetreten. Und hat dabei gleich noch 52 weitere Abgeordnete mitgenommen. Scheiss auf Zweiparteiensystem, Demokratie und so …

 

Was hat das alles nun mit der politischen Kultur Japans zu tun?

Eine ganze Menge. Herr Ozawa ist ein typisches Beispiel der Mentalitaet vieler japanischer Politiker. Sie kaempfen nicht fuer eine Partei sondern nur fuer sich selbst und vielleicht auch fuer ein paar meist vorgeschobene Ideale. Ein Problem der parlamentarischen Demokratie in Japan ist meiner Meinung nach das Fehlen von Ideologie. Ideologie bindet naemlich und formt Gruppen. Der Mangel an Ideologie ist genauso ein Problem wie die uebertriebene Ideologisierung in der US Politik. Beides wirkt laehmend auf eine echte, gesellschaftsformende Politik.

Machtmenschen wie Ozawa kaempfen nicht in einer Partei fuer ein gesellschaftliches Ideal und Milieu wie es alle Parteien in Deutschland tun, sondern nur fuer ihre eigene Karriere. Die „Volksparteien“ in Japan, naemlich die DPJ und die LDP unterscheiden sich denn auch programmatisch nur in Details und wollen „fuer alle“ sein. SPD und CDU wollen das auch, haben aber ein mehr oder weniger klares Profil.

Das ganze System ist extrem instabil (nicht nur) aufgrund dieses Mangels an Ideologie. Fuer Politiker ist es einfach das Lager zu wechseln. Dies ist auch einer der Gruende fuer den staendigen Premierministerwechsel in Japan und die daraus folgende aussenpolitische Schwaeche.

 

Das Schlimme an Herrn Ozawas Verhalten sind nicht seine Positionen sondern wie er sie vertritt. Ich stimme ihm in der Ablehnung der Atomkraft sogar zu.  Dennoch, in seiner Opposition zur Mehrwersteuererhoehung und zur erneuten Inbetriebnahme der Atomkraftwerke in Japan reiht er sich ein in die Riege unsaeglicher Populisten wie Hashimoto und Ishihara und fuegt der Demokratie in Japan grossen Schaden zu.

 

Wort des Tages: 離党 – ritou – Parteiaustritt

Written by hanayagi

Juli 3, 2012 at 2:58 am

Rohe Leber?

with 6 comments

Heute in den Nachrichten: In Japan darf ab morgen in Restaurants keine rohe Rinderleber mehr verkauft werden. Das wurde beschlossen, da vor einer Weile ein paar Menschen an Lebensmittelvergiftung mit rohem Fleisch gestorben sind. Die japanischen Behoerden finden rohe Rinderleber koennen sie effektiv nicht kontrollieren und ein Lebensmittelvergiftungsrisiko ausschliessen. Daher das Verbot.

 

Und da das Verbot morgen in Kraft tritt, um die Leute vor Lebensmittelvergiftung und moeglichem Tod zu schuetzen, haben sich heute viele Japaner auf den Weg gemacht und in einem Yakiniku-Restaurant ihrer Wahl zum letzten Mal suuuper-lecker rohe Rinderleber gegessen.

 

 

Gibt eben Dinge, die man auch nach 5 Jahren in Japan nicht moegen muss 🙂

 

Wort des Tages: 牛レバー – gyuu rebaa – Rinderleber

Written by hanayagi

Juni 30, 2012 at 12:06 pm

Veröffentlicht in Tagesgeschehen

Tagged with ,

Anonymous Attacke

with 2 comments

Heute hat Anonymous anscheinend eine DDoS-Attacke gegen den obersten Gerichtshof (und einige andere Seiten) in Japan durchgefuehrt. Details kann ich gegenwaertig noch nicht nennen, nur dass die offizielle Webseite des Gerichts eine Weile lang nicht aufgerufen werden konnte. Die Attacke war als Antwort auf die gestrige Verschaerfung des japanischen Urheberrechts konzipiert. Bisher war illegales Downloaden und Uploaden in Japan zwar illegal, konnte aber nicht strafrechtlich verfolgt werden. Die strafrechtliche Verfolgung und Bestrafung mit bis zu zwei Jahren Haft und 250.000 Euro (ich schreibe aus dem Gedaechtnis, wenn es jemand besser weiss, bitte korrigieren) sind nun moeglich.

 

Hier eine japanische Quelle (ich hoffe morgen noch einen Japantimes Artikel oder so nachreichen zu koennen)

http://www.itmedia.co.jp/news/articles/1206/26/news116.html

(Der kleine Englischfehler in dem Screenshot  ist witzig.)

 

Hier noch die „offizielle“ englischsprachige Kriegserklaerung (und japanische Kommentare):

http://itaishinja.com/archives/3467895.html

 

Hier der vesprochene Japan Times Artikel

http://www.japantimes.co.jp/text/nn20120628a2.html#.T-u4t7W_E0k

 

Wort des Tages: 抗議 – kougi – Widerstand

Written by hanayagi

Juni 27, 2012 at 12:58 pm

Veröffentlicht in Tagesgeschehen

Tagged with , ,

Katsuya Takahashi

with 3 comments

Noch nie gehört? Ich weiss nicht, ob es die Nachricht in deutsche Medien geschafft hat, aber hier in Japan ist Herr Takahashi sehr berühmt, denn er war der letzte noch freie steckbrieflich gesuchte Mittäter der Giftgasanschläge auf die Tokyoter U-Bahn 1995. Letzte Woche wurde er endlich gefasst und ich möchte euch die Geschehnisse bei der Verhaftung einmal kurz zusammenfassen:

Takahashi wurde in einem Manga-Cafe gefasst. Er hatte sich (u.a.) dort versteckt, nachdem die vorletzte Aum-Angehörige (Kikuchi) gefasst worden war. (Davor wurde er beobachtet, wie er in einem anderen Laden eine Einzelkabine für 12 Stunden buchte (quasi Übernachtung) und sich drei Pornos aus der entsprechenden Ecke im Laden nahm und dann in seiner Kabine verschwand.)

Ein Kunde hatte die Polizei ein paar Tage davor davon verständigt Takahashi in diesem Cafe gesehen zu haben. Zwei Polizisten in Zivil kamen dann wohl regelmäßig in das Manga-Cafe. Am Tag der Festnahme machte ein Angestellter die Polizisten dann auf Takahashi aufmerksam. Drauf meinten die Polizisten: „Haben Sie sich nicht versehen?“ Worauf der Angestellte die Polizisten aufforderte noch einmal genau hinzusehen. Takahashi hatte die Polizisten mittlerweile bemerkt und versuchte sich zu verkrümeln, worauf dann einer der Polizisten ein wenig mißtrauisch wurde und ihn von hinten ansprach. Takahashi antwortete „Ich bin Takahashi Katsuya.“.

Damit ist nach 17 Jahren der letzte AUM-Attentäter gefasst.

    

Oben: Fahndungsfoto  (links: Kikuchi, rechts: Takahashi)

Unten: Aktuelles Foto

 

Japanische Polizisten scheinen mir irgendwie nicht auf zack zu sein. Aber bei Verbrechern wie Takahashi, die sich am Ende quasi in die Arme der Polizei werfen ist das wohl auch nicht nötig.

 

Wort des Tages: 逮捕 – taiho – Festnahme

Written by hanayagi

Juni 21, 2012 at 7:01 am

Veröffentlicht in Tagesgeschehen

Tagged with , ,

Update: Japans Rechte (2)

with 3 comments

Letztes Mal ging es um Herrn Ishihara, seines Zeichens seniler alter Sack (79 Jahre!) und Held der Rechten in Japan. Aber Herr Ishihara macht es vermutlich nicht mehr so lange und so dachte sich Herr Hashimoto in Osaka, dass er es seinem grossen Vorbild nachmachen und Gouverneur werden sollte. Und da Tokyo schon vergeben war, versuchte er es mit Osaka. Und weil Japaner Idioten sind,  Und weil viele Japaner den huebschen jungen Mann mit den autoritaeren und stramm rechten Ansichten mochten, klappte das auch wunderbar.

 

ファイル:IMG 5030.JPG

Und so sieht er aus, der Schnuckel.

 

Ishihara und Hashimoto teilen aber nicht nur ihr rechtes Gedankengut, sondern sie sind auch beide ehemalige „Talento“ (die talentlosen Clowns im japanischen Fernsehen). Herr Hashimoto hat ausserdem noch sieben Kinder, drei stramme Buben und vier fesche Maedels. Und wie es in Japan unter rechten Politikern guter Brauch ist, war sein Vater wohl Mitglied bei den Yakuza, genau wie damals bei Herrn Koizumi.

 

Aber genug gelaestert, kommen wir zum aktuellen Thema: Herr Hashimoto hat jetzt eine „Restauration-Politik-Schule“ (維新政治塾) aufgemacht. Da lernen dann so 2000 junge Maenner (und es sind fast ausschliesslich Maenner, denn wir sind schliesslich in Japan!), wie man hierzulande Politik macht. Der Plan ist, bei den naechsten Unterhauswahlen groesste Partei im Lande zu werden. Angesichts dieser Bedrohung gibt es nun wohl Gespraeche zwischen LDP und DPJ ueber eine grosse Koalition.

Nur zur Verdeutlichung: Hashimotos „Ishin no kai“ (Erneuerungs-Partei) ist zumindest im Moment eine auf Osaka begrenzte Lokalpartei. Es gibt KEINERLEI Erfahrung auf nationaler Ebene. Ich muss schon sagen, die japanischen Entsprechungen von CDU und SPD (zumindest was die Stimmenanteile angeht) haben nicht gerade viel Selbstvertrauen.

 

Zum Schluss ein paar ausgewaehlte Hoehepunkte (freie Uebersetzung):

1. (Die Asahi Shimbun ist die grosse „linke“ Zeitung in Japan.)

„Wenn es noch mehr Erwachsene in Japan gaebe, die wie die Asahi Shimbun immer nur laestern koennen, waere es vorbei mit Japan!“

und weiter

„Es waere besser fuer die Welt, wenn es die Asahi Shimbun nicht gaebe. Bescheuertes Presseorgan. Die sollten sofort pleite gehen. Die denken doch, solange sie die Maechtigen kritisieren ist alles erlaubt!“

dazu die Sankei Shimbun (ziemlich weit rechts) lapidar:

„Aaaalso … wie war das noch mit den Erwachsenen, die immer nur laestern koennen?“

 

2. (es geht um ein Dammbauprojekt und Hashimoto schreibt eine Mail an alle Angstellten der Praefektur Osaka)

„Ich finde es unglaublich, wie ruhig Sie alle sind angesichts von 380 Millionen Euro, die wir aufgrund der Fehlkalkulation des Wasserbedarfs verschwendet haben. Als ob Sie das alle nichts angeht. Wenn das hier eine Firma waere, waeren alle Angestellten blass! (vor Angst, Schrecken)“ und weiter „eine Organisation mit garantiertem Lohn ist wirklich angsteinfloessend!“

Darauf hat eine Angestellte dann eine Mail an ihn zurueckgeschrieben und ihm widersprochen. Seine Antwort: „Denken Sie erst einmal darueber nach, was Sie einem Vorgesetzten gegenueber sagen duerfen! Ich bin Ihr Vorgesetzter! Ich bin der Chef der ganzen Organisation! Haben Sie denn keinerlei gesunden Menschenverstand? Dies ist eine ernste Warnung als Ihr Vorgesetzter! Falls Sie noch etwas zu sagen haben, koennen Sie gerne in mein Buero kommen. Ich bin ganz Ohr…“

und ein paar Tage spaeter:

„Sie haben einfach keinen gesunden Menschenverstand, einem Vorgesetzten zu Widersprechen!“

Mein Kommentar dazu: Der „gesunde Menschenverstand“ wird in Japan gerne dazu missbraucht, missliebige Meinungen zu unterdruecken, nicht nur von Hashimoto

 

3. (im Zusammenhang mit seinem Plan Osaka als „zweite Hauptstadt Japans“ auszubauen)

„Was Japan jetzt am allermeisten braucht ist eine Diktatur. Eine Macht, die mit Diktatur vergleichbar ist.“

Kommentar dazu: Ich habe das Gefuehl, dieser Satz wird sein Vermaechtnis in der Politikgeschichte Japans werden.

 

Wort des Tages: 独裁者 – dokusaisha – Diktator

Written by hanayagi

April 21, 2012 at 2:45 am

Update: Japans Rechte (1)

leave a comment »

Herr Ishihara, Governeur von Tokyo und stramm rechts duerfte vielen Lesern bekannt sein. Im Moment macht er von sich reden mit einem Vorschlag drei der fuenf Senkaku-Inseln aufzukaufen. Senkaku? Da war doch was? Ach ja, das sind diese lustigen kleinen Felsbrocken im Ostchinesischen Meer.

 

   

Und so sehen sie aus, die Senkaku-Inseln         Der kleine rote Punkt

 

Japan und China streiten sich nun schon lange um diese Inseln und ab und zu muckt auch Taiwan auf. Letztes Jahr gab es dann einen Zwischenfall als der Kapitaen eines chinesischen Fischerboots sich dachte „David gegen Goliath? Pff, das kann ich auch!“ und ein Schiff der japanischen Kuestenwache rammte.

 

Was darauf folgte, war koestliches politisches Theater:

Die frischgewahlte DPJ-Regierung in Japan wollte keinen Streit mit China und versuchte, die Geschichte unter den Tisch zu kehren. Dann dachte sich aber ein Angehoeriger der zustaendigen Behoerde, dass es doch lustig waere, das – geheime – Video des Vorfalls zu veroeffentlichen. Zwischenzeitlich hatte in China natuerlich bereits die nationalistische Propagandamaschine eingesetzt und die boesen, boesen Japaner und ihren feindseligen Akt verdammt. Mein damaliger und bestens vernetzter Politikprofessor hat mir dann noch zugeraunt, dass das chinesische Fischerboot unerklaerlicherweise ein Loch im Bug aufwies, als es im chinesischen Hafen ankam. Dieses Loch ist auf dem Video noch nicht vorhanden. Ein Schelm, wer Boeses dabei denkt.

 

 

Aber kommen wir zum innerjapanischen Polittheater zurueck. Das Video also wurde „geleakt“ (wie man heutzutage so schoen sagt) und die Opposition griff prompt den damaligen Premierminister an (ich glaube, es war Kan, aber wer kann schon mit den japanischen PMs Schritt halten) aufgrund des „klaren Regierungsversagens“. Ja, nee, is‘ klar! Der Mensch, der das Video an die Oeffentlichkeit gebracht hat, wurde uebrigens gefeuert.

Und genau diese ollen Senkaku Inseln will der noch ollere Ishihara jetzt also mit Steuergeldern kaufen (bisher fallen die Inseln als Verwaltungseinheit in Okinawas Zustaendigkeitsbereich). Seine Begruendung: „Tokyo beschuetzt die Senkakus“.

 

Die Materie ist komplex und China und Japan haben beide recht wackelige Argumentationen, was die Anrechte auf die Inseln betrifft, wobei ich persoenlich denke, dass Japan hier einen Sieg nach Punkten vorzuweisen hat. Dazu kommen dann natuerlich noch wirtschaftliche Interessen (Fischerei, Erdgas) und natuerlich die leidige Politik bzw. Nationalismus zum Beispiel in der Gestalt Ishiharas.  Genau deswegen finde ich der alte Sack Ishihara sollte nicht noch mehr Oel ins Feuer giessen nur um seine nationalistischen Kredenzen aufzubessern. Aber vielleicht ist er ja auch einfach nur aufmerksamkeitssuechtig.

 

Wort des Tages: 都知事 – tochiji – Gouverneur von Tokyo

 

P.S. Der gute Tabibito hat auch einen Artikel zu dem Thema geschrieben.

Written by hanayagi

April 20, 2012 at 7:43 am